14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder
Giftserie reißt nicht ab: Neue Fälle in NÖ und im Burgenland
Wien, am 27. März 2007: Das Auslegen von Giftködern hat derzeit offenbar Hochsaison. Zwei neue Fälle führen drastisch vor Augen, wie verantwortungslos mit dem hochgiftigen Pestizid Carbofuran (Handelsname „Furadan“) umgegangen wird: In Halbturn im Burgenland wurden jüngst mitten im Ortsgebiet Fleischstücke gefunden, die mit dem für Tier und Mensch höchst gefährlichen Gift bestreut waren.
Etwa zeitgleich entdeckte man in der Kellergasse des niederösterreichischen Paasdorf einen mit Carbofuran vergifteten Steinmarder. „Die Fälle, die uns bekannt werden, dürften leider nur die Spitze des Eisbergs sein,“ ist Dr. Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Seeadlerprojekts, überzeugt.
Nach dem Fund des Steinmarders letzte Woche in Paasdorf wurde auf einem Acker außerhalb der Ortschaft auch eine mit Carbofuran bestreute tote Taube entdeckt. Sie sollte möglicherweise als Köder für Wildtiere dienen. WWF und Landesjagdverband Niederösterreich lehnen diese unverantwortliche und illegale Praxis rigoros ab und rufen zu einer Ächtung des Gifteinsatzes und einer konsequenten Bestrafung der Täter auf.
Die Serie von Giftfällen im heurigen Winter nimmt kein Ende. Bisher wurde 15 mal illegaler Carbofuran-Einsatz nachgewiesen. Aus Naturschutzsicht am bedauerlichsten war der Fall des Seeadlers, der Anfang März im nördlichen Weinviertel vergiftet aufgefunden wurde. Es handelte sich dabei um ein ausgewachsenes Exemplar dieser weltweit stark gefährdeten und in Österreich vom Aussterben bedrohten Greifvogelart. „Ob bei den Giftfällen im Freiland oder in Siedlungsgebieten: Es zeigt sich, wie bedenkenlos in Österreich mit hochgiftigen Substanzen hantiert wird. Giftlegerei ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein schwerer Verstöß gegen geltende Gesetze und eine ernste Gefahr für Wildtiere, Haustiere und Menschen!“ betont Kohler.
Beim WWF geht man davon aus, dass es sich bei dem Täter um einen krankhaften Hunde- oder Katzenhasser handeln könnte, der auch nicht davor zurückschreckt, dass Menschen zu Schaden kommen. Auch Kinder hätten das vergiftete Fleisch finden können. Carbofuran ist bereits in geringen Mengen tödlich und kann über die Atemwege und den Mund in den Körper dringen. Das Nervengift gehört zu jener Stoffgruppe, die 1984 die Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal verursacht hat. In Österreich wird das in der Landwirtschaft weit verbreitete Pestizid immer wieder missbräuchlich zum Vergiften von Hunden, Katzen, Füchsen, Krähen, Mardern und Greifvögeln verwendet, obwohl dies nach den geltenden Tierschutz- und Jagdgesetzen streng verboten ist.
Auch der Niederösterreichische Landesjagdverband ist über die jüngsten Fälle im Weinviertel entsetzt. „Wir hoffen, dass die Täter ehebaldigst ausgeforscht werden. Die Jägerschaft distanziert sich aufs Schärfste von den illegalen Giftlegern und wird alles daran setzen, dass diese schändliche Praxis bald der Vergangenheit angehört!“ sagt Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle der Landesjagdverbände.
Rückfragehinweis:
Dr. Bernhard Kohler, Leiter des WWF Österreich Seeadlerprojekts, Tel. 0676/83 488 281
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