Mehr als 3.000 Tonnen pro Tag – WWF fordert zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung verbindliche Reduktionsziele und erleichterte Lebensmittelspenden
Ein Jahr Rotschlamm-Katastrophe: WWF warnt vor tickenden Zeitbomben
Wien/Budapest, 30. September 2011 – Ein Jahr nach der Rotschlammkatastrophe in Ungarn hat sich nur wenig getan um weitere Katastrophen zu verhindern, warnt die Umweltorganisation WWF. „Ungarn hat die EU-Präsidentschaft ungenützt verstreichen lassen, um weitere tickende Giftbomben in Osteuropa zu entschärfen“, kritisiert Gábor Figeczky, Geschäftsführer des WWF Ungarn. Der WWF rief die Europäische Kommission auf einen Aktionsplan zur effektiven Umsetzung der Europäischen Bergbaurichtlinie einzurichten. „Die EU-Richtlinie, die 2006 eingeführt wurde, ist prinzipiell sehr gut, aber sie muss jetzt endlich konsequent und umfassend in den Ländern umgesetzt werden“, so Figeczky. „Alle Übergangsfristen für die Umsetzung der Richtlinie sind bis Ende diesen Jahres verstrichen und die osteuropäischen Regierungen haben keine Zeit mehr dies länger hinaus zu zögern.“ „Die EU-Steuerzahler dürfen am Schluss nicht für die Fehler der Behörden und der Bergbau-Unternehmen die Zeche bezahlen, wenn solche Katastrophen wie in Ajka passieren“, so Andreas Beckmann vom WWF-Donau-Karpaten-Programm. Der WWF flog aus aktuellem Anlass über das damalige Katastrophengebiet und dokumentierte den heutigen Zustand aus der Luft. Dort sind die Ausmaße der Katastrophe noch heute deutlich zu erkennen.
Der WWF weist besonders darauf hin, dass bis heute kein verpflichtendes Versicherungssystem für ähnliche Giftmülldeponien aus dem Bergbau eingeführt wurde. Auch fehlt bis heute ein ausreichendes Kontrollsystem ähnlicher Dämme und Anlagen in ganz Osteuropa. „Ein Jahr nach der Katastrophe in Ungarn und zehn Jahre nach dem Unfällen in den rumänischen Orten Baia Mare und Baia Borsa wissen wir heute noch immer nicht lückenlos, wie viele giftige Zeitbomben in Osteuropa noch ticken“, warnt Beckmann. Ein Teil der kürzlich Mitte September 2011 von der ungarischen Regierung gegenüber dem ungarischen Aluminiumwerk MAL verhängten Strafe in Höhe von 470 Millionen Euro sollte neben der Beseitigung der Schäden und der Kompensation der Bevölkerung des Rotschlamms auch für die Erfassung dieser weiteren Zeitbomben in Ungarn investiert werden. Die Regierung versprach zwar eine entsprechende Untersuchung durchzuführen, aber es ist völlig unklar, wann die Studie veröffentlicht wird. „Die ungarische Bevölkerung hat ein Recht darauf zu wissen, mit welchen Risiken sie aus dem Bergbau und seinen Altlasten weiterhin zu rechnen haben“, so Figeczky.

Der WWF schlägt einen Aktionsplan vor, der die Risikoplätze nicht nur in Ungarn und den restlichen EU-Mitgliedstaaten in Osteuropa unter die Lupe nimmt sondern auch in den Nachbarländern wie Kroatien, Serbien, Moldawien und der Ukraine. Der Plan soll die Risiken für Menschen und Umwelt von allen Bergbau-Lagerstätten genau untersuchen und verbindliche Empfehlungen aussprechen und mit den Regierungen vereinbaren, wie die Risiken beseitigt werden können. Dabei sollen Giftstoffe, Schwermetalle und alle gefährlichen Substanzen lückenlos erfasst werden. Auch sollen die aktuell gültigen nationalen Gesetzgebungen nach eventuellen Lücken überprüft werden. Ein eindeutiger Rechtsrahmen muss für die Umsetzung der EU Bergbau-Richtlinie geschaffen werden und vor allem muss klar sein, wer bei Unfällen und Katastrophen die Verantwortung übernimmt. Die EU hat dafür ebenfalls bereits vor Jahren eindeutige rechtliche Vorgaben gemacht.

Am 4. Oktober 2010 floss mehr als eine Million Kubikmeter Rotschlamm aus einem gebrochenen Damm einer Aluminiumfabrik im westungarischen Ajka. Die stark alkalischen und giftigen Fluten strömten durch die Orte Kolontár, Devecser und Somlóvásárhely und dann über die Bäche und Flüsse Torna, Marcal und die unter Naturschutz stehende Raba schließlich in die Donau. Zehn Menschen starben und 150 Menschen wurden damals verletzt. Das Unglück zerstörte mehrere Ortschaften und verseuchte die Zuflüsse der Donau. Boden, Flüsse und Pflanzen sind bis heute mit Schwermetallen aus dem Rotschlamm kontaminiert.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
E-Mail: franko.petri@wwf.at.
Die 3 Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet (aufgenommen im September 2011) stehen kostenfrei unter Nennung des Credits (Attila Kozma) zum Download zur Verfügung:
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF warnt vor Ausweitung von Kärntens rechtswidriger Abschusspolitik
Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
WWF: Renaturierungsprojekte auf über 67 Kilometern im „Amazonas Europas“
WWF-Bilanz zu fünf Jahren UNESCO-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau: Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von über 67 Kilometern Flussabschnitten und Seitenarmen teils abgeschlossen oder in Umsetzung – Pläne für weitere 270 Flusskilometer liegen vor
Good News: Nachwuchs in Inas ausgewilderter Bison-Herde
Vor 8 Monaten wurden die Tiroler Bison-Kuh Ina und ihre Herde nach Aserbaidschan umgesiedelt. Und das Projekt zeigt Erfolge: Die Herde hat sich gut eingelebt und es wurde sogar bereits das erste Kalb geboren.
WWF: Vorarlberg schwächt Naturschutz und Rechtssicherheit
Scharfe Kritik zum Begutachtungsende: Kontrollrechte bei Großprojekten fallen weg – Naturschutzanwaltschaft an 20 Stellen beschnitten – Schutzstreifen an naturnahen Ufern auf fünf Meter reduziert
WWF-Umfrage: Führungskräfte sehen ökologischen Umbau als Wettbewerbsvorteil
Europäische Führungskräfte befragt: 55 Prozent bewerten Folgen der EU-Deregulierung negativ oder gemischt – WWF fordert verlässliche Umweltpolitik statt Zick-Zack-Kurs
Namlosbach: WWF kritisiert irreführende Aussagen der E-Werke Reutte
Massiver Eingriff in geschützten Bach wird als ökologisch unbedenklich dargestellt – WWF kritisiert Schönfärberei und fordert Projektstopp
Artenschutzprojekt im Kaukasus erfolgreich: Herde mit Tiroler Bison-Kuh „Ina“ wächst
WWF-Auswilderungsprojekt mit europäischen Bisons zeigt Erfolge: Herde gut eingelebt, erstes Kalb geboren – Population steigt auf 90 Tiere – GPS-Sender verfolgen Bewegungen – Weitere Auswilderungen geplant
WWF-Auswertung: Tötungskontingente für über 1.000 Biber in sechs Bundesländern
WWF kritisiert EU-rechtswidrige Verordnungen und ausgehebelte Einzelfallprüfungen – Tötungen können zwei Jahrgänge von Jungtieren treffen – Vorrang für Prävention gefordert













