Bericht zeigt alarmierende Entwicklung: Artensterben, Klimakrise und Verschmutzung setzen europäischen Meeren massiv zu – WWF fordert verbindlichen Meeresschutz im EU Ocean Act
Internationale Woche für biologische Vielfalt: EU-Länder starten Rettungsplan für die vom Aussterben bedrohten Störe
Brüssel, Wien, 23. Mai 2019 – Anlässlich der internationalen Woche der Artenvielfalt haben die Europäische Kommission und Experten aus den EU-Mitgliedstaaten einen europaweiten Aktionsplan zur Rettung der Störe bestätigt. Dieser wurde gemeinsam von WWF und der World Sturgeon Conservation Society entwickelt. Ziel ist die Rettung der acht Stör-Arten, die in Europa heimisch sind. Sieben dieser Arten sind vom Aussterben bedroht, deren Schutz ist also von höchster Dringlichkeit. Die Donau ist der letzte Fluss in der EU, in dem sich Störe noch natürlich vermehren. „Für die europäischen Störe ist es fünf vor zwölf. Dieser Aktionsplan könnte ihre letzte Rettung sein“, bekräftigt Beate Striebel-Greiter, WWF-Koordinatorin für den Stör und Mitautorin des Aktionsplans.
Europas Artenvielfalt ist mehrheitlich in einem bedenklichen Zustand. Die Bestände wildlebender Störe sind in den letzten Jahrzehnten besonders dramatisch geschrumpft. Lebensraumverlust und Staudämme auf ihren Laichwanderungen setzen den urtümlichen Fischen ebenso zu wie illegale Fischerei und der Handel mit Kaviar und Fleisch von gewilderten Stören. Eine natürliche Vermehrung findet nur noch an zwei europäischen Flüssen statt – in der Donau und dem Rioni-Fluss in Georgien. Im Gironde-Flusssystem in Frankreich und im Po in Italien gibt es kleine Populationen, die sich jedoch vermutlich nicht fortpflanzt.
"Weil Störe in Meeren und Flüssen leben, über weite Strecken wandern und dabei Grenzen durchschwimmen braucht es für deren Rettung eine länderübergreifende Zusammenarbeit: Störe zu schützen, ist eine echte europäische Herausforderung“, so Striebel-Greiter.
Entsprechend wichtig ist für den WWF, dass die EU-Kommission sich zum Aktionsplan für die Störe bekennt und die schnellstmögliche Umsetzung der notwendigen Maßnahmen unterstützt. “Ohne rasches und entschlossenes Handeln würde nur ein weiteres Strategiepapier für die Schublade produziert werden, und die Störe könnten als statistische Größe im traurigen Kapitel des sechsten großen Massenaussterbens der Erdgeschichte enden", warnt Striebel-Greiter. Die 27 Störarten der Welt gelten als die am stärksten gefährdete Artengruppe überhaupt.
Beim gestern in Brüssel präsentierten Vorhaben handelt sich um den ersten Aktionsplan für eine Fischart im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Ziel ist, die letzten überlebenden Störpopulationen in Europa zu erhalten, Lebensräume zu schützen und wiederherzustellen und Störe in Flüssen wieder auszuwildern, aus denen sie verschwunden sind. In einigen europäischen Ländern, darunter Frankreich, Deutschland und Österreich, wurden bereits Wiederansiedlungen gestartet.
Mit dem Aktionsplan folgt die Europäische Union einem Vorschlag, der vom WWF und der World Sturgeon Conservation Society (WSCS) erarbeitet wurde. Bereits im vergangenen November war dieser von der Berner Konvention für den Schutz europäischer wildlebender Tiere und Pflanzen als rechtsverbindliche Vereinbarung verabschiedet worden.
Informationen zum WWF-Projekt für den Stör: https://www.wwf.at/stoer
Fotos von Donaustören zur honorarfreien Verwendung für diese Aussendung: https://we.tl/t-VB0HzRREFd
Aktionsplan (in Englischer Sprache): https://rm.coe.int/pan-european-action-plan-for-sturgeons/16808e84f3
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl
WWF-Pressesprecherin
Tel. 01/48817-250
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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