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Meister Isegrim kehrt zurück!

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Rückkehr der Wölfe

Dass Wölfe seit einigen Jahren wieder verstärkt und von selbst in den österreichischen Alpenraum zurückkehren, ist eine Tatsache. Die Frage ist nicht ob der Mensch das will oder nicht, sondern, wie wir uns darauf einstellen und vorbereiten. Denn der Wolf ist ein geschütztes Tier und Teil unserer heimischen Artenvielfalt. Doch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist der Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Rückkehr des Wolfes nach Österreich. Wir haben die häufigsten Fragen zur Rückkehr der Wölfe gesammelt und beantwortet.

Warum brauchen wir den Wolf in Österreich?

Wölfe sind als heimische Wildtiere die jahrhundertelang die Landschaft bereicherten ein wichtiger und natürlicher Bestandteil der heimischen Artenvielfalt . Die Rückkehr des Wolfes ist somit aus Naturschutzsicht  positiv zu bewerten. So hält der Wolf den Wildbestand in guter Kondition, denn Wolf jagen vor allem jene Tiere, die sie leicht erbeuten können. Kranke oder schwache Tiere bemerkt der Wolf früher als der Jäger. Diese fallen dem Wolf daher eher zum Opfer als kräftige, gesunde Individuen.

Die Anwesenheit des Wolfes wirkt sich somit positiv auf die Gesundheit des Wildbestandes aus. Sie können auch andere Arten wie zum Beispiel den Goldschakal in Schach halten. Wölfe leisten schon jetzt einen ersten wertvollen Beitrag, in dem sie die nicht-einheimische und stark waldschädigende Wildart Mufflon effizient beseitigen. Außerdem leben viele Tierarten von dem, was der Wolf ihnen von seiner Beute übrig lässt.

Die „Existenzberechtigung“ des Wolfes ist außerdem eine Frage des Naturverständnisses. Wenn man den Menschen über alles stellt, dann „braucht“ man prinzipiell ja auch keine Rehe und Hirsche. Außerdem ist Österreich nach der europäischen FFH-Richtlinie gesetzlich dazu verpflichtet, sich um den Schutz und den Erhalt dieser bedrohten Tierart zu kümmern.

Weshalb gehört der Wolf zur „Gesundheitspolizei“ des Waldes?

Die Anwesenheit des Wolfes wirkt sich positiv auf die Gesundheit des Wildbestandes in unseren heimischen Wäldern aus. Das liegt daran, dass der Wolf die Wildtiere in unseren Wäldern, vor allem Rotwild, Rehe, Wildschweine oder Gamswild in guter Kondition hält. Denn ein altes, sehr junges oder krankes Tier ist weniger aufmerksam und leichter zu reißen als gesunde, flinke und wehrhafte Tiere. Außerdem können Wölfe kranke Tiere schon bemerken, noch bevor die Erkrankung für den Menschen sichtbar wird.

Demnach fungieren Wölfe, genau wie Bären und Luchse als „Gesundheitspolizei“ des Waldes, weil sie kranke Wildtiere viel effizienter aus dem Bestand entnehmen als jeder noch so eifrige Jäger. Mit dieser Fähigkeit helfen sie auch, die Ausbreitung von Krankheiten unter den Wildtieren zu reduzieren.

Wie wirkt sich die Anwesenheit des Wolfes auf unsere Wälder aus?

Die Verjüngungssituation ist heute in vielen Teilen Österreichs unbefriedigend. Dafür sind zum einen forstliche Gründe zu nennen. Zum anderen verhindern überhöhte Schalenwildbestände die natürliche Waldverjüngung. Ist ein Beutegreifer wie der Wolf regelmäßig im Wald, kann sich die Verteilung der Verbissschäden durch das Wild an den Bäumen ändern. Das liegt daran, dass sich die Rotwild-, Reh- und Gams-Bestände anders verteilen, wenn sie vor Beutegreifern flüchten. Es kann daher zu häufigeren Wildschäden kommen, aber auch das Gegenteil ist denkbar. Vor allem dann wenn der Wolf auch einen Einfluss auf den Wildbestand hat.

Die Frage der Verbiss-Schäden ist maßgeblich abhängig von der jeweiligen Waldstruktur sowie anderen Faktoren (Wildarten, Störungen). Ein entscheidender Faktor ist das natürliche Nahrungsangebot für das Wild und die Waldzusammensetzung. Wölfe leisten schon jetzt einen ersten wertvollen Beitrag, in dem sie die nicht-einheimische und stark waldschädigende Wildart Mufflon effizient beseitigen.

Wie kann das Zusammenleben von Mensch und Wolf harmonisch funktionieren?

Ein gutes Management schafft die Voraussetzungen für ein möglichst reibungsloses Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch. Der WWF setzt sich für ein Management ein, das sowohl die Interessen der Betroffenen als auch die ökologischen Herausforderungen berücksichtigt. Engagierte, länderübergreifende Schutzbemühungen innerhalb der EU sind für den Wolf bzw. andere weit wandernde Tierarten von großer Bedeutung.

An Herdenschutz-Maßnahmen, wie sie beispielsweise in Österreich bei Kals am Großglockner getestet wurden, führt kein Weg vorbei, wenn man eine möglichst friedliche Koexistenz mit dem Wolf erreichen und Schafe effektiv schützen will. In unserem Nachbarland Schweiz, sowie in Frankreich und Italien hat man mit solchen Herdenschutzprojekten bereits gute Erfahrungen gemacht.

Wie funktioniert der Herdenschutz genau?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Weidetiere zu schützen. Je nach Art, Haltungsbedingungen, Gelände und anderen Faktoren unterscheiden sich die Methoden. So wird z.B. in der Schweiz neben rein betrieblichen Anpassungen wie Einstallen oder dem Anpassen des Weidemanagements vor allem mit Herdenschutzhunden und elektrifizierten Zäunen (z.B. 90 cm hohe Netzzäune) gearbeitet. Entscheidet man sich für Herdenschutzhunde, richtet sich deren Zahl wiederum nach der Größe der zu schützenden Herde und dem Gelände. Oft ist es notwendig, dass zusätzlich Hirten und deren Hütehunde in Kombination mit Herdenschutzhunden die Herde betreuen.

Denn die mit Hunden zu schützenden Nutztierherden sollten möglichst kompakt und homogen sein.  Anpassungen in der Bewirtschaftungsweise oder Herdenzusammenlegungen sind daher manchmal unumgänglich. Unverzichtbar sind zudem Motivation und Engagement von Seiten der Nutztierhalter und/oder Alpbewirtschafter, um Herdenschutzmaßnahmen erfolgreich umsetzen zu können. Doch der Einsatz von fachkundigen Hirten hat auch eine Reihe von Vorteilen: Die Herde wird bestens versorgt, weil der Hirte sie zu jeweils passenden Weiden führen kann. Die Weideflächen werden optimal abgegrast, Über- und Unterbeweidung vermieden. Das nützt auch der Artenvielfalt auf den Almen. Außerdem kann sich der stets anwesende Hirte bestmöglich um setzende Schafe, junge Lämmer, sowie kranke und verletzte Tiere kümmern.

Genaure Informationen darüber wie Herdenschutz gelingen kann, finden Sie in unserer Broschüre Herdenschutz – Basisinformation für Tierhalter und Interessierte.

Warum reicht oft schon ein Elektrozaun?

Wölfe reagieren empfindlich gegenüber elektrischen Schlägen. Daher eignen sich Elektrozäune um Weidetiere zu schützen. Wölfe machen dadurch schlechte Erfahrungen und werden daher solche Orte meiden und auf andere Beute ausweichen. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Zäune fachgerecht installiert sind und genügend Strom führen. Der Zaun ist somit nicht nur eine physische Barriere, sondern stellt vor allem ein psychisches Hindernis dar. Nur in sehr seltenen Fällen gelingt es Wölfen Zäune zu überspringen.

Halten Herdenschutzprojekte überhaupt, was sie versprechen?

In der Schweiz, sowie in Frankreich und Italien hat man mit Herdenschutzprojekten bereits gute Erfahrungen gemacht. Werden Herdenschutzmaßnahmen fachgerecht umgesetzt, dann wirken sich großteils auch.

Wichtig ist jetzt, die gewonnen Erkenntnisse auch hierzulande umzusetzen und Herdenschutz  in ganz Österreich zu etablieren. Auch wäre es wichtig aus den Fehlern, die in anderen Nachbarländern gemacht wurden zu lernen.

Ein erster Schritt dazu war das „Modellprojekt Herdenschutz“ das 2014 von der Nationalen Beratungsstelle Herdenschutz auf der Ochsenalm in Kals am Großglockner gestartet ist. Dort wurden unterschiedliche Konzepte zum Schutz von Nutztierherden vor großen Beutegreifern auf ihre Anwendbarkeit in den österreichischen Alpen hin in der Praxis erprobt.

Das Projekt hat wichtige Erkenntnisse gebracht und gezeigt, dass in Österreich noch an einigen Schrauben gedreht werden muss, damit Herdenschutz auch machbar ist. Im Moment fehlen dafür die Voraussetzungen. Möglicherweise kann die von Bundesministerin Köstinger ins Leben gerufene und derzeit offenbar im Aufbau befindliche Stelle „Österreichzentrum für Wolfsmanagement“ diese Herausforderungen angehen.

Warum gibt es nicht mehr Herdenschutzprojekte in Österreich?

Langfristig brauchen wir ein sicheres Finanzierungsmodell für Herdenschutzmaßnahmen, eine unbürokratische Schadensabgeltung und intensive Aufklärungs- und Informationsarbeit. Es braucht aber auch wichtige Rahmenbedingungen und kleine gesetzliche Anpassungen, damit Herdenschutz in Österreich umgesetzt werden kann.

Zum Beispiel braucht es eine Versicherung für Landwirte, falls Herdenschutzhunde einmal zubeißen sollten und Personen dadurch zu Schaden kommen. Es braucht auch eine Änderung im Tierschutzgesetz, denn im Moment müssten auch für Herdenschutzhunde in Österreich Unterstände gebaut werden. Herdenschutzhunde sollen aber auch bei Schlechtwetter bei der Herde sein und sich nicht im Unterstand aufhalten.

Es gibt sehr viele Lösungsansätze, aber die Rahmenbedingungen um Herdenschutz umzusetzen fehlen derzeit noch. Mit der Gründung eines „Österreichzentrum für Herdenschutz“, wie ihn Bundesministerin Köstinger angekündigt hat, scheint ein erster wichtiger Schritt gesetzt, um diese Hürden aus dem Weg zu räumen.

Leben Wolfsfamilien in Österreich? Woher kommen diese Wölfe?

Das letzte Wolf-Vorkommen in Österreich erlosch 1882 im steirischen Wechselgebiet. In den letzten Jahren hat die Zahl der Wolfshinweise in Österreich jedoch zugenommen. Zwischen 2009 und 2016 wurden jährlich zwei bis sieben einzelne Individuen nachgewiesen. Zur Fortpflanzung ist es in diesem Zeitraum nicht gekommen. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Österreich erstmals wieder Nachwuchs gibt und damit der Wolf als „nach Österreich zurückgekehrt“ eingestuft werden konnte.

2016 war es dann soweit. Am Truppenübungsplatz (TÜPl) Allentsteig in NÖ gab es dann nach mehr als 100 Jahren erstmals Nachwuchs in Österreich. Auch 2017 und 2018 hatte das am TÜPl lebende Paar wieder Nachwuchs.  Mittlerweile leben um die 30 Wölfe in Österreich – eine Familie in Allentsteig, eine im Freiwald, eine im Grenzgebiet zu Tschechien sowie einige Einzeltiere.

Unser Land spielt eine wichtige Rolle als Schnittstelle für die Vernetzung der europäischen Wolfspopulationen. Fest steht, dass Wölfe aus dem Westen (Westalpen), Süden (Dinariden) und Osten (Karpaten bzw. Baltikum), aber auch aus Deutschland nach Österreich eingewandert sind bzw. durchgezogen sind und sowohl Männchen wie Weibchen darunter waren. Mit der Bildung weiterer Wolffamilien in Österreich ist daher zu rechnen.

Woher weiß man, wie viele Wölfe in Österreich leben und woher sie stammen?

Aus den Spuren, die der Wolf hinterlässt. So kann etwa aus Speichelresten an gerissenen Beutetieren, Kot oder Haaren, dessen Erbsubstanz (DNA) herausgelesen werden. Vorausgesetzt die Probe ist frisch genug, lässt sich beispielsweise feststellen, ob es sich um einen Wolf handelt oder um einen Hund. Auch das Geschlecht des Tieres kann so ermittelt werden. Manchmal gelingt es auch, Wölfe auf einem Foto nachzuweisen. Diese Nachweise sind aber nicht zur individuellen Unterscheidung von einzelnen Tieren geeignet.

Dennoch können aus all diesen Daten Informationen zur Anzahl der Wölfe in Österreich gewonnen werden. Dabei handelt es sich immer um Richtwerte. In Österreich liegt die Zuständigkeit für Wildtiere bei den Behörden der jeweiligen Bundesländer. Die genetischen Analysen und andere Forschungsarbeiten werden am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) gemacht. Die Arbeit des FIWI wird vom WWF finanziell unterstützt.

Hat der Wolf heutzutage überhaupt Platz in Europa?

Einst war Europa flächendeckend von Wölfen besiedelt. Nun kehrt der Wolf nach und nach von alleine in seine alte Heimat zurück. Er findet hier wieder passenden Lebensraum und genügend Nahrung, die hauptsächlich aus Wildtieren wie Hirschen, Rehen und Wildschweinen besteht. Erfahrungen aus den Nachbarländern zeigen, dass ein friedliches Zusammenleben von Mensch, Schaf und Wolf möglich ist – wenn der Mensch dazu bereit ist. Dazu braucht es im Moment in Österreich ein sicheres Finanzierungsmodell für Herdenschutz-Maßnahmen, eine unbürokratische Schadensabgeltung und intensive Aufklärungsarbeit. Es gibt sehr viele Lösungsansätze. Wir fordern, dass diese nun auch effektiv umgesetzt werden.

Wolf, © by WWF-Canon/Chris Martin BAHR
Wolf, © by WWF-Canon/Chris Martin BAHR

Wie funktioniert das Zusammenleben von Mensch und Wolf in anderen Ländern?

Grundsätzlich sind die Gegebenheiten in den Ländern unterschiedlich, sodass sie nicht immer miteinander zu vergleichen sind und keine Verallgemeinerungen erlauben. Aber die Erfahrungen zeigen, dass gerade in jenen Länder, in denen der Wolf nicht oder nur kurz ausgestorben war, die Tradition um das Zusammenleben mit diesen Tieren noch vorhanden ist und gut funktioniert. In Österreich ist das Wissen über das Zusammenleben nicht vorhanden. Teilweise wird es auch nötig sein manche Gewohnheit zu ändern und Kompromisse einzugehen. Zugegeben: viele Herausforderungen. Die Rückkehr des Wolfes als ein natürlicher Faktor in unserer Natur. Wölfe stabilisieren somit Ökosysteme und diese Anwesenheit wirkt sich positiv auf die Natur aus. So hält der Wolf den Wildbestand in guter Kondition, denn in einem Wald, in dem der Wolf jagt, können kranke oder schwache Tiere nicht lange überleben.

Wer ist in Österreich für den Wolf „zuständig“?

Die ehemals ausgerotteten Wölfe sind heutzutage in Europa laut den EU-Naturschutzrichtlinien streng geschützt. Die Mitgliedsländer der EU haben sich verpflichtet, die Unionsrichtlinien in der nationalen Gesetzgebung zu verankern und somit mitzutragen. In anderen Worten:  Wenn Wölfe von selbst zu uns zurückkehren, darf Österreich das nicht verhindern, sondern muss geeignete Maßnahmen treffen um diese Rückkehr zu begleiten und sicherzustellen, dass der Wolf nicht ausstirbt sondern den günstigen Erhaltungszustand erreicht. Das Wildtiermanagement, also die Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles, obliegt den Landesbehörden. Zuständig sind je nach Bundesland unterschiedliche Stellen: Die Naturschutz- und/oder Jagdrechtsabteilungen der Landesregierungen. Als gemeinsames Gremium dient die Koordinierungsstelle Bär, Wolf, Luchs (KOST) und als gemeinsamer für den Umgang mit den Beutegreifern seit 2012 der Managementplan Wolf.

Was tut ein Wolfsbeauftragter bzw. ein Bärenanwalt?

Wolfsbeauftragte bzw. Bärenanwälte fungieren als unabhängige Vermittler zwischen Mensch und Wolf bzw. Bär. Sie sind erste Ansprechpartner und fahren rasch vor Ort, um mit den Betroffenen zu sprechen, Hinweise zu sammeln und zu überprüfen. Weiters informieren sie die Bevölkerung und die Medien über die aktuelle Situation. Auch die Begutachtung bzw. die Unterstützung Betroffener bei der Abwicklung von Schäden, sowie die Sachverständigentätigkeit im Auftrag der Behörden, gehören zu den Aufgaben der Wolfsbeauftragten.

Erhalten Bauern Entschädigungszahlungen für Verluste an Herdentieren durch den Wolf?

Es gibt einen offiziellen behördlichen Leitfaden für alle Angelegenheiten im Umgang mit den Beutegreifern Braunbär und Wolf in Österreich. Dieser „Managementplan Wolf“ wurde von Behörden, Interessensvertretungen etwa aus der Land- und Forstwirtschaft bzw. der Jagd, sowie Wissenschaftlern und dem WWF gemeinsam erarbeitet und liegt seit 2012 vor. Darin finden sich Grundlagen und Empfehlungen u.a. für Herdenschutzmaßnahmen. Auch wie der Umgang mit auffälligen Tieren erfolgen soll wird darin beschrieben. Ebenso finden sich darin die Tätigkeit der Wolfsbeauftragten der Bundesländer sowie die Voraussetzungen für die finanzielle Abgeltung im Schadensfall. Die Abwicklung der Entschädigungszahlungen erfolgt jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In manchen Bundesländern erfolgt die Entschädigung über eine Versicherung des Landesjagdverbandes, in anderen Bundesländern über einen Entschädigungstopf der Länder. Das wird sich hoffentlich in Zukunft durch die von Bundesministerin Köstinger verkündete Einrichtung eines Österreichzentrums für Wolfsmanagement ändern.

Weshalb sollten Herdentieren vor Beutegreifern geschützt werden?

Wölfe sind überwiegend Fleischfresser und fressen grundsätzlich das, was sie leicht erbeuten können. Das heißt, dass die jeweils häufigsten Schalenwildart eines Gebietes – in Mitteleuropa in der Regel Rotwild, Rehe, Wildschweine oder Gamswild zur Hauptbeute der Wölfe zählen. Aber auch kleinere Wildtierarten wie Biber, Dachs, Hase, Waschbär bis hin zur Maus sowie kleinere Beutegreifer wie Füchse oder Marderhunde zählen zu den Beutetieren. Falls Nutztiere (insbesondere Schafe und Ziegen) allerdings nicht ausreichend geschützt sind kann der Wolf auch sie als „leichte Beute“ annehmen. Einer Untersuchung aus Deutschland zufolge, ernährt sich der Wolf zu über 96 Prozent von Wild. Das sind die Ergebnisse einer Analyse von über 2.000 Kotproben des Wolfes. Nutztiere wie zum Beispiel Schafe machen dagegen weniger als ein Prozent aus.

Wer soll die Kosten für den Umgang mit den Wölfen tragen?

Langfristig haben Wildtiere nur dann eine Chance, in Frieden mit uns zu leben, wenn wir bereit sind, unseren Lebensraum mit ihnen zu teilen. Problematisch ist, wenn die von der Rückkehr der Wölfe verursachten „Kosten“ nicht gleichmäßig verteilt sind: Während einige gleichgültig mit den Schultern zucken, beklagen Betroffene Schäden und erleiden Verluste. Damit Kosten und Nutzen eines Wildtieres, sei es Wolf oder Rothirsch, gleichberechtigt auf viele Schultern verteilt werden, und keine Gruppe allein die Last zu tragen hat, müssen Rahmenbedingungen geschaffen und Weichen gestellt werden. Ziel sollte es dabei sein, einerseits dem Wolf die Rückkehr zu ermöglichen und andererseits ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben zu gewährleisten, bei dem sowohl die Interessen der Landnutzer als auch jener des Naturschutzes berücksichtigt werden. Österreich hat sich aufgrund von EU-Vorgaben zum Schutz der Wölfe und damit auch zum Herdenschutz verpflichtet. Somit muss in erster Linie die öffentliche Hand für die Kosten, die dabei entstehen aufkommen.

Was frisst ein Wolf eigentlich?

Grundsätzlich fressen Wölfe das, was sie leicht erbeuten können. Fast zu 100 Prozent handelt es sich dabei um Wildtiere wie Hirsche, Rehe oder Wildschweine. Im Sommer gönnen sie sich auch gerne eine Portion Obst. Wenn Weidevieh unzureichend geschützt ist, kann dieses vor allem im Sommer wenn Schafe oder Ziegen auf den Almen stehen vermehrt gerissen werden. Wenn Weidevieh aber für Wölfe nicht zugänglich und wirksam geschützt ist, etwa durch gezielte Herdenschutz-Maßnahmen wie Zäunung, Behirtung und den Einsatz von Herdenschutz-Hunden dann werden Übergriffe auf Nutztiere selten sein und sie müssen sich wieder mehr an ihre natürliche Beute halten. Auf jeden Fall wählen Wölfe ihr Territoriumgröße so, dass die Nahrungsbasis – d.h. die Verfügbarkeit von Wildtieren – ausreicht. Und davon gibt es genug in Österreichs Wäldern.

Der Europäische Wolf, © by Staffan Widstrand/WWF-Canon
Der Europäische Wolf, © by Staffan Widstrand/WWF-Canon

Wie können Schafe und andere Nutztiere vor den Wölfen geschützt werden?

Mit der Ausrottung der Großraubtiere im 19. Jahrhundert verschwanden auch die Traditionen der Schadensabwehr. Doch naturschutzgerechte Schafbeweidung und Herdenschutz schließen sich deshalb nicht aus. Um beispielsweise Schafherden vor eindringenden Wölfen zu schützen, hat sich in einigen Ländern eine Sicherung der Weideflächen mit Elektrozäunen in Kombination mit speziell ausgebildeten Herdenschutzhunden bewährt. In der Schweiz werden derzeit etwa 220 solcher Gebrauchshunde eingesetzt. Dort blieb die Anzahl der Risse stabil, obwohl der Wolfsbestand in den letzten zwei Jahren auf mindestens drei Familienverbände angestiegen ist.

Der Wolf steht unter Naturschutz, aber sind Weidetiere denn nicht schützenswert?

Wölfe sind für den WWF nicht mehr wert als Schafe. Die Sorge der Landwirte um ihre Tiere ist verständlicherweise groß. Deshalb setzt sich auch der WWF für Herdenschutzmaßnahmen ein. Die Kosten für Herdenschutz sind nicht unerheblich und können nicht von den Bauern allein getragen werden. Daher fordert der WWF von den Ländern sowie dem Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus ein sicheres Finanzierungsmodell für Herdenschutzmaßnahmen, eine unbürokratische Schadensabgeltung und intensive Aufklärungsarbeit.

Herdenschutzhund bei der Arbeit, © by ÖBSZ
Herdenschutzhund bei der Arbeit, © by ÖBSZ

Warum sollen Wölfe oder Bären mehr wert sein als Schafe?

Es geht nicht darum zu beurteilen, ob Wölfe oder Schafe mehr Wert sind. Denn der WWF ist davon überzeugt, dass in unserer Landschaft beide Platz haben. Unsere Nachbarländer zeigen vor, dass auch in Anwesenheit großer Beutegreifer Schafhaltung betrieben werden kann. Wölfe gelten laut der europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie und den nationalen Gesetzen außerdem als besonders schützenswert. Österreich hat sich mit dem EU-Beitritt dafür entschieden, diese Richtlinie national mitzutragen – mit anderen Worten: Entscheiden sich Wölfe, auch in Österreich wieder sesshaft zu werden, darf das Land das nicht verhindern.

Was passiert mit Schäden durch Wolfs-Hund Mischlinge?

Laut dem österreichischen Managementplan Wolf sollten durch freilebende Hybriden verursachte Schäden wie Wolfsschäden behandelt werden. Aus Artenschutzgründen sollten aber alle Hybriden der ersten Generationen aus der freien Wildbahn entfernt werden.

Werden die Wölfe den Wildbestand in unseren Wäldern gefährden?

Bisher gibt es für Mitteleuropa keine Hinweise darauf, dass Wölfe die Dichte eines Wildbestandes dauerhaft reduzieren. Weder in der Lausitz in Deutschland, noch in Italien, Slowenien oder der Slowakei wurde ein direkter Zusammenhang zwischen Schalenwilddichte, Jagderfolg und Wolfsvorkommen gesichert dokumentiert. Untersuchungen in Skandinavien zeigen, dass die Dichte großer Beutetiere durch die Anwesenheit von Wölfen nicht „automatisch“ gesenkt wird. Denn die Dichte des Wildbestandes ist immer ein Produkt vieler verschiedener Einflussgrößen, unter denen das Nahrungsangebot das Wichtigste ist. Hohe Wildtierbestände gibt es wegen eines hohen Nahrungsangebotes. Österreich hat sogar eine der höchsten Schalenwilddichten Europas.
Das Wild kann aber seine Einstände, Rückzugsflächen und sein Verhalten ändern. Grundsätzlich sind die Gegebenheiten in den Gebieten aber so verschieden, dass sie nur schwer miteinander zu vergleichen sind und keine Verallgemeinerungen erlauben.
Der Wolf kann insgesamt die Biodiversität einer Region sogar erhöhen. Wenn Wölfe etwa mehr Säugetiere wie Füchse oder Goldschakale und große Pflanzenfresser jagen, profitieren davon die Beutetiere der Räuber bzw. die Futterpflanzen. Denn sie haben dadurch weniger Fressfeinde.

Warum kann man die Wölfe nicht einfach bejagen?

Einerseits ist der Wolf im Rahmen internationaler Gesetze und Verordnungen geschützt. So ist er u.a. in Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG als prioritäre Art aufgelistet und in Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng zu schützende Art angeführt. Auch in Österreich wird der Wolf in den jeweiligen Landesjagdgesetzen entweder als „nicht jagdbar“ oder als „ganzjährig geschont“ geführt, daher ist die Jagd auf Wölfe in Österreich nach nationalem und europäischem Recht schlicht und einfach verboten.
Andererseits gibt es derzeit auch keine Nachweise, dass beispielsweise Vieherden durch eine gezielte Bejagung geschützt werden können. Solche Maßnahmen haben sich im Gegenteil als kontraproduktiv herausgestellt, wie eine im Jahr 2016 erschienene Studie im US-amerikanischen Fachjournal ‘Frontiers in Ecology and the Environment’ beweist. Getötete Wölfe führten in fast einem Drittel der untersuchten Fälle zu mehr Nutztier-Schäden. Herdenschutzmaßnahmen und visuelle Abschreckungen wie Flatterbänder hingegen erfreuten sich großer Wirksamkeit. In 80 Prozent der untersuchten Fälle nahmen die Risse deutlich ab. Der Abschuss einzelner Wölfe zum Schutz von Schafherden greift deshalb zu kurz oder ist sogar kontraproduktiv, weil durch solche Eingriffe die soziale Struktur in Wolfsfamilien durcheinandergebracht wird. Der Abschuss eines Elterntieres kann beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern, einzeln auf die Jagd gehen und wegen der fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen müssen anstatt Wildtiere zu fressen.

Was mache ich, wenn ich einem Wolf begegne?

Kaum jemand wird es bemerken, wenn Wölfe in der Nähe sind. Sogar wenn sich die Tiere direkt neben einem Wanderweg befinden, verbergen sie sich zumeist und warten, bis die Menschen an ihnen vorbeigegangen sind. Denn fühlt sich ein Wolf entdeckt, weicht er normalerweise aus und tritt den Rückzug an. In Gebieten in denen Wölfe dauerhaft leben wird es früher oder später zu kurzen Beobachtungen von Wölfen kommen. Denn es kann sein, dass Menschen das Interesse von Wölfen erregen und Wölfe Menschen aufmerksam beobachten. Das ist völlig natürlich. Grundsätzlich sollte man bei Wolfsbegegnungen Ruhe bewahren. Denn merken Wölfe, dass man auf sie aufmerksam geworden ist, verziehen sie sich in der Regel schnell und leise. Dass Hunde bei Spaziergängen und Wanderungen in Gebieten, in denen Wildtiere leben, an der Leine zu führen sind, sollte selbstverständlich sein.

Falls der Wolf nicht von selbst wegläuft dann sprechen Sie laut oder klatschen Sie kräftig in die Hände, laufen Sie nicht weg, sondern entfernen Sie sich allenfalls langsam rückwärts. Sollte der Wolf Ihnen wider Erwarten folgen, bleiben Sie stehen und versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen, ihn lautstark anschreien und eventuell etwas nach ihm werfen.

Wie gefährlich ist der Wolf für den Menschen?

Die Gefahr, von einem Wolf angegriffen zu werden liegt nahezu bei Null. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem beim Spaziergang im Wald ein Ast auf den Kopf fällt ist dagegen weitaus höher. Auch wenn der Wolf das Potenzial hat Menschen zu verletzen – deshalb sollte man Wölfen genauso wie anderen Wildtieren auch mit Respekt begegnen und ihnen nicht nachlaufen und sie keinesfalls füttern – wird ihre Gefährlichkeit oft weit überschätzt.

Im Vergleich zu anderen wehrhaften Tieren wie Kühen oder Gefahren, die z.B. durch Zecken ausgehen ist in den letzten Jahrzehnten bei einer Anwesenheit von ca. 15.000 Wölfen in Europa äußerst wenig passiert. Hingegen gab es 2016 alleine in Österreich rund 3.100 spitalsbehandelte Verletzungen durch Hundebisse. Auch sterben pro Jahr zwei Personen in Österreich bei Wildunfällen und ca. 260 werden jährlich verletzt.

Ist es für Kinder noch sicher, allein im Wald zu spielen?

Grundsätzlich sollten insbesondere kleinere Kinder nicht ohne Aufsicht im Wald spielen, egal ob im Wolfsgebiet oder nicht. Kinder können sich aber so wie in anderen Regionen, in denen Wölfe leben, im Wald aufhalten. Um das Risiko von Unfällen mit Wildtieren zu minimieren, sollten jedoch einige Verhaltensweisen im Zusammenleben mit allen Wildtieren beherzigt werden.

Wildtieren sollte man immer mit Respekt begegnen. Das heißt man soll ihnen nicht nachlaufen sondern Abstand halten. Insbesondere Wölfe sollte man keinesfalls  anfüttern und deren Wurf höhlen nicht aufsuchen. Solche Vorsichtsmaßnahmen gelten für den Umgang mit allen Wildarten, die wehrhaft sind (Wildschweine) oder Krankheiten übertragen können (Fuchs).

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