Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
Die aktuelle Ausgabe des WWF-Bundesländerbarometers stellt den Bundesländern ein schlechtes Zeugnis aus: Kein Land erreicht beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf eine gute Gesamtbewertung. Das gilt durchgehend seit dem Start des Barometers vor sechs Jahren. Von insgesamt 35 Bewertungen entfallen 31 auf die Kategorien „teilweise umgesetzt“ oder „mangelhaft“. Nur das Management des Seeadlers wird in den vier Bundesländern mit Vorkommen erneut als gut bewertet. „Geschützte Wildtiere landen in Österreich viel zu schnell auf der Abschussliste, während bei Monitoring, Prävention und Konfliktmanagement große Lücken bestehen. Deshalb fällt das Zeugnis für die Bundesländer insgesamt negativ aus“, sagt WWF-Expertin Sarah Layendecker.
Besonders kritisch bewertet der WWF die zunehmenden Tötungsfreigaben für Biber, Fischotter und Wolf. Allein von diesen drei geschützten Arten wurden seit 2020 mehr als 1.200 Tiere auf Basis von Verordnungen getötet, die aus Sicht des WWF gegen EU-Naturschutzrecht verstoßen. Zugleich fehlen vielerorts zentrale Grundlagen eines wirksamen Wildtiermanagements, darunter ausreichendes Monitoring, aktuelle Managementpläne sowie Ressourcen für Prävention und Konfliktlösung.
Über alle Bewertungen hinweg zeigt die WWF-Studie ein strukturelles Problem: Wildtiere kennen keine Landesgrenzen, trotzdem wird das Management vielfach isoliert geplant und umgesetzt. „Gerade die Unterschiede zwischen den Bundesländern zeigen, warum es dringend eine bundesweit abgestimmte Strategie braucht, die das EU-Naturschutzrecht respektiert“, sagt WWF-Expertin Sarah Layendecker.
Schlechte Noten für Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark
Für fünf Bundesländer fallen die Bewertungen besonders kritisch aus, weil dort Tötungsverordnungen, fehlende Prävention und lückenhafte Managementpläne zusammenkommen. In Kärnten dürfen Biber und Fischotter in hohen Kontingenten getötet werden, obwohl Präventionsmaßnahmen vielfach fehlen; beim Fischotter sind zudem potenziell grausame Conibearfallen erlaubt. In Niederösterreich bestehen Tötungsverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf, zugleich gibt es offene Fragen beim Wolfsmonitoring und keine Kompensation beim Biber. Auch Oberösterreich setzt trotz vorhandener Präventionsförderungen auf Entnahme- und Abschussverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf. In Salzburg ermöglichen Verordnungen Tötungen bei allen drei Arten; besonders kritisch bewertet der WWF anlasslose Wolfsabschüsse sowie unbegrenzte Fischotter-Entnahmen in bestimmten Teilstrecken. In der Steiermark sieht der WWF Fortschritte beim Monitoring, aber Rückschritte durch die Einstellung von Herdenschutzmaßnahmen und geplante bzw. fortgesetzte Entnahme-Verordnungen bei Biber und Fischotter.
Bessere Bewertungen gibt es dort, wo Prävention, Beratung und Monitoring im Vordergrund stehen. Das Burgenland setzt bei Biber und Fischotter auf Förderungen, Beratung und Aufklärungsarbeit, es fehlen aber Kompensationszahlungen und verbindliche Managementpläne. Wien versteht Biber und Fischotter als willkommene Wildtiere und setzt auf konfliktarmen Umgang statt Entnahmen; offen bleiben ein Biber-Managementplan sowie regelmäßige Erhebungen beim Fischotter. Vorarlberg hat das Monitoring mehrerer Arten verbessert und punktet beim Biber mit aktueller Kartierung und länderübergreifendem Austausch, hat aber Defizite beim Umgang mit Wolf und Luchs. Tirol bietet transparente Informationen zu großen Beutegreifern und fördert Zäune; zugleich kritisiert der WWF weitreichende Wolfsabschüsse, fehlende Kompensationszahlungen beim Biber und Lücken beim Luchsmanagement.
Lichtblicke beim Seeadler
Positiv bewertet der WWF das Management des Seeadlers in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland. „Wirksamer Artenschutz ist möglich, wenn Monitoring, Schutzmaßnahmen und die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaft und Naturschutz gut funktionieren“, sagt Sarah Layendecker vom WWF.
Über das WWF-Bundesländer-Barometer
Für das vierte Bundesländer-Barometer hat der WWF offizielle Daten ausgewertet und ergänzende Angaben bei Behörden erhoben. Acht Bundesländer führten Interviews oder beantworteten Fragebögen; Tirol verzichtete auf eine Stellungnahme. Untersucht wurden der Schutz und das Management der Flaggschiff-Arten Biber, Fischotter, Luchs, Seeadler und Wolf. Zu den sechs Kriterien zählen Monitoring, Prävention und Entschädigung, Managementpläne, Kommunikation sowie die Umsetzung rechtlicher Vorgaben. Die Ergebnisse werden in einem vierstufigen Ampelsystem dargestellt: gute Umsetzung (grün), teilweise Umsetzung (gelb), mangelhafte Umsetzung (orange) und schlechte Umsetzung (rot).
Das „WWF-Bundesländer-Barometer“ sowie Grafiken und Bilder finden Sie HIER sowie auf der WWF-Website. Eine Kurz-Zusammenfassung der Ergebnisse nach Bundesländern ist HIER abrufbar.
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