llegaler Tigerhandel: Neuer Report zeigt Schwächen in Südostasiens Justizsystemen

24. Juni 2026 | Arten, Presse-Aussendung

WWF, GuArdean und TRAFFIC analysieren Strafverfolgung in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten - Drahtzieher und Geldgeber werden bisher zu selten belangt - WWF fordert verstärkte Kontrollen und internationale Zusammenarbeit

Wilderei und illegaler Handel bedrohen die letzten wildlebenden Tiger Südostasiens. Ein neuer Report von WWF, GuArdean und TRAFFIC zeigt jetzt große Schwächen in der strafrechtlichen Aufarbeitung von Tigerkriminalität: Sanktionen fallen oft gering aus, Verfahren sind vielfach schwer nachvollziehbar und die Strafverfolgung trifft vor allem Täter auf niedriger Ebene. Drahtzieher, Geldgeber und kriminelle Netzwerke bleiben dagegen häufig im Hintergrund, kritisiert der Report. „Tigerhandel ist organisierte Kriminalität auf Kosten einer stark bedrohten Art. Scharfe Gesetze reichen nicht, wenn sie Täter kaum abschrecken. Solange die Gewinne hoch und die Risiken gering bleiben, zahlen die Tiger den Preis“, sagt WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin.

Der WWF fordert deshalb konsequentere Verfolgung von Wilderei und illegalem Handel sowie bessere Zusammenarbeit zwischen den Staaten. „Auch wenn weiterhin große Herausforderungen bestehen, gibt es in Südostasien bereits Positivbeispiele. Wir hoffen, dass diese Erfolgsgeschichten Reformen in den Justizsystemen der Region anstoßen“, sagt Scattolin vom WWF. Nötig seien vor allem ein besserer Zugang zu Gerichtsakten, mehr juristische Fachkompetenz, eine engere Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden sowie die stärkere Nutzung forensischer, digitaler und finanzieller Ermittlungen, um Hintermänner zu verfolgen. Zudem empfiehlt der Bericht, alternative Instrumente wie Entschädigungszahlungen zur Wiedergutmachung von Umweltschäden zu prüfen.

Drahtzieher und Geldgeber kaum belangt
Der umfassende Bericht untersucht tigerbezogene Festnahmen, Strafverfolgungen und Strafmaße in sieben derzeitigen und ehemaligen Verbreitungsländern des Tigers (Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam) und zeigt: Nur 42 Prozent der öffentlich bekannten Fälle von Tiger-Kriminalität führten zu Sanktionen wie Freiheitsstrafen oder Geldbußen. 14 Prozent endeten mit Bewährungsstrafen.

Bei den meisten strafrechtlich verfolgten Personen handelt es laut dem Bericht sich um Täter auf niedriger oder mittlerer Hierarchieebene, etwa Wilderer oder Transporteure. Drahtzieher und Geldgeber wurden jedoch nur selten strafrechtlich belangt. Der Report empfiehlt daher, Gesetze zu Finanzkriminalität, organisierter Kriminalität und Korruption stärker zu nutzen, um ganze Schmuggelnetzwerke zu zerschlagen. Diese Instrumente wurden in Verfahren zu Tigerkriminalität bislang nur selten eingesetzt.

Verflechtungen bis nach Europa – Vorsicht bei Urlaubssouvenirs  
Doch der illegale Handel mit Tigern und Tigerteilen bleibt nicht auf Asien beschränkt: Laut TRAFFIC wurden seit dem Jahr 2000 in Europa 430 Beschlagnahmungsfälle festgestellt. So wurden etwa Arzneiprodukte der Traditionellen Asiatischen Medizin mit Tigerbestandteilen sowie ganze Felle gehandelt. Außerdem verlagert sich der illegale Handel zunehmend ins Internet, wie ein Bericht aus dem Vorjahr zeigt. „Illegaler Wildtierhandel ist kein Randthema des Naturschutzes, sondern ein globales Problem. Nur durch entschlossenes, koordiniertes Handeln – von Asien bis Europa – können wir den tödlichen Kreislauf aus Nachfrage, Profit und Ausbeutung durchbrechen”, sagt Georg Scattolin vom WWF Österreich.

Auch Europa und Österreich sind demnach gefordert, den illegalen Wildtierhandel zu stoppen. Immer wieder werden im EU-Binnenmarkt Produkte mit Teilen geschützter Tiere angeboten, darunter auch Präparate aus Großkatzen. Österreichische Zollbehörden und Ermittlungsdienste arbeiten daher regelmäßig mit internationalen Partnern wie dem WWF zusammen, um solche Fälle aufzudecken. „Artenkriminalität macht nicht an Grenzen halt. Auch hier in Europa braucht es stärkere Kontrollen sowie konsequentere Strafverfolgung und Aufklärung, damit europäische Staaten nicht ungewollt zum illegalen Wildtierhandel beitragen”, sagt Scattolin.

Zur Urlaubszeit warnt der WWF besonders vor Angeboten, bei denen Reisende Tiger oder andere Wildtiere anfassen oder aus nächster Nähe fotografieren können. Solche Attraktionen sind hochgradig stressig für die Tiere und können illegale Zuchten oder Wildfänge fördern. Auch bei Souvenirs ist Vorsicht geboten, um Wildtieren nicht zu schaden und sich nicht strafbar zu machen. Tipps gibt der kostenlose WWF-Souvenirratgeber.

Bilder hier.
Der vollständige Bericht
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Weitere Infos zu Tigern
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Alexa Lutteri
Leitung Presse, WWF Österreich

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