WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
Der Kongo darf nicht Nigeria werden!
London, 17. Juni 2014 – Das Welterbe-Komitee der UNESCO hat am Dienstag auf seiner jährlichen Tagung in Doha die Demokratische Republik Kongo entschieden davor gewarnt, die Öl-Exploration im Weltnaturerbe Virunga-Nationalpark weiter voranzutreiben. Sollte die kongolesische Regierung an ihren Plänen festhalten, könne das zum Verlust des Welterbe-Status führen. Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßte die eindeutige Stellungnahme des Welterbe-Komitees als „Warnschuss, der in Kinshasa gehört werden muss“ und forderte die Regierung des Kongos auf, unverzüglich alle, den Virunga-Nationalpark betreffenden Öl-Konzessionen zurückzunehmen.
„Ölbohrungen im Weltnaturerbe Virunga wären im Ergebnis vergleichbar mit der mutwilligen Zerstörung der einzigartigen Buddha-Statuen von Bamiya durch die Taliban“, sagt Johannes Kirchgatter Afrika-Referent beim WWF. Der WWF-Experte warnt zudem vor den möglichen, katastrophalen Folgen für Afrikas ältesten Nationalpark und die Menschen in der Region. In einer aktuellen Studie des WWF wurden bereits realisierte Öl-Förderprojekte in vergleichbaren Naturräumen auf vier Kontinenten untersucht. Die Umweltschützer kommen zu dem Ergebnis, dass die Ölförderung in sensiblen Ökoregionen auch ohne spektakuläre Unfälle katastrophale soziale und ökologische Folgen hat. .
„Afrikanische Fischer, die in ihren Netzen nichts mehr finden als ölig schimmernde Teerbrocken, indianische Waldbewohner, deren Dörfer kilometerweit umgeben sind von stinkenden Ölschlämmen. Von Kanada, über Lateinamerika bis nach Russland hat die Gier nach Öl zerstörte Naturlandschaften hinterlassen“, warnt Johannes Kirchgatter vom WWF. In Afrika hat die Ölförderung im Nigerdelta über Jahrzehnte gar zur größten Umweltkatastrophe des gesamten Kontinents geführt.
„Wir müssen verhindern, dass Virunga zu einem zweiten Nigerdelta wird“, fordert daher Kirchgatter. Nun gelte es, Virungas Zukunft zu sichern und auch weitere bedrohte Weltnaturerbestätten zu retten, die immer häufiger in einen Interessenskonflikt von wirtschaftlicher Entwicklung und Naturschutz gerieten. So seien etwa auch das Great Barrier Reef in Australien, das Selous Wildreservat in Tanzania und der Doñana Nationalpark in Spanien bedroht.
Der Virunga Nationalpark, UNESCO Weltnaturerbe und Ramsar Feuchtgebiet, ist ein 790.000 ha großer Park im Osten der Demokratischen Republik Kongo, an der Grenze zu Ruanda und Uganda. Ebenso wie der Volcanoes Nationalpark in Ruanda entstand der Park 1969 aus dem bereits seit 1925 bestehenden Albert-Nationalpark. Er ist der älteste, artenreichste und landschaftlich vielfältigste Nationalpark Afrikas und unter anderem Heimat von knapp 200 der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Der im Park gelegene Edwardsee ist zudem Lebensgrundlagen für mehr als 50.000 Menschen.
Eine WWF-Studie hat kürzlich ein wirtschaftliches Wertschöpfungs-Potenzial des Virunga Nationalparks von bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar jährlich ermittelt – falls der Park nachhaltig bewirtschaftet würde. Dabei könnten vor Ort bis zu 45.000 sichere Arbeitsplätze in den Bereichen Wasserkraft, Fischerei, Öko-Tourismus, Medizin sowie Forschung und Bildung entstehen, wie die Studie nachweist.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, Email: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget













