Bürgermeister, Umweltstadträtin und Umweltminister sollen Sofortmaßnahmen gegen die Wasserkrise vereinbaren – Weiteres Zuschauen wäre völlig verantwortungslos
Hitze – WWF fordert Sonderbudget für Entsiegelung und Renaturierung
Angesichts der aktuellen Hitzewelle fordert der WWF ein Sonderbudget von einer Milliarde Euro für Städte und Gemeinden zum Schutz vor Hitze, Trockenheit und Wasserstress. Mit dem Geld sollen Bund und Länder vor allem stark versiegelte Orte beim Umbau unterstützen, etwa durch Entsiegelung, Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt. Mittelfristig müsse insbesondere der ausständige nationale Renaturierungsplan ausreichend finanziert werden, damit solche Maßnahmen bundesweit in die Umsetzung kommen. „Mehr Natur ist der wirksamste Hitzeschutz. Offene Böden, gesunde Bäume, lebendige Gewässer und intakte Feuchtgebiete speichern Wasser wie ein Schwamm und sorgen für spürbare Abkühlung im Alltag“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs. Der Finanzminister und die Landeshauptleute sollten daher rasch Gespräche über ein entsprechendes Sonderbudget aufnehmen.
Der WWF empfiehlt dafür drei politische Schwerpunkte: Erstens braucht es verbindliche Entsiegelungsziele und Förderungen für Städte und Gemeinden. Zweitens müssen Bäume besser geschützt und neue Stadtbäume mit ausreichend Wurzelraum gepflanzt werden. Drittens benötigt es mehr Renaturierung von Flüssen, Auen, Feuchtgebieten und Wäldern. Diese Naturräume speichern viel Wasser, kühlen ihre Umgebung und verringern Schäden durch Hitze und Trockenheit für Mensch und Natur.
„Hitzeschutz darf nicht bei Verhaltenstipps stehen bleiben. Entscheidend ist, wie wir unsere Orte und Landschaften gestalten. Asphaltwüsten, trockene Böden und verbaute Bäche heizen die Krise weiter an. Deshalb braucht es mehr offene Flächen, mehr Schatten und mehr natürliche Wasserspeicher“, sagt Joschka Brangs vom WWF. Laut Schätzungen der Europäischen Kommission hat jeder in Renaturierung investierte Euro einen gesellschaftlichen Mehrwert von im Schnitt 12 Euro, unter anderem durch positive Effekte für die Gesundheit, Sicherheit und Krisenvorsorge.
Politisch relevant ist laut WWF vor allem der Wiederherstellungsplan, dessen Entwurf Österreich im Zuge der EU-Renatuierungsverordnung bis spätestens 1. September 2026 an die EU-Kommission abliefern muss. Die Bundesregierung sollte darin konkrete Maßnahmen für Gewässer, Auen, Moore, Feuchtgebiete, Wälder und Siedlungsräume verankern sowie mit ausreichenden Mitteln hinterlegen, fordert der WWF. Richtig umgesetzt wäre der Plan auch ein „zentrales Investitions- und Vorsorgeprogramm“ gegen Hitze, Trockenheit und Wasserstress.
Besonders wichtig sind laut WWF jene Projekte, die mehrere Probleme zugleich lösen: entsiegelte Plätze statt reiner Asphaltflächen, naturnahe Bäche und Ufer statt harter Verbauung und mehr natürliches Grün in dicht verbauten Ortsgebieten. „Österreich leitet Wasser vielerorts zu schnell ab, versiegelt zu viele Böden und lässt Gewässern zu wenig Platz. Damit verlieren Städte, Gemeinden und Landschaften genau jene natürlichen Kühlsysteme, die in heißen Sommern immer wichtiger werden. Renaturierung schützt daher nicht nur die Artenvielfalt, sondern ist auch konkrete Gesundheitsvorsorge“, sagt Brangs.
Bedarf in allen Bundesländern gegeben
Die Dringlichkeit für ein Sonderbudget zeigt sich längst quer durch Österreich. Laut einer aktuellen GeoSphere-Auswertung für die APA lag Eisenstadt in den Jahren 2020 bis 2025 mit durchschnittlich 31,8 Hitzetagen an der Spitze der Landeshauptstädte, gefolgt von Innsbruck mit 30,5 und Wien mit 30 Tagen pro Jahr. Parallel dazu verzeichnete GeoSphere für ganz Österreich den niederschlagsärmsten Frühling der Messgeschichte. Besonders trocken blieben unter anderem der Flachgau in Salzburg, das Innviertel in Oberösterreich, Wien und weite Teile Niederösterreichs sowie das Nordburgenland, wo um die Hälfte bis zwei Drittel weniger Regen gefallen ist als im langjährigen Mittel 1991 bis 2020.
Passende Bilder zur WWF-Aussendung sind hier abrufbar.
News
Aktuelle Beiträge
Tiefsee in Gefahr: Staaten entscheiden über Moratorium für Rohstoffabbau am Meeresgrund
Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Vorarlberg – WWF kritisiert geplante Bibertötungen scharf
Neue Verordnung soll Tötung von bis zu 32 Tieren jährlich ermöglichen – Naturschutzorganisation fordert Vorrang für Prävention und unabhängige Einzelfallprüfung
Amazonas: Neue Studie warnt vor 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Entwaldung
Science-Studie untersucht Folgen des Rückzugs großer Sojahändler aus freiwilligem Soja-Moratorium – WWF-Umrechnung: Prognostizierte Rodungsfläche entspricht rund 34-mal Wien – Entwaldungsfreie Lieferketten gefordert
WWF startet Biodiversitäts-Training für Lehrlinge
Neues Weiterbildungsangebot verbindet Naturerlebnis, Artenschutz und Wirtschaft – Pilotphase mit Wien Energie und Caritas Wien im WWF-Auenreservat Marchegg in Niederösterreich
WWF startet erstmals Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres
Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Neue Zahlen: Möglicher Stromverbrauch entspricht fast einem Drittel des Stromverbrauchs von ganz Oberösterreich – Gesamter Ausbau muss Umweltprüfung durchlaufen – Stromhunger darf nicht auf Natur abgewälzt werden
Huchensterben in der Ybbs: WWF warnt vor tödlichen Wanderhindernissen
Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze
WWF-Erfolg: Tiwag muss Gefahrenanalysen herausgeben
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.










