7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Neuer WWF-Bericht zeigt Umwelt- und Klimavorteile einer Ernährungswende
Zum Welternährungstag am 16. Oktober: Eine planetenverträgliche Umstellung des Speiseplans könnte weltweit 30 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgase einsparen und den Artenschwund eindämmen.
Ein neuer WWF-Report fordert die Neuausrichtung des globalen Ernährungssystems an den natürlichen Belastungsgrenzen der Erde: Demnach könnte ein Speiseplan, der sich an den planetaren Grenzen orientiert, 30 Prozent der bei der Nahrungsmittelproduktion entstehenden Treibhausgas-Emissionen einsparen sowie das Artensterben massiv reduzieren. Die positiven Effekte ergeben sich vor allem aus einer starken Reduktion tierischer Lebensmittel, deren Produktion und Konsum sowohl die Klimakrise als auch den Naturverlust besonders befeuert. „Derzeit überschreiten wir die planetaren Grenzen um ein Vielfaches. Daher muss die Politik ihre Verantwortung für ein gesundes Ernährungssystem deutlich stärker wahrnehmen anstatt sie nur an die Menschen auszulagern: von einer umweltverträglichen Landwirtschaft über den Stopp des rücksichtslosen Flächenfraßes bis zur Halbierung der Lebensmittelverschwendung gibt es sehr viel zu tun”, sagt Hannah-Heidi Schindler, Programm-Managerin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich.
Der WWF-Report hat mehrere Ernährungsweisen auf ihre Folgen für den Planeten untersucht und leitet daraus Strategien für eine grundlegende Ernährungswende ab. Die Maßnahmen reichen vom stärkeren Schutz der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft über mehr naturbasierte Klimaschutz-Lösungen bis hin zur Eindämmung des rasanten Bodenverbrauchs. “Die Landnutzung muss sich weltweit ändern, wenn wir das Artensterben und die Klimakrise eindämmen wollen. Mit dem jetzigen Raubbau an der Natur sägen wir am Ast, auf dem wir selbst sitzen”, warnt WWF-Expertin Hannah-Heidi Schindler.
Besonders große Vorteile hätte die Reduktion des vor allem in den Industrieländern viel zu hohen Fleischkonsums. Derzeit werden für den Anbau von billigen Futtermitteln wie Soja jedes Jahr Millionen Hektar Wald gerodet – und das vor allem in Gebieten mit hohem Entwaldungsdruck wie in Brasilien. “Eine wichtige Maßnahme wäre ein europäischer Importstopp für Lebensmittel, deren Produktion in anderen Weltregionen die letzten Tropenwälder zerstört”, fordert Hannah-Heidi Schindler. Im Zuge der Petition #Together4Forests setzt sich der WWF aktuell für ein starkes EU-Waldschutzgesetz ein, das entwaldungsfreie Lieferketten garantiert.
Österreich muss Fleischkonsum reduzieren
Auch in Österreich ernähren wir uns im Schnitt noch immer weit über dem ökologisch und gesundheitlich verträglichen Maß: der jährliche Fleischkonsum liegt mit 63 Kilo pro Person drei Mal höher als von den Gesundheitsbehörden empfohlen. “Wir brauchen einen Aktionsplan für eine ökologische Ernährungswende – von einer verpflichtenden Kennzeichnung nach Herkunft und Tierwohl bis zum Stopp des Billigfleischs aus Massentierhaltung. Denn die ständige Rabattierung ist Teil eines fatalen Kreislaufs, der nicht nur auf Kosten der Umwelt geht, sondern auch die heimische Landwirtschaft belastet”, warnt WWF-Expertin Hannah-Heidi Schindler.
Hintergrundinformationen:
Die sogenannte Planeten-Ernährung, ist eine Ernährungsweise die sich an den planetarer Grenzen der Erde orientiert und eine die einen hohen Nutzen für die menschliche Gesundheit und einen geringen Einfluss auf die Umwelt hat. Gleichzeitig lässt sich die Ernährungsweise auf Geografie, Kulturen und Traditionen sowie lokale Verfügbarkeiten von Nahrungsmitteln anpassen. Die darin inkludierten Nahrungsmittel sind gesund und können nachhaltig ohne Umweltausbeutung produziert werden. Tierische Lebensmittel können konsumiert werden, jedoch in einem weit geringeren Ausmaß und wenn möglich aus einer nachhaltigen Produktion. Der aktuell oftmals übermäßige Verzehr von tierischen Lebensmitteln wird in der planetenbasierten Ernährungsweise durch eine Erhöhung von pflanzlichen Lebensmitteln ausgeglichen, was sowohl ökologische als auch gesundheitliche Vorteile birgt.
Der Bericht zum Download:
Bending the Curve – Summary(engl.)
Bending the Curve – Langfassung (engl.)
Rückfragehinweis:
Alexa Lutteri, MA BSc
Pressesprecherin WWF Österreich
alexa.lutteri@wwf.at
+43 676 83 488 240
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