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Aktion: „Sperrstund is´! Klima-Zeche zahlen“
Wien, 7. Oktober 2009 – In einer groß angelegten Aktion vor dem Finanzministerium in Wien forderten heute mehr als 50 Organisationen der Zivilgesellschaft von der Bundesregierung, ihre Zeche für die verfehlte österreichische Klimapolitik zu zahlen. Verlassene Wirtshaustische, leere Gläser und melancholische Heurigenmusik. In der Aufsehen erregenden Aktion „Sperrstund is’! Klima-Zeche zahlen“ deponierten die Organisationen ihre Forderungen für die Klimakonferenz in Kopenhagen.
Verantwortung kostet: Die EU ist gefordert jährlich 35 Mrd. Euro für die internationale Finanzierung von Klimamaßnahmen aufzubringen, für Österreich bedeutet das rund 800 Millionen Euro pro Jahr. Jede der teilnehmenden Organisationen spießte symbolisch vor dem Finanzministerium einen Rechnungszettel auf, um einzelne Klimaschäden in Rechnung zu stellen, etwa den Verlust von fruchtbarem Ackerland, die massive Ausbreitung von Tropenkrankheiten, das Abschmelzen der Gletscher und die immer häufigeren Überflutungen.
Österreichs Zivilgesellschaft fordert Schutz für die Betroffenen: Die Hauptverursacher – die Industrieländer – haben viele Jahrzehnte Treibhausgase „gezecht“, daher ist es nur fair, wenn sie nun auch für die Kosten, die der Klimawandel bereits jetzt verursacht, aufkommen. Österreich muss seinen gerechten Beitrag leisten.
Menschen in Entwicklungsländern haben kaum etwas zur Verursachung des Klimawandels beigetragen, trotzdem treffen sie die dramatischen Folgen schon jetzt am härtesten. Während auf den Philippinen Hurrikans für Flutkatastrophen sorgen, herrscht in weiten Teilen Indiens Dürre. Studien beweisen, dass der Anstieg der Wetterextreme die Spirale der Armut weiter nach unten dreht. Die Verletzlichkeit der Menschen steigt nach jeder Katastrophe weiter an. Die Zeit, die die Menschen brauchen, um sich von einem Klimaschock zu erholen, wird immer länger. Tritt bereits in diesen Erholungsphasen ein neues Extremereignis ein, so trifft es die Menschen noch schutzloser als beim letzten Mal.

Die beiden Granden der „neuen Wiener(lied)szene“, Birgit Denk und Matthias Kempf, haben der Aktion ihre Stimme geliehen und das gleichnamige Lied von Hans Moser zum Besten gegeben. „Sperrstund is’! Jetzt ist Zahltag für uns Klimasünder“, bringt es die Wiener Szenegröße Birgit Denk auf den Punkt. „Hundert Menschen aus Äthiopien blasen gerade einmal soviel Kohlendioxid in die Luft wie ein Österreicher oder eine Österreicherin! Für diese Ungerechtigkeit müssen wir die Verantwortung tragen und unseren Teil der Zeche übernehmen. Und: es brennt der Hut: Jeder Tag an dem wir nicht handeln, fordert neue Opfer!“ Der zweite Teil des Duos, das für die musikalische Untermalung der Aktion sorgte – der Wienerliedpoet Matthias Kempf, fordert mit Nachdruck: „Wir haben unser Ständchen heute ja quasi vor einem Millionenpublikum zum Besten gegeben. Die 50 NGOs vertreten ein breites Spektrum der österreichischen Bevölkerung – und die ist besorgt. Gemeinsam fordern wir: „Österreich darf nicht zum ’Klima-Zechpreller’ werden!“
In den UN-Klimaverhandlungen – zuletzt im Bali-Action Plan – wurde die Verantwortung der Industrieländer zur Finanzierung von Anpassung und Reduktion bereits festgelegt und vereinbart. Ausgeblieben sind bisher Konkretisierungen dieser Verantwortlichkeit. Nur durch verbindliche Zusagen von Finanzmitteln können die derzeit stockenden Klimaverhandlungen wieder an Dynamik gewinnen und im Dezember auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zu einem neuen, nachhaltigen Klimaabkommen führen. Die Allianz für Klimagerechtigkeit und die sie unterstützenden Organisationen fordern die österreichische Bundesregierung auf, ein klares Bekenntnis zur Klimafinanzierung zu geben und damit andere Industriestaaten zu ähnlichem Handeln zu motivieren. Einigkeit herrscht bei den 50 Organisationen auch, dass es sich um zusätzliche Mittel handeln muss. Bereits zugesagte Mittel für Armutsbekämpfung umzuschichten wäre der Gipfel westlichen Zynismus.
Rückfragen bitte an: Mag. Christian Herret, Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, T: 01-4810991-41, M:0676-880111071; Email: christian.herret@dka.at.
Hintergrundinfos und Fotomaterial auf:
www.klima-allianz.at
Liste der teilnehmenden Organisationen:
•Afroasiatisches Institut Wien
•AG Globale Verantwortung
•Ärzte und Ärztinnen für eine gesunde Umwelt
•CARE Österreich
•DKWE Salzburg
•Enchada -Katholische Jugend
•FairÄnderungs-Team der katholischen Jugend St. Pölten
•Fair Share
•Fairtrade Österreich
•Fastenaktion St. Pölten
•FIAN – Food First Information Action Network, Sektion Österreich
•GLOBAL 2000
•Greenpeace CEE
•Guatemala Solidarität
•HORIZONT3000
•IG Passivhaus
•Jugend eine Welt
•Jugend-Umwelt-Netzwerk
•Katholische Jugend Wien
•Katholische Jungschar St. Pölten
•Katholische Jungschar Österreich
•Katholische Aktion St. Pölten
•Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung St. Pölten
•Katholisch Frauenbewegung Wien
•Katholisch Frauenbewegung Österreich
•Katholische Hochschulgemeinde Wien
•Klimabündnis
•Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission / Kampagne "Klima fair bessern!"
•Licht für die Welt – Christoffel Entwicklungszusammenarbeit
•Naturfreunde Internationale
•Naturfreunde Österreich
•Netzwerk für Entwicklungszusammenarbeit der Diözese Vorarlberg
•Ökobüro – Koordinationsstelle österreichischer Umweltorganisationen
•OMEGA/IPPNW Austria
•Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung
•Österreichische Bergbauern- und Bäuerinnen Vereinigung – Via Campesina Austria
•Pfarre Purgstall
•respect – Institut für integrativen Tourismus und Entwicklung
•SPES-Zukunftsakademie Schlierbach
•Steyler Missionare
•Umweltbeauftragte evangelischen Kirchen
•Internationaler Versöhnungsbund – Österreichischer Zweig
•Welthaus St. Pölten
•Welthaus Innsbruck
•Welthaus Österreich
•Weltumspannend Arbeiten – ÖGB
•WIDE – Women in Development
•World Vision Österreich
•WWF Österreich
Die Allianz für Klimagerechtigkeit dient als dauerhafte Themenplattform österreichischer Nichtregierungsorganisationen (NROs), die in den Bereichen Umwelt, Entwicklungs¬zusammenarbeit (EZA), Soziales und Humanitäre Hilfe tätig sind. Sie setzt sich für mehr Klimaschutz in Österreich und für internationale Klimagerechtigkeit ein und will Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Klima und Entwicklung bei der breiten Öffentlichkeit, MeinungsbildnerInnen, Behörden und EntscheidungsträgerInnen schaffen.
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