Bericht zeigt großen Handlungsbedarf bei der Vorsorge gegen klimabedingte Schäden – WWF legt 4-Punkte-Plan gegen aufgehende Versicherungslücke vor
Alpenkonvention-Gipfel: WWF fordert mehr Einsatz gegen den Flächenfraß
Naturschutzorganisation pocht vor Ministerkonferenz auf Ökologisierung der Raumordnung und Ausbaustopp für Skigebiete – Länder-Vergleich zeigt Österreichs Aufholbedarf bei der Raumordnung
Innsbruck, Wien, am 10. Dezember 2020. Anlässlich der heutigen Ministerkonferenz der Alpenkonvention mit Umweltministerin Leonore Gewessler fordert die Naturschutzorganisation WWF ein umfassendes Bodenschutzpaket, um die letzten alpinen Freiräume vor der Verbauung zu bewahren. Österreich ist das einzige Land der Alpen ohne übergeordnete Raumordnung auf gesamtstaatlicher Ebene, wie ein aktueller Vergleich zeigt. Einige der Folgen sind: Nur noch sieben Prozent der heimischen Landschaft sind frei von großtechnischer Infrastruktur. Drei Fünftel der alpinen Freiräume sind nicht vor großtechnischer Erschließung geschützt. Immer neue Speicherteiche und Luxus-Chalet-Dörfer verschandeln die Landschaft, damit einige wenige Investoren profitieren. Angesichts der Begrenztheit des Bodens warnt sogar der Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention in seinem Bericht vor „besorgniserregenden Verlusten“. „Der steigende Flächenfraß bedroht wertvolle Rückzugsorte für die Tierwelt und einzigartige Erholungsräume für die Menschen. Daher muss die Politik endlich sorgsamer mit unserer Natur umgehen“, sagt Christoph Walder, der den WWF in der Alpenkonvention vertritt. Die Naturschutzorganisation fordert insbesondere eine Ökologisierung der Raumplanung und verbindliche Ausbaugrenzen für Infrastruktur, weil das Angebot an bestehenden Pisten und Liften bereits mehr als ausreichend ist. Zudem müssen die letzten intakten Flüsse vor der Verbauung mit neuen Kraftwerken geschützt werden.
Laut einer market-Umfrage, die der WWF beauftragt hat, sind über 80 Prozent der Bevölkerung gegen den Ausbau von skitechnischer Infrastruktur in noch unverbaute Gletscher- und Hochgebirgsregionen. 64 Prozent wünschen sich generell einen Ausbaustopp von Seilbahnen. „Das ist ein klarer Auftrag, den die Politik umsetzen muss. Denn die Menschen spüren, dass der bisherige Ausbauwahn viel zu große Narben in den Bergen hinterlassen hat“, sagt Christoph Walder. Der WWF pocht in diesem Zusammenhang auf die Erarbeitung eines Alpinen Freiraumkonzepts im Sinne der Alpenkonvention, wie es die Bundesregierung in ihrem Regierungsprogramm versprochen hat. Damit sollen intakte Flüsse, gesunde Wälder und traditionell bewirtschaftete Almflächen geschützt werden.
Auch das von Österreich bereits im Jahr 2000 unterzeichnete Bodenschutz-Protokoll der Alpenkonvention sieht vor, dass der Schutz des Bodens grundsätzlich Vorrang vor der Nutzung haben muss. Insbesondere sensible Moore und Feuchtgebiete mit ihrer einzigartigen Vegetation sollen bewahrt werden. In labilen Gebieten – wie zum Beispiel den Gletschern – dürften keine Skipisten genehmigt werden. Zudem sollten Maßnahmen zum Stopp der Zersiedelung in den Tälern getroffen werden. „Das sind gute Ansätze, die aber in der Praxis viel zu oft ignoriert werden“, sagt Christoph Walder. Im November 2019 hatten die damalige Umweltministerin Elisabeth Köstinger und die Landeshauptleute angekündigt, die Protokolle der Alpenkonvention besser umzusetzen – passiert ist seither aber nichts dergleichen.
Wertvolle Energie sparen, Naturjuwelen schützen
Aktuell besonders dringend ist eine naturverträgliche Energiewende, die vor allem auf das Sparen von Energie und eine Solar-Offensive auf bereits verbauten Flächen setzt. Denn ansonsten drohen hunderte neue Wasserkraftwerke, die auch noch die wenigen verbliebenen Naturjuwelen zerstören würden. „Laut dem Klima-Aktionsplan der Alpenkonvention sind Bodenschutz und Resilienz der Ökosysteme für den Klimaschutz gleichbedeutend wie eine Reduktion des Verkehrs und der Ausbau Erneuerbarer. Als natürliche Klimaanlagen und Kohlenstoff-Speicher müssen daher wichtige Ökosysteme wie Moore und Naturwälder dauerhaft geschützt werden“, fordert Christoph Walder vom WWF Österreich.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik und Kommunikation WWF Österreich
Tel.: +43 664 501 31 58
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
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