Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben
WWF: Kärnten unter Strom
Klagenfurt, 12. August 2009 – Enge Schluchten, flache Ufer, Buchten und Auwälder: So naturnah präsentieren sich Kärntens Fließgewässer nur noch an wenigen Stellen. Bereits alle 15 Kilometer unterbrechen Wasserkraftanlagen die Flüsse und Bäche in ihrem natürlichen Verlauf. 83 Prozent der Kärntner Flüsse sind bereits energiewirtschaftlich genutzt. Trotz der bereits bestehenden 540 Anlagen
sieht das Energiekonzept Kärnten vor, die Wasserkraft bis zum Jahr 2015 um weitere sieben Prozent auszubauen. „Wenn Energiewirtschaft und Politik diese Pläne verwirklichen, kommt dies einer Totalzerstörung der Kärntner Flussjuwele gleich!“, warnt Andreas Wurzer, Stv. Geschäftsführer des WWF. Der WWF und die Plattform „Flüsse voller Leben“ laden daher alle Kärntner ein, die Petition zum dauerhaften Schutz der Flüsse auf www.fluesse-voller-leben.at/petition zu unterzeichnen.
Obwohl Kärntens Wasserkraft-Potential bereits zu 83 Prozent ausgeschöpft ist, soll nun – unter dem Deckmantel des Klimaschutzes – vor allem die Kleinwasserkraft ausgebaut werden. „Wir erwarten durch die Flut an Kleinwasserkraftanlagen massive ökologische Verschlechterungen“, erklärt Günther Unfer vom Institut für Hydrobiologie der BOKU Wien. „In Summe betrachtet haben viele Kleinwasserkraftwerke weit schlimmere Auswirkungen als wenige große Anlagen, weil sie, im Verhältnis zu ihrer Energieleistung und ihrem volkwirtschaftlichen Nutzen, enorm viel Naturraum verbrauchen und sich so katastrophal auf unser gesamtes Flussadernetz auswirken!“

Thomas Schneditz, Kärntner Landesumweltreferent der Naturfreunde Österreich, sagt: "Kärnten hat jetzt bereits einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie aus Wasserkraftwerken. Doch die Lösung unseres zukünftigen Energiebedarfs kann nicht darin gefunden werden, die verbliebenen Schönheiten unserer Wasserwelten zu opfern. Die Antwort liegt neben einem sparsameren Umgang mit Energie insbesondere auch im Erreichen einer höheren Effizienz beim Verbrauch".
Wurzer vom WWF pflichtet ihm bei: "Auch bei erneuerbarer Energie muss ein Mittelweg gefunden werden – nicht jeder Bach darf zugepflastert werden!" In Kärnten sei keine weitere Beeinträchtigung durch die Wasserkraft mehr tragbar. Die E-Wirtschaft habe kein Hoheitsrecht auf Österreichs Flüsse.
Manfred Winker, Leiter des Kajak-Centers in Faak am See, verweist auf die wichtige Funktion intakter Flusslandschaften für den Tourismus und Freizeitwirtschaft. „Unsere Gäste kommen von weit her, weil sie bei uns in Kärnten noch unberührte Natur- und Flusslandschaften vorfinden. Wir Kajaksportler werden nicht zulassen, dass unsere letzten intakten Wasserstrecken für ein paar Prozent Strom geopfert werden!“, so Winkler.
Allianz für Flüsse voller Leben
Angesichts des drohenden totalen Ausbaus der letzten österreichischen natürlichen Flüsse und Bäche haben sich die größten Naturschutzorganisationen (WWF, Naturschutzbund, Naturfreunde, Österreichisches Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Österreichischer Fischereiverband, kajak.at und der Alpenverein Edelweiss) zur Plattform Flüsse voller Leben zusammen geschlossen. Das Ziel der Plattform ist der gesetzlich verbindliche Schutz der Flüsse. Der WWF und seine Partner treten für Effizienzsteigerung, Energiesparen, die Modernisierung bestehender
Wasserkraftwerke und den Ausbau anderer Erneuerbarer Energieträger ein. Dadurch sollen auch wesentlich mehr neue Arbeitsplätze geschaffen werden als dies mit dem Ausbau der Wasserkraft möglich ist.
Rückfragen:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich,
Email: claudia.mohl@wwf.at.
Fakten zu Flüssen und Kraftwerksplänen in Kärnten, Fotos, Petition, und weitere Pressematerialien: www.fluesse-voller-leben.at (Presse).
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