WWF-Studie: Massiv gefährdete Donaustöre beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität

14. Juli 2026 | Arten, Flüsse, Presse-Aussendung

In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung

Trotz strenger Schutzbestimmungen werden Störe in der Unteren Donau beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität. Das zeigt eine neue, umfassende Studie des WWF. Demnach wurden im zehnjährigen Untersuchungszeitraum 509 Fälle von Wilderei an Stören dokumentiert, bei denen mindestens 3.366 einzelne Tiere in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine illegal getötet wurden – das entspricht etwa einem Tier pro Tag. Angesichts dieser Ergebnisse warnt der WWF vor einem Kollaps der fragilen Stör-Populationen: „Die Ergebnisse sind nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer liegt weit darüber. Da Störe als die weltweit am stärksten gefährdete Tiergruppe gelten, ist jeder getötete Stör ein Rückschlag für den Fortbestand der Art – daher müssen diese Straftaten konsequenter verfolgt werden”, sagt Studienautorin und WWF-Artenschutzexpertin Jutta Jahrl. Wilderei und der illegale Handel mit Störfleisch und Kaviar stellen die größte Bedrohung für die urtümlichen Fische dar. Um das Überleben der seltenen Tiere zu sichern, fordert der WWF eine strengere Durchsetzung bestehender Gesetze, verstärkte Kontrollen, eine engere grenzübergreifende Zusammenarbeit der zuständigen Behörden und bessere Monitoring- und Meldesysteme.

263 Kilogramm illegaler Kaviar beschlagnahmt 
Die Studie basiert auf Daten behördlicher Beschlagnahmungen von Stören, illegalen Fanggeräten, Fleisch und Kaviar, die der WWF über zehn Jahre gesammelt und ausgewertet hat. Im gesamten Analysezeitraum (2016 – 2025) konnten die Behörden rund sechseinhalb Tonnen Störfleisch und ganze Fische sowie mehr als 263 Kilogramm Kaviar beschlagnahmen. „Darunter befanden sich auch einige große Aufgriffe, wie etwa ein Fall mit rund 40 Kilogramm Kaviar – im geschätzten Wert von 46.500 Euro”, sagt WWF-Expertin Jahrl. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl illegaler Fanggeräte sichergestellt. Allein in Bulgarien konnten die Behörden 1.250 verbotene Hakenleinen – sogenannte „Karmaci” – mit einer Gesamtlänge von mehr als 45 Kilometern und rund 54.000 Haken beschlagnahmen. Diese Fangmethode gilt als besonders grausam, da sich die Störe an den vielen sehr scharfen Haken an einer langen Leine schwer verletzen können. „Im schlimmsten Fall kämpfen die Störe dann Stunden oder sogar Tage ums Überleben”, sagt Jahrl vom WWF Österreich.

Alle vier Stör-Arten in der Unteren Donau sind betroffen  
Einzelne der über 500 dokumentierten Fälle umfassen weit mehr als 100 getötete Tiere. Am häufigsten betroffen waren Sterlets (42 Prozent). Die Beluga-Störe – auch Hausen genannt – wurden zwar seltener Opfer, aber davon wurden einige besonders große Tiere beschlagnahmt, die über zwei Meter lang und 200 Kilogramm schwer waren – ein enormer Verlust für die Population. Betroffen waren neben Sterlet, Sternhausen und Beluga-Stören auch die äußerst seltenen Waxdicks – auch bekannt als Russische Störe. „Die Untere Donau ist eine der letzten Regionen weltweit, in der bis heute trotz aller Bedrohungen vier verschiedene Stör-Arten überlebt haben und sich fortpflanzen. Das ist ein großer Schatz, den wir unbedingt bewahren müssen”, sagt Jahrl vom WWF.

Den vollständigen Report (Englisch) sowie Bildmaterial finden Sie hier zum Download.

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Valentin Ladstätter
Pressesprecher, WWF Österreich

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