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Amazonas: Neue Studie warnt vor 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Entwaldung
Wien, am 23. Juli 2026 – Der Rückzug der größten Sojahändler aus dem freiwilligen Amazonas-Soja-Moratorium könnte in Brasilien innerhalb der kommenden zehn Jahre mindestens 1,4 Millionen Hektar zusätzliche Entwaldung verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Fachjournal „Science“. Im Rahmen des Moratoriums sagten große Händler zu, kein Soja von Flächen zu beziehen oder zu finanzieren, die nach Juli 2008 entwaldet wurden. Die direkte Rodung für neue Sojafelder sank danach nahezu auf null. Gemäß einer WWF-Umrechnung entspricht die jetzt prognostizierte zusätzliche Entwaldungsfläche rund dem 34-Fachen der Fläche Wiens. „Der Rückzug der Händler setzt einen wirksamen Schutz vor weiterer Entwaldung im Amazonas aufs Spiel. Mit dem Soja-Moratorium kam die direkte Rodung für neue Sojafelder nahezu zum Erliegen. Dieser Erfolg droht jetzt verloren zu gehen“, warnt Julia Haslinger vom WWF Österreich. „Europa sollte daher verhindern, dass für Soja in Futtermitteln weiterer Regenwald zerstört wird.“
Das 2006 gestartete Soja-Moratorium ist eine freiwillige Branchenvereinbarung. Große Sojahändler sagten darin zu, kein Soja von Flächen im Amazonasgebiet zu kaufen oder zu finanzieren, die nach Juli 2008 entwaldet wurden. Zuvor ging fast ein Drittel der jährlichen Ausweitung der Sojaflächen mit direkter Entwaldung einher. Danach sank die Rodung für neue Sojafelder nahezu auf null. Im Jahr 2016 wurde die zunächst befristete Vereinbarung auf unbestimmte Zeit verlängert. 2026 beendete ein Großteil der marktführenden Sojahändler (ABC-ADM, Bunge, Cargill) ihre Zusagen und setzten das Moratorium damit faktisch außer Kraft.
Der WWF fordert Sojahändler sowie Lebensmittel- und Futtermittelunternehmen auf, ausschließlich entwaldungsfreies Soja zu beziehen und dessen Herkunft vollständig rückverfolgbar zu machen. Die EU sollte ihre Entwaldungsverordnung konsequent umsetzen und wirksame Kontrollen gewährleisten. Auch österreichische Unternehmen, die Soja oder sojahaltige Rohstoffe verwenden, sollten ausschließen, dass für ihre Lieferketten Regenwald zerstört wird.
Grüne Lunge und Hotspot der Artenvielfalt
Der Amazonas-Regenwald ist der größte zusammenhängende Regenwald der Erde und eine der wichtigsten Regionen für den weltweiten Klima- und Artenschutz. Ein Großteil liegt in Brasilien. Der oft als „grüne Lunge“ des Planeten bezeichnete Wald beeinflusst das Klima und die Niederschläge weit über die Region hinaus und beherbergt rund zehn Prozent der bekannten Arten. Darunter sind charakteristische und bedrohte Tiere wie Jaguar, Amazonas-Flussdelfin und Tapir. Entwaldung, Brände und die Ausweitung der Landwirtschaft setzen diesen einzigartigen Lebensraum jedoch stark unter Druck.
Über die aktuelle Studie:
Die Studie “The rise and fall of the Amazon Soy Moratorium – Challenges to the voluntary zero-deforestation pact could impose costs for forests and the soy sector” ist im Juli 2026 im Fachjournal Science publiziert worden. Studienautor:innen sind Lisa Rausch, Tiago N. P. Reis (WWF Brasilien), Cristiane Mazzetti, Marcos Barrozo, Marin Skidmore, and Holly K. Gibbs.
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