© Tom Vierus / WWF-US

Der Südpazifik
Schatzkammer der Meere

Wenn man hierzulande an „Südpazifik“ denkt, denken wir an paradiesische Traumstrände, türkisblaues Wasser und Kokosnüsse. Nicht ganz zu unrecht. Die pazifischen Inselstaaten verfügen noch über unberührte Landschaften. Doch der Einfluss der Globalisierung macht selbst vor den entlegensten Gebieten der Erde nicht Halt.

Fast unberührtes Naturparadies

Die Pazifischen Inseln sind eine Priorität für den WWF, weil sie eine der unberührtesten Naturlandschaften der Welt sind. Die Gewässer des Pazifiks sind extrem artenreich. Hunderte Tier- und Pflanzenarten wurden in den letzten Jahren überhaupt erst entdeckt. Neben sechs von sieben Arten von Meeresschildkröten kommen hier auch Wale, Haie und eine herrliche Vielfalt von Rifffischarten vor. Viele dieser Arten sind vom “Great Sea Reef”, dem drittlängsten Barriereriff der südlichen Hemisphäre, abhängig. Dieses liegt vor der Küste von Vanua Levu auf den Fidschi-Inseln.

Bedroht von menschlicher Aktivität

Leider sind die pazifischen Inseln, keine Inseln der Seligen mehr: Überfischung, zerstörte Korallenriffe, Meeres-Verschmutzung durch nicht nachhaltige Landwirtschaft und der Klimawandel bedrohen die sensiblen Meeresökosysteme im Südpazifik.

Der WWF setzt sich seit 1995 für den Schutz der außergewöhnlich reichen marinen Biodiversität des Südpazifiks ein. Unsere Arbeit wird auf den Salomonen, in Papua-Neuguinea und auf den Fidschi-Inseln durchgeführt. Wir wollen den Reichtum und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme der pazifischen Inseln erhalten und das legitime Streben der Bevölkerung nach nachhaltiger Entwicklung mit dem Naturschutz in Einklang bringen.

Langfristiges Ziel des WWF im Pazifik sind eine Politik und eine Gesetzgebung, die die gewohnten Kultur- und Erbrechte der Inselbevölkerung im Pazifik schützt, ein nachhaltiges Umweltmanagement gewährleistet und die sozioökonomische Entwicklung der Inselgemeinschaften im Südpazifik fördert.

Geografische Verortung

Die Pazifikregion besteht aus 30.000 Inseln, die Teil von 22 Nationen sind, die sich über 80 Millionen km² Ozean verteilen

Z

Zahlen & Fakten

Die pazifischen Inselstaaten sind für weniger als 1% der Treibhausgase verantwortlich, gehören aber zu den anfälligsten für die negativen Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere des Anstiegs des Meeresspiegels

Tierwelt

Der Südpazifik ist unter anderem die Heimat von:

Bedrohungen

Das bedroht den Südpazifik

Bedrohung 1: Auswirkungen des Klimawandels

Die Region und ihre Inselstaaten sind unmittelbar von den negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Und das obwohl sie für weniger als 1% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Der steigende Meeresspiegel, veränderte Niederschlagsmengen, Sturmfluten und Korallenbleichen bedrohen nicht lediglich die biologische Vielfalt und das sensible Ökosystem. Sie beeinträchtigen auch die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung und somit die Lebensgrundlagen der Küstengemeinden in der gesamten Region.

Den Inselstaaten fehlt es zudem an Möglichkeiten sich international Gehör zu verschaffen. So hält sich deren politischer Einfluss – vor allem auf das Verhalten der reichen Industriestaaten –  sehr in Grenzen. Doch ohne großer internationaler Gegenmaßnahmen und Unterstützung, sind die Inselstaaten ihrem Schicksal überlassen. Und die nationalen Schritte, die sie setzen, sind nur ein Tropfen auf einem überaus heißen Stein.

 

Küstenerosion ist ein großes Problem für das Dorf Navotua auf der Insel Nacalu, Fidschi.

Bedrohung 2: Überfischung & Gefährdung der Riffe

Überfischung, Klimawandel, Verschmutzung durch nicht nachhaltige Landwirtschaft und andere schädliche Aktivitäten an Land bedrohen die Riffstrukturen im Südpazifik. Für das “Great Sea Reef”, das sich an der Küste der Nordinsel von Fidschi befindet, stellen beispielsweise Zuckerrohr-Plantagen eine Gefahr dar. Zwischen dem Zuckerrohr wachsen keine anderen Pflanzen, die die Erosion einbremsen könnten. So wird bei jedem Regenguss Sand und Erdreich ins Meer geschwemmt. Dieses rieselt langsam auf die Korallen herab und begräbt sie schlussendlich unter sich.

Viele Meeresregionen sind bereits stark überfischt, Großfische wie Zackenbarsche und Stachelmakrelen bereits eine Seltenheit. Die Nachfrage nach Seegurken, Haifischflossen und lebenden Rifffischen in Asien führt zu einem weiteren Raubbau auf die Korallenriffe. Denn Überfischung verändert die Zusammensetzung der Fischarten im Riff. Das bedroht auch die Ernährungssicherheit der Insel-Bevölkerung. Bestimmte Fischarten, wie die farbenfrohen Süßlippen, die früher an der Meeresoberfläche vorkamen finden sich heute nur mehr ab 10 Meter Tiefe.

 

Degradierte Korallen

Bedrohung 3: Zunahme der Küstenentwicklung & Übernutzung der natürlichen Ressourcen

Mangrovenwälder sind unersetzliche Ökosysteme zum Schutz der Küsten vor Erosion und bieten auch ein Bollwerk gegen die stärker werdenden Stürme als Folge des Klimawandels. Außerdem nutzen viele Meerestiere diese Gezeitenwälder als Rückzugsort und Kinderstube. Dennoch verschwinden die Mangrovenwälder an den Küsten immer schneller.

Für den Ausbau der Landwirtschaft werden ganze Wälder mit Brandrodung in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Durch die Landwirtschaft werden außerdem zu viele Nährstoffe und Sedimente in die Küstenregionen eingebracht. Das schadet dem Meer, besonders den Korallen.

Ein lokaler Bauer bewirtschaftet sein Zuckerrohrfeld mit Traktor. Korova, Vanua Levu, Fiji.

Lösungen

So können wir den Südpazifik schützen

Lösung 1: Die Erderhitzung in den Griff bekommen

Damit man die Erderhitzung besser in den Griff bekommt, müssen sich Staaten, Unternehmen aber auch die lokale Bevölkerung und wir als Konsument*innen unserer Verantwortung bewusst werden. Von Seiten der Politik bedarf es langfristige Zielsetzungen und die Schaffung zuverlässiger politischer Rahmenbedingungen sowohl in der EU, als auch in den Nationalstaaten und auf Gemeindeebene. Die Wirtschaft muss ihre Verantwortung noch viel ernster nehmen: In Energieeffizienz investieren, erneuerbare Energien verstärkt verwenden und mehr Produkte und Dienstleistungen anbieten, die das Klima schützen. Wichtig dabei ist vor allem, die Emissionen vor und nach dem eigenen Unternehmen zu berücksichtigen. Vorher meint den Abbau der Rohstoffe, deren Verarbeitung und Transport. Nachher die Verwendung und Entsorgung der Produkte. Das ist oft ein Vielfaches der direkten Emissionen eines Betriebes. Bei Banken und Versicherungen sind diese indirekten Emissionen hundertfach. Von uns allen braucht es den Willen Verantwortung zu übernehmen und unsere Gewohnheiten zu überdenken. Unsere Einkäufe, unsere Autofahrten und Flüge, unsere Müllberge, sie alle sind die Treiber der wirtschaftlichen Entwicklungen, auch der Fehlentwicklungen. Wir sind alle beteiligt und müssen daher auch alle etwas dagegen tun.

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Das Meer kommt dem Dorf Raviravi auf Fiji immer näher

Lösung 2: Korallenriffe schützen

Aktuell laufen wir Gefahr, dass wir bis zum Ende des 21. Jahrhunderts alle Korallenriffe unseres Planeten verloren haben. Der Schutz der Korallenriffe ist daher von zentraler Bedeutung. Dabei sollten wir uns in erster Linie auf jene Riffe konzentrieren, die das größte Potenzial haben, in einem sich erwärmenden Ozean zu überleben. Sie können dann als Quellriffe fungieren, aus denen sich Korallen in der Zukunft regenerieren können.
Damit die Küstenregionen, die an Riffe grenzen, besser auf die Auswirkungen des Klimawandels reagieren können, ist es auch nötig die Anpassungsfähigkeiten von Küstengemeinden an den Klimawandel zu stärken. Dafür müssen mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel identifiziert und durchgesetzt werden.

Georg Scattolin vom WWF Österreich überprüft den Zustand des Great Sea Reef

Lösung 3: Nachhaltige Küstennutzung für Mensch und Natur

Wir alle brauchen intakten Naturräume. Das gilt aber im besonderen Maße für Gemeinden an tropischen Meeresküsten, die teilweise vollständig von den natürlichen Ressourcen, die ihnen das Meer bietet, abhängig sind.
Um nachhaltige Nutzung der Küsten zu ermöglichen, müssen einerseits ökologische Risiken analysiert, andererseits aber auch die Ökosystemdienstleistungen der Natur dargestellt werden. Beispiele für solche Dienstleistungen sind Erträge aus der Fischerei, oder die Bedeutung schöner Küstenabschnitte für den Tourismus. Aufbauend auf diese wissenschaftlichen Analysen braucht es Pläne für eine nachhaltige Küstenentwicklung und Managementpläne für Meeresschutzgebiete. Konkrete Anpassungsmaßnahmen müssen die gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erstellt und entwickelt werden.

 

Die Ernte einer Algenfarm als alternative Einkommensquelle.

Der tropische Südpazifik gehört zu den artenreichsten Gebieten unserer Erde und eine ist vom Klimawandel stark betroffene Region. Hier zeigt sich unsere globale Verantwortung, denn wenn wir klimaverträglich leben tragen wir zu Rettung der Lebensräume im Pazifik bei.

Georg Scattolin

Experte für Artenschutz, WWF Österreich

Projekte

So schützt der WWF den Südpazifik – eine Auswahl an Projekten

Das “Great Sea Reef”-Ökosystem gesund halten

Das “Great Sea Reef” vor der Küste der Nordinsel von Fidschi ist das drittlängste Barriereriff der südlichen Hemisphäre. Dieses Riff steht im Zentrum der WWF-Arbeit auf Fidschi. Gemeinsam mit allen Bewohner*innen und Nutzer*innen der Küstenabschnitte an denen dieses Riff liegt, arbeitet der WWF daran das “Great Sea Reef”-Ökosystem gesund zu erhalten. Das hat für die Küstengemeinden und Unternehmen vielfältige Vorteile:

  1. Eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels (Anstieg der Meerestemperatur und des Säuregehalts, Sturmschäden und Überflutungen der Küstengebiete).
  2. Verbesserte Einkommensströme für die Küstengemeinden, um dem derzeitigen Druck zur Überfischung des Riffs entgegenzuwirken.
  3. Einführung von Landnutzungsmustern in Küstengebieten, die sowohl die Belastung des Riffs verringern als auch selbst widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind.
  4. Verbesserte Boden-, Luft- und Wasserqualität mit zusätzlichem Nutzen für die Gesundheit durch verbesserte sanitäre Einrichtungen.

Gemeindebasiertes Ressourcenmanagement

Das Projekt “Gemeindebasiertes Ressourcenmanagement” unterstützt Küstengemeinden bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Ressourcen. Dies geschieht unter anderem durch die Einrichtung und Erhaltung von Meeresschutzgebieten, das Auffinden und den Schutz von Stellen an der Küste, die für die Fortpflanzung von Fischen wichtig ist, das Markieren von Fischen, um ihre Wanderbewegungen zu verstehen und die Überwachung des Korallenwachstums. Gleichzeitig ist der Erhalt der Mangrovenwälder eine wichtige Maßnahme um diese “Kinderstube” vieler Meerestiere zu bewahren. Ein besonders wichtiger Teil dieser Arbeit ist das Informieren der Bevölkerung. Mittlerweile wandeln sich schon die Traditionen: Früher wurden bei Hochzeiten auf Fidschi Meeresschildkröten gegessen. Heute ist es Sitte, sie freizulassen. Traditionen müssen sich ändern, wenn sie die Lebensgrundlagen der Menschen bedrohen.

Mangrovenwälder schützen & Überfischung bekämpfen

Seit Jahren arbeitet der WWF daran verbliebene Mangrovenwälder zu schützen und an mehreren Orten wieder aufzuforsten. Die Mangrovenwälder sind nicht nur Laichplatz vieler Fischarten und Nahrungsquelle der lokalen Bevölkerung, sondern bieten auch ein Bollwerk gegen die stärker werdenden Stürme als Folge des Klimawandels.

Die Überfischung ist neben der Erderhitzung zur größten Bedrohung unserer Meere und der verbleibenden Fischbestände geworden. Der WWF arbeitet daher weltweit für eine nachhaltigere Fischerei. Darüber hinaus setzen wir uns bei den Vereinten Nationen und der Welthandelsorganisation dafür ein, dass schädliche Fischerei-Subventionen, die die globale Überfischung weiter befeuern, im Rahmen eines bindenden Abkommens verboten werden. Nur eine nachhaltige Fischerei kann unsere Meere gesund und die Ressource Fisch langfristig erhalten.

 

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