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© Sebastian Frölich

Warum der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal eine katastrophale Idee ist

17. April 2024

Im Tiroler Kaunertal steht viel für die Natur auf dem Spiel: Das dortige Wasserkraftwerk soll zur Kraftwerkskette inklusive Pumpspeicherkraftwerk ausgebaut werden. Für den Ausbau müsste das benachbarte Platzertal geflutet und ein 120 Meter hoher Staudamm errichtet werden.

Wir erklären, warum der Ausbau eine katastrophale Idee ist.

1.) Zerstörte Natur

Majestätische Gletscher, erhabene Berge, tosende Gebirgsbäche: in den Ötztaler Alpen ist die Wildnis zuhause. Doch der Kraftwerksausbau würde diese letzten, fast unberührten Landschaften und zwei Gletscherflüsse zerstören. Außerdem ist das größte, unberührte Moor in den österreichischen Alpen bedroht.

Denn im Tiroler Platzertal erstreckt sich auf mehr als 20 Hektar eines der letzten intakten Moor-Feuchtgebiete. Diese einzigartigen Moorflächen, Tümpel und Bachläufe sollen hinter einem 120 Meter hohen Staudamm für immer versinken.

2.) Vertriebene Tiere

Viele Tier- und Pflanzenarten würden ihren Lebensraum verlieren. Dazu zählen etwa geschützte Arten wie Bartgeier und Alpenschneehuhn sowie das Murmeltier.

Für die seltenen Alpenschneehühner sind die Alpen wichtige Rückzugsorte und Brutareale, dazu gehört auch das Platzertal. Und auch für den geschützten Bartgeier ist das Platzertal einer seiner letzten Lebensräume.

Ausbaupläne Kraftwerk Kaunertal WWF Österreich

3.) Gefährdete Bevölkerung

Die lokale Bevölkerung ist durch den geplanten Ausbau gefährdet: Denn die instabilen Berghänge könnten zu Hangrutschungen und Felsstürzen führen.

Im Tiroler Kaunertal liegt der Gepatschspeicher, ein großer Stausee für die Wasserkraft. Doch die Berghänge rund um den Speicher sind instabil. Schon jetzt sind an den Hängen 290 Millionen Kubikmeter Gestein in Bewegung – das wäre genug, um ganz Innsbruck unter rund drei Metern Schutt und Geröll zu begraben. Das Risiko für Rutschungen, Fels- und Bergstürze würde durch den geplanten Ausbau noch weiter erhöht werden.

4.) Ausgetrocknete Täler

Aus den Gletscherflüssen vor Ort müsste für das Kraftwerk Wasser ausgeleitet werden. Zwei besonders wertvollen Flüssen, der Venter und der Gurgler Ache, würde massiv Wasser entzogen werden. Die Folge: Bis zu 80% weniger Flusswasser im Ötztal – das ist jetzt schon eines der trockensten Täler Tirols.

Der Schaden wäre groß: Weil die Flüsse im Ötztal noch weitgehend unbeeinträchtigt sind, kommen Wissenschaftler:innen aus aller Welt, um sie zu erforschen. Außerdem ist die Ötztaler Ache das Standbein für Landwirtschaft und Tourismus im Ötztal und auch für den Wildwassersport in Österreich von großer Bedeutung.

Ausbaupläne Kraftwerk Kaunertal WWF Österreich

5.) Exportierter Strom

Es liegt in der Verantwortung von Energieversorgen ein Energiesystem zu schaffen, das im Einklang mit der Natur funktioniert. Doch wenn es zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal kommt, würde der Strom wahrscheinlich gar nicht in Österreich bleiben: Die TIWAG exportiert schon jetzt einen Großteil des Stroms aus Wasserkraft ins Ausland, um den Profit zu steigern.

Das Ausbauprojekt dient daher nicht dem vorgeschobenen öffentlichen Interesse, sondern würde mit massiven Schäden an der Natur einhergehen und hat nichts mit einer naturverträglichen Energiewende zu tun.

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