Neue Chance für den Luchs in Südösterreich

28. April 2014 | Presse-Aussendung

Wien/Tarvis, 28. April 2014 –Der italienische Forschungsverein Progetto Lince Italia ließ mit Unterstützung des WWF Österreich heute zwei Schweizer Luchse in den Wäldern des Dreiländerecks Österreich-Italien-Slowenien frei. “Es konnten dort in den letzten Jahren bereits drei Luchse – einer davon auf Kärntner Seite – nachgewiesen werden. Um die langfristige Rückkehr des Wildtieres in den Alpenraum […]

Wien/Tarvis, 28. April 2014 –Der italienische Forschungsverein Progetto Lince Italia ließ mit Unterstützung des WWF Österreich heute zwei Schweizer Luchse in den Wäldern des Dreiländerecks Österreich-Italien-Slowenien frei. “Es konnten dort in den letzten Jahren bereits drei Luchse – einer davon auf Kärntner Seite – nachgewiesen werden. Um die langfristige Rückkehr des Wildtieres in den Alpenraum zu gewährleisten und den Bestand zu sichern mussten wir handeln”, erklärt Projektleiter Paolo Molinari. Mit dem Projekt sollen die dort ansässigen Luchse unterstützt und  vor einem erneuten Aussterben bewahrt werden. „Die Umsiedelung ist ein wichtiger Impuls für die Zukunft des Luchses im Alpenraum“, begrüßt Christina Reisenbichler, Luchsexpertin vom WWF Österreich, die Aktion. Finanziell unterstützt wurde das Projekt auch von den Österreichischen Lotterien, die sich gemeinsam mit dem WWF schon seit Jahren für den Schutz der heimischen Flora und Fauna einsetzen.

Um den Luchsbestand in den Süd-Ostalpen zu unterstützen siedelten Forscher zwei der Wildkatzen in das Italienische Kanaltal aus. Dazu wurden bereits Ende März eine erwachsene Luchsin und ein erwachsener Kuder aus dem Waadtländer Jura in der Schweiz durch die KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) und kantonale Wildhüter im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) eingefangen. Die beiden Luchse hielten sich danach etwa zehn Tage lang in einer Quarantänestation in Bern auf, wo sie unter strenger tierärztlicher Aufsicht standen. Anschließend wurden sie – ebenfalls unter ärztlicher Begleitung – in das Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien transportiert, wo sie mit einem GPS-Sendehalsband versehen und nach einer Eingewöhnungszeit in ihre neue Heimat entlassen wurden. „Wir hatten die Tore des Freiluftgeheges aufgemacht und bereits kurze Zeit darauf sind die beide Luchse schon in ihrer neuen Heimat verschwunden“, erzählt Molinari.

Unterstützung der bestehenden Population zur langfristigen Bestandssicherung

Den Grundstein für das Freilassungsprojekt bildete jahrelange, intensive Forschungsarbeit des Forschungsvereins Progetto Lince Italia mit Sitz an der Universität Padua. Gemeinsam mit den Italienischen Bundesforsten und dem Land Friaul hat der Wildbiologe Paolo Molinari die Zahl der Luchse im Gebiet der Julischen und Karnischen Alpen anhand von Fotofallen und genetischen Analysen erforscht. Im Zuge dieser Arbeiten wurden zwei ansässige Luchse mit Sendehalsbändern versehen, um mehr über die Wanderbewegungen der Tiere zu erfahren. Die Ergebnisse zeigten, dass sich nur drei Exemplare, mittlerweile alle über zehn Jahre alt, in der Region aufhalten. Zudem ist bekannt, dass es sich bei allen um männliche Tiere handelt – die Weibchen fehlen. Aufgrund des hohen Alters der Tiere – die Lebenserwartung von Luchsen beträgt selten mehr als 15 Jahre – und der räumlichen Distanz zwischen dem Dreiländereck und den nächsten Luchsvorkommen im Nationalpark Kalkalpen bzw. im südlichen Slowenien, herrschte dringender Handlungsbedarf um die Zukunft der Luchse zu sichern. „Diese Management- und Schutzmaßnahme ist Teil der Alpinen Erhaltungsstrategien die im Rahmen der SCALP (Status and Conservation of Alpine Lynx Population) schon lange gefordert wurde“, erklärt deren Leiterin Dr. Anja Molinari-Jobin. „Die Luchsvorkommen Österreichs sind nach wie vor sehr klein und zerstückelt. Um den Schutz und den dauerhaften Erhalt der Katzen in Österreich zu ermöglichen, braucht es daher ein Bündel weiterer Maßnahmen wie Umsiedelungen und einen effizienter Managementplan, der sowohl die Ansprüche des Menschen berücksichtigt, als auch dem Luchs genügend Lebensraum lässt,“ ergänzt Christina Reisenbichler vom WWF Österreich.

Die gefährdete Tierart

Der Luchs war in weiten Teilen Europas mehr als 100 Jahre lang ausgerottet. Erst Wiederansiedlungsprojekte in Mitteleuropa in den 1970er Jahren ermöglichten eine Rückkehr in seinen ursprünglichen Lebensraum. Als Folge dieser Freilassungen, die auch in der Steiermark und in Slowenien durchgeführt wurden, besiedelte der Luchs in den frühen 1980er Jahren auch das Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien wieder. Seit 1986 wurden in den Julischen und Karnischen Alpen regelmäßig Luchse bestätigt. Trotzdem blieb die Anzahl vorhandener Individuen sehr gering und der Nachweis von weiblichen Luchsen beschränkte sich lediglich auf Anekdoten.

Österreichische Lotterien unterstützen WWF-Natur- und Artenschutzprojekte

Die Österreichischen Lotterien unterstützen bereits seit vielen Jahren die Arbeit des WWF in Österreich. Mag. Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsdirektorin der Österreichischen Lotterien, zur erfolgreichen Kooperation: „Wir sind stolz darauf, ein langjähriger, verlässlicher und nachhaltiger Partner des WWF zu sein. Zahlreiche Natur- und Artenschutzprojekte konnten im Rahmen der Kooperation erfolgreich umgesetzt werden, wie die Wiedereinbürgerung des Bartgeiers in Österreich, das Flussschutzprogramm an Traun und Inn, die Beringung der Marchegger Störche oder die Artenschutzprojekten für Luchs und Weißstorch. Umwelt- und Naturschutz müssen ein gemeinsames Anliegen der Menschen sein, denn nur eine intakte Umwelt sichert das Weiter- und Überleben. Jedes verantwortungsvolle Unternehmen wie die Österreichischen Lotterien es sind, muss daran interessiert sein.“

Nähere Informationen zum Luchsumsiedelungsprojekt:
Mag. Christian Pichler, Luchsexperte WWF Österreich, Tel. +43-1-48817-279

Rückfragehinweis:
Theresa Gral MA, WWF Pressesprecherin, Tel. +43-1-48817-216, E-Mail: theresa.gral@wwf.at

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