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Nach knappem Aus für Megaprojekt Pitztal-Ötztal: Umweltorganisationen fordern konsequenten Gletscherschutz
Nach der Absage der lokalen Bevölkerung an die geplante Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal und das in der Folge verkündete Aus des Projekts fordern der WWF Österreich und die Naturfreunde einen konsequenten Gletscherschutz. “Die Abstimmung im Pitztal zeigt den Wunsch der Bevölkerung, die weitere Verbauung hochalpiner Landschaften endgültig zu stoppen. In Zeiten der Klimakrise sind unsere Gletscher ein kostbarer Schatz, den wir sorgfältig bewahren müssen. Wir brauchen einen echten Gletscherschutz von Seiten der Tiroler Landesregierung und naturverträgliche Konzepte für den Tourismus”, fordern die Organisationen. Vor allem dürfe es keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für große Bauprojekte geben.
Gerade angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise ist der Schutz der letzten Hochgebirgsregionen ein Gebot der Stunde. “Nach dem Aus des Megaprojekts Pitztal-Ötztal müssen wir sicherstellen, dass dieses Gebiet ein für alle Mal geschützt bleibt. Die Gletschergebiete um den Linken Fernerkogel müssen in das angrenzende Ruhegebiet eingegliedert werden”, fordert Ann-Kristin Winkler, WWF Alpenschutz-Sprecherin. Der sensible Alpenraum ist von der Klima- und Biodiversitätskrise besonders stark betroffen: Mit einem Anstieg von knapp zwei Grad Celsius in den vergangenen 120 Jahren sind die Temperaturen in den Alpen doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Die heutigen Gletschergebiete werden in Zukunft wichtige Rückzugsareale für kälteangepasste Tier- und Pflanzenarten sein, die aufgrund des Temperaturanstiegs in höhere Gebiete ausweichen müssen. Zudem sind unverbaute Freiräume auch für die Menschen wichtige Erholungsräume.
„Das Land Tirol muss sich wieder zum bedingungslosen Schutz der Gletscher bekennen und die ‚Seele der Alpen‘ schützen“, so der Präsident der Naturfreunde Tirol, Leopold Füreder. Er fordert vom Land eine „Wiederherstellung des rechtlichen Status des Gletscherschutzes von vor 2005 und ein Ende der Ausnahmen für Mega-Projekte.“ Gerade der heimische Tourismus müsse eine nachhaltige Tourismusstrategie besonders offensiv verfolgen. Jenseits unverbindlicher Konzepte erfordern die aktuellen Herausforderungen durch Klimakrise und steigenden Lebensraumverlust eine strikte Trendwende im Wintertourismus.
Der abgewiesene Gletscherzusammenschluss Pitztal-Ötztal war ein Paradebeispiel für ein naturschädliches und kurzsichtiges Großprojekt. Im Projektgebiet liegen drei noch unberührte Gletscher: Karlesferner, Hangender Ferner und Mittelbergferner. Eine Analyse der Universität Innsbruck bestätigte: Weil sich die Gletscher immer weiter zurückziehen, hätte das Gelände für einen Skibetrieb mit immer neuen baulichen Eingriffen und zusätzlicher Infrastruktur umgebaut werden müssen. Der sensible und wertvolle Naturraum wäre zur teuren Dauerbaustelle verkommen.
Nur noch sieben Prozent der Staatsfläche naturbelassen
Projekte wie dieses haben in den vergangenen Jahrzehnten große Narben in der alpinen Landschaften und einen massiven Schaden an der Natur hinterlassen. Nur sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche gelten noch als weitgehend unverbaut und naturbelassen. Diese Flächen sollten dringend geschützt werden, damit nicht auch sie dem Flächenfraß zum Opfer fallen. Das sehen auch die Österreicher*innen so: In einer Umfrage vom November 2020 waren 87 Prozent der Ansicht, dass ein Ausbau von skitechnischer Infrastruktur in noch unverbaute Gletscher- und Hochgebirgsregionen nicht akzeptabel sei.
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