Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Ein Jahr Flussrenaturierung Lahnstein:
Ebensee, am 30. Oktober 2009 – Vor knapp einem Jahr nahm der Gewässerbezirk Gmunden das bisher größte Renaturierungsprojekt an der Oberen Traun in Angriff: Das bislang eingeengte Traunufer wurde aufgeweitet, ein Altarm wieder angebunden, Amphibientümpel angelegt und Brutplätze für Eisvogel und Co. geschaffen. „Hier in Lahnstein kann man wunderschön aufzeigen, wie nachhaltiger Hochwasserschutz und die Rückeroberung von Lebensraum für Tier und Mensch Hand in Hand gehen“, erklärt Wilhelm Laimer, als Leiter des Gewässerbezirks Gmunden für das Projekt hauptverantwortlich. Die Maßnahmen in Lahnstein, Gemeinde Ebensee, erfolgten in enger Abstimmung mit der Flussraumbetreuung Obere Traun – ein gemeinsames Projekt von Land Oberösterreich, Land Steiermark, Lebensministerium und WWF.
Die Österreichischen Bundesforste gestalten als Grundbesitzer die Pflegemaßnahmen bei Lahnstein aktiv und engagiert mit. Matthias Pointinger, Fischereibeauftragter der Österreichischen Bundesforste, erklärt dazu: „Damit sich die Natur hier wieder in ihrer Ursprünglichkeit entwickeln kann, entfernen wir standortfremde Fichten und ermöglichen so auwaldtypischen Baumarten wie Weide, Erle und Pappel ihre Rückkehr.“
Besonders die Vielfalt wasserliebender Arten profitiert von den Maßnahmen für mehr Natur an der Traun: „Amphibien, Fische und viele Insektenlarven haben den Seitenarm und die Tümpel rasch als attraktiven Lebensraum angenommen“, erklärt Flussraumbetreuerin Tanja Nikowitz. Der Herpetologe Rainer Mysliwietz begleitet den neuen Auwaldkomplex seit Beginn in seiner Freizeit und freut sich: „Neben Erdkröte und Grasfrosch haben besonders auch seltene Arten wie Laubfrosch und Gelbbauchunke von den Maßnahmen profitiert. Ich beobachte auch viele Ringelnattern, die sich in den neuen Tümpeln sichtlich wohlfühlen.“ Das große Interesse der Bevölkerung am neu gestalteten Traunabschnitt, zeigten viele gut besuchte Führungen und Exkursionen. „Unter anderem durften wir HerpetologInnen, den Alpenverein Ebensee, die Hortgruppe Elsa aus Reiterndorf, die 3. Klasse der Hauptschule II Bad Ischl und die WWF ÖkopädagogInnen durch die Lahnsteinau führen“, berichtet die Flussraumbetreuerin. An heißen Sommertagen tummelten sich zudem Groß und Klein auf den Sand- und Schotterufern, und genossen den neuen Erholungsraum an der Traun.
Erstes Hochwasser in der wieder belebten Lahnsteinau
Das Frühjahrshochwasser nach der Schneeschmelze setzte das neue Nebenarmsystem seiner ersten „Belastungsprobe“ aus. Starke Regenfälle im Juni folgten und führten zu einem 10-jährlichen Hochwasser. Wilhelm Laimer sieht sich bestärkt: „Die Wassermassen konnten sich im Nebenarm und Auwald optimal ausbreiten und wurden abgebremst. Dies sorgte für eine effektive Entlastung des Hauptarmes und eine Verlangsamung der Hochwasserwelle. Somit war sowohl der angrenzende Siedlungsbereich als auch die Bundesstraße vor Überflutungen geschützt.“ Auch Fische und Amphibien konnten in den angrenzenden Stillgewässern unbeschadet überstehen.
Bagger für die Au !
Die umfangreichen Renaturierungsarbeiten in Lahnstein sind das Herzstück der bisherigen Renaturierungsmaßnahmen aus dem Gewässerbetreuungskonzept Obere Traun (GBK): Die alte Uferverbauung wurde auf einer Länge von 350 Metern entfernt, wodurch die Traun rechtsseitig um 15 Meter mehr Platz zur Ausbreitung erhielt. Ein 800 Meter langer, bislang vom Hauptfluss abgeschnittener Altarm wurde wieder an die Traun angebunden. „Im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers wird der Wasserstand dadurch um beachtliche 40 Zentimeter abgesenkt“, freut sich Laimer. Die Anlage von Tümpeln und lehmigen Steilwänden komplettierten die Maßnahmen.
Herausforderungen der nächsten Zeit
„Ein erster Grundstein für mehr Artenvielfalt an der Traun wurde gelegt“, resümiert Nikowitz. Sie hofft, dass bald auch der Eisvogel in den lehmigen Steilwänden brüten wird, und der Flussregenpfeifer auf den geschützten Schotterbänken seine Jungen großzieht. Wilhelm Laimer plädiert für eine rasche Fortsetzung des Pilotprojekts: „Auch in den Gemeinden Bad Ischl, Bad Goisern und Obertraun gibt es die Chance, ähnliche Vorhaben zum Schutz von Mensch und Natur umzusetzen. Bereits im Herbst 2010 soll damit begonnen werden.“
Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250
Tanja Nikowitz, Flussraumbetreuerin Obere Traun, Tel. 0676/83 488 219
Wilhelm Laimer, Leiter des Gewässerbezirks Gmunden, Tel. 0664/125 37 34
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