Naturschutzorganisation fordert mehr Budget, Personal und Tempo bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung – Alle Länder sowie Bundesregierung massiv in der Pflicht
Ausbauwahn an der Ybbs: Baustart für Kraftwerk Schütt
Gstadt/Wien, 19. August 2009 – Mit dem offiziellen Spatenstich starten heute die Bauarbeiten für das neue Ybbs-Kraftwerk Schütt in der Nähe von Gstadt. Die EVN spricht von einer Erneuerung und Modernisierung in ökologischer und technologischer Hinsicht. Tatsächlich handelt es sich um einen Neubau oberhalb des alten Kraftwerkstandortes, der einen der letzten freifließenden Flussabschnitte bedroht. Der WWF und die Plattform „Flüsse voller Leben“ fordern deshalb einen Stopp des Ausbauwahns. „Das Kraftwerk Schütt muss der Endpunkt der bedingungslosen Verbauung der Ybbs sein“, so Andreas Wurzer, Stv. Geschäftsführer des WWF Österreich.
Die Staumauer des neuen Kleinkraftwerkes Schütt wird um 2,1 Meter höher sein als jene der alten Anlage. Die Fallhöhe, d.h. der Höhenunterschied zwischen den oberen und unteren Wasserständen, wird so auf sieben Meter angehoben. Die EVN, der Betreiber des Kraftwerks, begründet dies mit rein wirtschaftlichen Aspekten. Dem WWF und seinen Partner fehlt hierbei die gesamtheitliche Sichtweise. „Trotz der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen werden mehrere hundert Meter natürliche und unverbaute Fliessstrecke der Ybbs unwiederbringlich verändert. Negative Auswirkungen ergeben sich nicht nur für die natürlichen Lebensräume sondern auch für Hochwasserschutz, Naherholung und Tourismus“, so Wurzer.
Landeshauptmann zum Handeln aufgefordert!
„Die Ybbs ist streckenweise noch in einem natürlichen, intakten Zustand. Wir müssen diese Abschnitte als solche erhalten und sind deswegen gegen jeglichen weiteren Aus- und Verbau dieses Flussjuweles!“, betont Wurzer. Das Kraftwerk Schütt ist nicht das einzige Projekt an der bereits mit 20 Kraftwerken und 30 Sohlrampen zugepflasterten Ybbs. Weitere Bauvorhaben, vor allem im Bereich der Kleinwasserkraft, sind in Planung. Laut EVN gibt es an der Ybbs noch „einige Handlungsfelder“. Die Plattform „Flüsse voller Leben“ fordert daher Landeshauptmann Pröll auf, sicherzustellen, dass der weitere Ausbau der Wasserkraft an der Ybbs gestoppt wird.
Petition für Flüsse voller Leben
Angesichts des drohenden totalen Ausbaus der letzten österreichischen natürlichen Flüsse und Bäche haben sich die größten Naturschutzorganisationen (WWF, Naturschutzbund, Naturfreunde, Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Fischereiverband, kajak.at und der Alpenverein Edelweiß) zur Plattform Flüsse voller Leben zusammen geschlossen. Das Ziel der Plattform ist der gesetzlich verbindliche Schutz der Flüsse. Der WWF und seine Partner treten für Effizienzsteigerung, die Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke und den Ausbau anderer Erneuerbarer Energieträger ein. Dadurch sollen auch wesentlich mehr neue Arbeitsplätze geschaffen werden als dies mit dem Ausbau der Wasserkraft möglich ist.
Zur Unterstützung dieser Forderungen ruft die Plattform „Flüsse voller Leben“ zur Unterzeichnung der Petition unter www.fluesse-voller-leben.at/petition auf!
Rückfragen:
Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 01/48817-215 E-Mail: lisa.simon@wwf.at.
Fakten zur Ybbs, weiteren Flüssen und Kraftwerksplänen in NÖ, Fotos, Petition, und zusätzliche Pressematerialien: www.fluesse-voller-leben.at (Presse).
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Trockenheit in Österreich: BOKU-Studie zeigt Wirkung natürlicher Schutzmaßnahmen
March-Einzugsgebiet im Weinviertel untersucht: Naturbasierte Lösungen sorgen für mehr Bodenwasser, senken Dürre-Risiken und sichern Erträge der Landwirtschaft – WWF fordert „grünes Sicherheitsnetz“ für Österreich
Dürre spitzt Lage zu: WWF warnt vor Austrocknung der Unteren Lobau
Anhaltende Trockenheit verschärft Wassermangel im Nationalpark und gefährdet Biodiversität – WWF fordert Stadt Wien zum Handeln auf
WWF warnt: Drei Viertel der Fluss-Pegel in Österreich mit Niedrigwasser
Extreme Trockenheit setzt Gewässer und Arten stark unter Druck – Besondere Betroffenheit in der Steiermark, Niederösterreich und Kärnten – WWF fordert Schutzpaket für Flüsse
WWF fordert Sieben-Punkte-Plan gegen zunehmende Dürre
„Österreichs Wasserpolitik nicht klimatauglich“ – WWF fordert mehr Wasserrückhalt, weniger Versiegelung und konsequente Renaturierung – Biber als natürlichen Helfer fördern
Studie der Uni Graz: Fehlende Klimapolitik gefährdet Budgetsanierung
Analyse des Wegener Centers zeigt steigende Kosten und fiskalische Risiken durch fehlende Klimaschutz-Maßnahmen – WWF fordert Kurswechsel in der Budgetpolitik
WWF: Persischer Leopard überwindet Grenzzaun zwischen Iran und Aserbaidschan
Spektakuläre Aufnahmen zeigen Leopardensprung über Grenzzaun – Hoffnung für eine bedrohte Art – WWF Österreich setzt sich zum Arterhalt im Kaukasus ein – Internationaler Tag des Leoparden am 3. Mai
WWF fordert „Schwammwald-Paket“ gegen zunehmende Trockenheit
Wasserspeicher-Funktion der heimischen Wälder stark belastet – Folgen der Klimakrise machen sich immer stärker bemerkbar
Neuer Bericht: Waldzerstörung trotz Rückgang auf alarmierendem Niveau
2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten












