Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
Naturparadies in Gefahr: Eisvogel & Co. von Kraftwerk Rosenburg bedroht
WWF-Presseaussendung
Naturparadies in Gefahr: Eisvogel & Co. von Kraftwerk Rosenburg bedroht
Das Schutzziel des Europaschutzgebietes am Kamp muss erhalten bleiben
Wien/Rosenburg, am 5. Mai 2016: Das mittlere Kamptal ist ein einzigartiges Naturparadies. Flussaufwärts von Rosenburg fließt der Kamp durch eine besonders schöne und urtümliche Landschaft und hat sich tief in die umgebende Hochfläche eingeschnitten. Die Hänge der Flussschlingen sind mit naturnahen Schlucht- und Hangmischwäldern bewachsen. Wilde Felsformationen und schmale Auen säumen das rauschende Forellengewässer. „Hier finden seltene Arten wie Eisvogel, Uhu und Schwarzstorch, Smaragdeidechse und Würfelnatter, Alpenbock und Scharlachkäfer, Wasseramsel, Eisvogel und viele andere geschützte Arten noch ungestörte Lebensräume“, freut sich Christoph Litschauer, Flussexperte des WWF. Die ökologischen Kriterien für den Schutz dieser Arten gibt die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU vor; in Folge hat das Land Niederösterreich das Gebiet auch als Natura 2000 Europaschutzgebiet ausgewiesen. Der mittlere Kamp trägt außerdem das von WWF und BMLFUW verliehene Prädikat „Flussheiligtum“.
Doch die Idylle könnte ein baldiges Ablaufdatum haben: Wenn die EVN das historische Kraftwerk Rosenburg durch ein neues ersetzt, lässt die höhere Staumauer den Wasserspiegel so stark steigen, dass die bisher unangetasteten Uferbereiche überflutet werden. „Alte Kraftwerke zu sanieren ist grundsätzlich zu begrüßen, doch gilt es, das so genannte Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu beachten“, erklärt Litschauer und führt weiter aus: „Die Sanierung hat so zu erfolgen, dass es zu keiner weiteren Verschlechterung des Kamp im betreffenden Abschnitt kommt.“ Durch die Erhöhung des Stauziels und Ausbaggerungen des Flussbettes im Unterwasser drohen dem Ökosystem schwere Schäden.
„Die Zerstörung der Heimat von europaweit geschützten Tier- und Pflanzenarten macht auch aus Sicht des Klimaschutzes wenig Sinn – denn das Kleinkraftwerk leistet nur einen äußerst geringen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung“, stellt Litschauer vom WWF fest. „Es ist zwar modern, den Klimawandel gegen den Naturschutz auszuspielen, aber das Argument zielt gerade in Niederösterreich mit seinen vielen neuen Autobahnkilometern ins Leere. Der wichtigste Ansatz für die Energiewende sei die Festlegung verbindlicher Verbrauchsziele, so Litschauer.
Bezüglich erneuerbarer Energien sind Sanierungen von bestehenden Kraftwerken grundsätzlich zu begrüßen, sie dürfen aber keine weiteren ökologischen Verschlechterung der Fließgewässer nach sich ziehen, wie das beim Kraftwerk Rosenburg geplant ist. „Deshalb ist die Politik gefordert, den Kamp zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren“, erklärt Litschauer. „Wir appellieren dringend an Naturschutzlandesrat Stephan Pernkopf, dafür zu sorgen, dass das Europaschutzgebiet von allen Eingriffen verschont bleibt!“
Die letzten großen naturnahen Flusstäler des mittleren Kamps haben nicht nur eine außergewöhnliche ökologische Bedeutung, sondern sollten auch als Reliktstandorte anderswo längst verschwundener Flussnatur für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. Als frühlingshaftes Ausflugsziel für die ganze Familie hat der Kamp einiges zu bieten: So lädt der künstlerisch gestaltete Lehrpfad „Anima Florae“ zum Flanieren und Staunen ein. Beginnend in Wegscheid am Kamp, säumen 36 Bildtafeln mit heimischen Pflanzen den ehemaligen Waldlehrpfad von Wegscheid am Kamp bis zur Ruine Schauenstein.
Rückfragehinweis, Fotos von Arten und Flussnatur:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 0676/83488203, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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