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WWF und Sepp Moser: Naturschutz zum Angreifen
Wien/Apetlon, am 5. September 2007 – In Apetlon im burgenländischen Seewinkel wurde heute eine Kooperation der besonderen Art vorgestellt: Erstmals arbeiten in Österreich eine Naturschutzorganisation, ein Nationalpark und ein Weingut zusammen, um bedrohte Teile der traditionellen Kulturlandschaft wiederherzustellen: Der Weinbaubetrieb Sepp Moser ist gemeinsam mit dem Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel und dem WWF in der Pflege der Apetloner Hutweiden aktiv. „Das Engagement des Weingutes Moser ist beispielhaft dafür, dass Naturschutz und verantwortungsbewusste Landwirtschaft bestens zusammenarbeiten können“, erklärt Dr. Bernhard Kohler vom WWF.
Die steppenartigen Weideflächen rings um die Lange Lacke sind zunehmend von Verbuschung und Überdüngung bedroht. Das Problem besteht im Vordringen einer aus Südwestasien eingeschleppten Strauchart – der Ölweide. Die Ausbreitung dieser Weide schränkt nicht nur die Offenheit und Weiträumigkeit der Landschaft ein, sondern führt auch zu einer Überdüngung der traditionell nährstoffarmen Steppenflächen. Will man den besonderen Charakter und den Artenreichtum der Landschaft erhalten, müssen Ölweiden auf allen naturnahen Flächen beseitigt werden. Die Mitarbeiter des Weinguts Sepp Moser leisteten dabei tatkräftige Hilfe. Im Rahmen einer groß angelegten Rodungsaktion befreiten sie gemeinsam mit dem WWF Nationalparkflächen von dem Strauchwerk. Von der Aktion profitieren wiesenbrütende Vögel wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Rotschenkel sowie über 400 Blütenpflanzen.
Das Unternehmen Moser war in den 1960er Jahren ein Leit- und Pionierbetrieb der Weinproduktion im Seewinkel und damit auch an den einschneidenden Landschaftsveränderungen dieser Zeit beteiligt. Heute ist vieles anders: Durch die Umstellung auf biologisch-dynamischen Weinbau fühlt sich das Weingut Moser im Sinne einer echten Nachhaltigkeit auch zu aktivem Naturschutz verpflichtet. „Die Artenvielfalt hier im Nationalpark ist ein unglaublicher Schatz“, so Nikolaus Moser. „Wir sind stolz darauf, unseren Beitrag dafür zu leisten, dass diese wertvolle Naturlandschaft für die kommenden Generationen erhalten bleibt!“
Um den offenen Charakter der Steppenlandschaft wieder herzustellen, werden die Ölweiden mit Hilfe von Traktoren entwurzelt und entfernt. Der Grünschnitt wird kompostiert und danach zur Düngung in den Weingärten ausgebracht. Durch die Beseitigung der Büsche wird auch die traditionelle Nährstoffarmut der Seewinkler Weideflächen gesichert. Im Weingarten hingegen sind die von den Ölweiden angesammelten Nährstoffe willkommen.
Im Gemeindegebiet von Apetlon bewirtschaftet die Firma Moser 50 Hektar Weingärten in den Rieden Hollabern, Hedwighof und Fuchsloch. Mit der Umstellung des Betriebes auf biologisch-dynamischen Landbau bemüht man sich besonders um ganzheitliche Sichtweisen. Aus diesem Grund reichen die Aktivitäten Mosers auch bewusst über die Grenzen der eigenen Flächen hinaus: In einem etwa 20 Hektar großen Gebiet am Ostufer der Langen Lacke wurden in den letzten zwei Jahren Ölweiden entfernt, die die betroffenen Flächen aus Naturschutzsicht entwerten würden: An die Stelle blütenreicher Steppen tritt ein undurchdringlicher Dornwald, der schattig, völlig überdüngt und extrem artenarm ist. Lichtliebende seltene Pflanzen wie das Kleine Knabenkraut – eine Orchideenart -, der österreichische Steppensalbei oder die phönizische Königskerze verschwinden so für immer. Auch zahlreiche Vögel, Säugetiere und Insekten sind auf eine baumlose und nährstoffarme Hutweide angewiesen.
Ölweiden und andere exotische Gehölze wurden im Seewinkel nach dem Zweiten Weltkrieg vermehrt angepflanzt, um in der windgepeitschten Steppenlandschaft günstigere Voraussetzung für den Weinbau zu schaffen und karge Standorte aufzudüngen. Diese anspruchslosen Bäume dringen zunehmend in wertvolle Trockenrasenreste und in die von Natur aus völlig baumfreien Salzsteppen ein. Wegen ihrer fünf Zentimeter langen Dornen werden die Bäume von Rindern gemieden und können sich so ungebremst vermehren.
Die in der Obhut des Nationalparks befindlichen Hutweiden an der Langen Lacke gehören zu den wertvollsten Teilen der Seewinkellandschaft. Sie intakt zu halten, ist ein Auftrag an alle, die in der Region verantwortungsvoll und wirklich nachhaltig wirtschaften wollen.
Fotos von Pflegeaktion und Pressegespräch: www.wwf.at/presse
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250
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