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Bodenverbrauch: WWF kritisiert mutloses Raumordnungs-Gesetz in Oberösterreich
Naturschutzorganisation sieht verpasste Chance, kritisiert Aufweichungen und fordert wirksame Ökologisierung der Raumplanung - Der Flächenfraß hat längst jedes naturverträgliche Maß überschritten
Linz, Wien, am 11. November 2020. Die anstehende Novelle des oberösterreichischen Raumordnungsgesetzes ist aus Sicht der Naturschutzorganisation WWF Österreich eine verpasste Chance. „Ein großer Wurf sieht anders aus. Trotz kleinerer Verbesserungen ist das Gesetz viel zu unverbindlich, um den Flächenfraß einzudämmen. Daher muss die Politik dringend nachbessern und die Raumordnung auf allen Ebenen ökologisieren“, fordert WWF-Bodenschutz-Sprecherin Maria Schachinger im Vorfeld des für Donnerstag, geplanten Landtagsbeschlusses. Tagtäglich werden allein in Oberösterreich im Schnitt rund 2,1 Hektar Boden verbraucht, fast die Hälfte davon (0,9 Hektar) wird mit Beton und Asphalt dauerhaft versiegelt. Somit fehlen immer mehr Flächen zur Lebensmittel-Produktion, für den Wasserrückhalt und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. „Der Flächenfraß hat längst jedes naturverträgliche Maß überschritten. Die Zerschneidung und Verbauung von Lebensräumen gehört zu den größten Gefahren für die biologische Vielfalt und schadet letztlich auch unserer Gesundheit“, warnt Schachinger.
Der WWF kritisiert an der geplanten Novelle insbesondere das Fehlen einer verbindlichen Obergrenze für die Verbauung neuer Flächen, die Aufweichung der im ursprünglichen Entwurf strengeren Parkplatzbegrenzungen für Geschäftsgebäude sowie den geringen Schutz wertvoller Grünräume. Gerade naturzerstörerische Megaprojekte wie die aktuell diskutierte Skigebietserweiterung in Vorderstoder mit einem Bodenverbrauch von über 45 Hektar und 1.000 neuen Parkplätzen mitten in einer ursprünglichen Landschaft zeigen, dass die Raumordnung das Ziel „Klima- und Umweltschutz“ deutlich strenger verankern muss.
Trotz des hohen Flächenfraßes stehen immer mehr Gebäude leer und werden laut Umweltbundesamt allein in Oberösterreich rund 1.000 Hektar Industrie- und Gewerbe-Brachflächen nicht genutzt. „Anstatt immer neuer Einkaufszentren auf der grünen Wiese müssen leerstehende Gebäude besser genutzt werden. Dann kehrt auch das Leben zurück in die verwaisten Ortskerne und alle gewinnen an Lebensqualität. Für all das braucht es aber nicht nur Anreize, sondern vor allem wirksame Verpflichtungen“, fordert WWF-Expertin Maria Schachinger.
Sowohl der oberösterreichische Umweltanwalt als auch zahlreiche weitere Fachleute haben bereits Nachbesserungen in der Raumordnungsnovelle verlangt. Aktuell kritisiert die Raumplanungsexpertin Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur die fehlende Verbindlichkeit und ortet politische „Scheinlösungen“. Die Novelle sei "der Versuch, Aktivität und Problembewusstsein zu zeigen, aber den Ball ganz flach zu halten, um nichts an der gelebten Praxis ändern zu müssen", sagt Weber.
Laut einer repräsentativen market-Umfrage sind 86 Prozent der Bevölkerung für strengere Gesetze und Maßnahmen gegen die Verbauung der Landschaft und den hohen Bodenverbrauch. 73 Prozent der im Auftrag des WWF Befragten nehmen in der eigenen Wohnumgebung deutlich zu viel Neuverbauung wahr. 76 Prozent sind der Meinung, dass die Politik in den letzten Jahren keine ausreichenden Maßnahmen gegen den hohen Bodenverbrauch gesetzt hat.
Bodenschutz-Vertrag gegen unkontrollierten Flächenfraß
Bundesweit fordert der WWF eine Naturschutz-Offensive und einen Bodenschutz-Vertrag gegen den unkontrollierten Flächenfraß. „Unsere Ernährung hängt genauso von fruchtbaren Böden ab wie unser Zugang zu Trinkwasser, zu sauberer Luft, zur Abkühlung im Sommer sowie zum Schutz vor Naturkatastrophen. Daher können wir uns keine weitere Verschwendung leisten und müssen den Bodenverbrauch rasch massiv reduzieren“, sagt WWF-Expertin Maria Schachinger.
Mit einem umfassenden Maßnahmenpaket soll der Bodenverbrauch laut der Naturschutzorganisation von derzeit im Schnitt 13 Hektar pro Tag bis 2030 auf maximal einen Hektar pro Tag reduziert werden. Das ist auch das Ziel der Online-Petition „Natur statt Beton – Stoppt die Verbauung Österreichs“ (www.natur-statt-beton.at).
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik und Kommunikation WWF Österreich
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
Mobil: +43 676 83 488 276
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