Naturschutzorganisation kritisiert Wasserkraft-Tunnelblick des Energiekonzerns – Alternativen zu teuren Uralt-Projekten wie Kaunertal-Ausbau gefordert – Schäden für Biodiversität werden ignoriert
Bärenerwachen in Österreich
Wien, am 4. April 2007 – Wegen der ungewöhnlich milden Temperaturen haben einige der heimischen Braunbären heuer auf ihre gewohnte Winterruhe verzichtet.
So befand sich der sechsjährige „Moritz“ beinahe durchgehend auf Nahrungssuche in den Wäldern Oberösterreichs. Doch nicht die Klimawandel bedingten Wetterkapriolen machen den Petzen zu schaffen.
„Was uns beim WWF große Sorge bereitet ist, dass es derzeit viel zu wenige Jungbären gibt. Wenn dieser Trend anhält, wird es schon bald keine Bären mehr in Österreich geben“, erklärt Bärenprojektleiter Christoph Walder. Deshalb soll nun die Überwachung der Braunbären verstärkt werden, um aufschlussreiche Daten über den Zustand der Tiere zu erhalten und das Verschwinden des Bärennachwuchses aufzuklären.
Die heimischen Bären pflanzen sich seit 1991 nachweislich fort:
Seit Beginn des Wiederansiedlungsprojekts des WWF im Jahr 1989 wurden 31 Tiere in Österreich geboren. Leider sind in den letzten Jahren mindestens 14 Bären verschwunden.
Dem WWF fehlt jede Kenntnis über ihr Schicksal. Von den insgesamt rund 30 vom WWF in all diesen Jahren begleiteten Bären sind aktuell nur noch fünf tatsächlich genetisch nachweisbar. Eine Besenderung – vor allem der Jungbären – wäre eine geeignete Möglichkeit, eine bessere Erforschung und Überwachung der Bären zu gewährleisten.
Helfen Sie jetzt dem Braunbären
Doch nicht nur die Anzahl der Jungen ist für die langfristige Sicherung einer lebensfähigen Bärenpopulation ausschlaggebend.
Auch große und zusammenhängende Gebiete, wie sie die ehemalige Nord-Süd-Wanderroute von Slowenien über den Süden Österreichs bis ins Ötschergebiet bot, müssen wieder zugänglich gemacht werden. Die Schaffung und Sicherung dieser Wanderkorridore, etwa durch Grünbrücken über Autobahnen und Schnellstraßen, ermöglichen es den Bären, ausreichend Nahrung und Fortpflanzungspartner zu finden.
„Die Lebensraumvernetzung ist für eine bessere genetische Vermischung zwischen der österreichischen und der slowenischen Population unverzichtbar“, erklärt der Sachverständige für Bärenfragen, Dr. Georg Rauer. „Der 1993 im Ötschergebiet angesiedelte ‚Djuro’ paart sich mittlerweile bereits mit seiner Enkeltochter.“
Der WWF arbeitet in der „Koordinierungsstelle für Bärenfragen“ seit vielen Jahren eng mit den Jagd- und Naturschutzbehörden der Bundesländer und dem Lebensministerium zusammen. Um ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Mensch und Bär zu ermöglichen, regelt ein gemeinsam entwickelter Managementplan alle Belange des Zusammenlebens. Die Jägerschaften leisten dabei einen wichtigen Beitrag, indem sie die Abgeltung von Schadensfällen übernehmen.
Das Wildtier Bär unterliegt als prioritäre Art den strengen Schutzkriterien der europäischen Fauna-Flora-Habitat Richtlinie und ist in Österreich zusätzlich in den Jagd- bzw. den Naturschutzgesetzen der Länder geschützt.
„Es liegt daher letztendlich auch in der Verantwortung der Behörden, sich für eine sichere Zukunft der heimischen Bären einzusetzen“, so Walder. “Gerade angesichts der äußerst sensiblen, kleinen Population in Österreich bedarf es einer Fortsetzung der engen und guten Zusammenarbeit all jener, die sich für den Schutz des Bären einsetzen.“ Mehr Infos zum Braunbär
Weitere Informationen und Fotos:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 – 250.
Christoph Walder, Leiter des WWF Bärenprojekts, Tel. 0676/92 554 30
Der WWF dankt den Österreichischen Lotterien, die das Bärenprojekt seit vielen Jahren unterstützen!
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