Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Plädoyer für einen Baumeister: Mit dem Biber leben
Orth/Donau, Wien, 10. Dezember 2013 – Mit Anbruch der Winterzeit beginnt der Biber (Castor fiber) wieder vermehrt, Bäume in Gewässernähe zu fällen – oftmals nicht zur Freude der Menschen. Doch der knabbernde Baumeister leistet seiner Umwelt wertvolle Dienste, erläutern WWF Österreich und Nationalpark Donau-Auen. Bevor der Mensch gesteigertes Interesse für die Biber entwickelte, waren sie in unseren Breiten durchaus häufig anzutreffen. Es gab ausgedehnte Flusslandschaften, in denen das größte Nagetier der nördlichen Hemisphäre genügend Reviere vorfand – mit dem dichten Fell, den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen, dem abgeflachten Schwanz und den verschließbaren Ohröffnungen sind Biber bestens an das Leben im Wasser angepasst. Dann setzte europaweit eine starke Verfolgung ein, des Bibers Fell, sein Fett, aber auch das „Bibergeil“, ein stark riechendes Brunftsekret, waren begehrt. Dies führte zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Ausrottung der österreichischen Population. Gute hundert Jahre lang waren keine Biber mehr anzutreffen und sie gerieten vermehrt in Vergessenheit, der Fortschritt veränderte zwischenzeitlich die Landschaft.
Der Naturschutz setzte sich für eine Heimkehr der Biber als wichtiges Glied im Gefüge intakter Ökosysteme ein. Ab den 1970er Jahren wurden schließlich wieder Europäische Biber eingebürgert beziehungsweise wanderten auch erneut Tiere aus den Nachbarländern zu. Heute hat der Biber Teile seiner ursprünglichen Lebensräume erneut erobert, das Kerngebiet seines Vorkommens liegt in den niederösterreichischen Auen an Donau, March und Thaya. Durch seine Verhaltensweisen übt er einen verändernden, gestaltenden Einfluss auf den Lebensraum aus – was nicht nur auf Freude stößt. Für manche Menschen gilt er nur als Baumfäller, Gewässer-Aufstauer, Schädling.
Seine „Arbeit“ erfüllt aber wichtige ökologische Funktionen, erläutert Gerhard Egger, WWF Österreich: „Durch seine Stautätigkeit schafft der Biber interessante Biotope für Libellen und Amphibien. Die gefällten Bäume bieten im Wasser Versteckmöglichkeiten für Fische und Insekten sowie weiters Lebensraum für zahlreiche seltene Totoholzbewohner.“ Auch im Nationalpark Donau-Auen sind die Biber wichtige „Unterstützer“ vitaler Aulandschaften: Sie sorgen für Waldverjüngung, bereichern die Uferstrukturen und schaffen Ansitzwarten für den seltenen Eisvogel und andere fischjagende Vögel. Die Stämme im Wasser dienen weiters den seltenen Europäischen Sumpfschildkröten als leicht zu erklimmender Platz fürs Sonnenbad, berichtet Erika Dorn.
Doch warum werden überhaupt Bäume gefällt? In Aulandschaften dient dies weniger der Errichtung von Burgen, hier bewohnt der Biber meist Erdbauten mit Zugang unter Wasser, die ins lehmige Ufer der Gewässer gegraben werden. Doch ernähren sich die dämmerungsaktiven Nager rein vegetarisch, im Sommer hauptsächlich von Wasser- und Uferpflanzen. Im Herbst und Winter gelten Bäume, in erster Linie Weiden und Pappeln, als Nahrungsquelle – Knospen und die dünne Rinde der Krone bleiben unter Wasser lange frisch.
Die Biber zeigen in Österreich derzeit noch Ausbreitungstendenz in geeignete Reviere, denn sie sind territorial. Einmal gebildete Paare bleiben ein Leben lang zusammen, die Nachkommen werden vertrieben und wandern entlang von Gewässern weiter. Treffen sie auf Artgenossen, kommt es zu Kämpfen und das schwächere Tier unterliegt, eine lokale Überpopulation ist somit nicht möglich. Wohl aber dringen die Tiere auch in Gebiete vor, wo sie nur bedingt willkommen sind. Denn Naturlandschaften sind heute allzu selten geworden, der Mensch hat sich den meisten Raum nutzbar gemacht.
Daher wurde in mehreren Bundesländern, so auch in Niederösterreich, ein Bibermanagement etabliert, um Konflikte beizulegen und einzugreifen, wenn erforderlich. Einfache Maßnahmen reichen oftmals, wie die Errichtung von Zäunen oder der Schutz von Bäumen durch straff festgezogene Umhüllung des unteren Abschnitts mit Drahtgeflecht. Um ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Biber zu ermöglichen, wäre es aber auch hilfreich, an Gewässern möglichst Uferstreifen mit Bäumen und Gesträuch zu belassen. Hier kann der Biber, als Teil der heimischen Artengemeinschaft, seine Natur ausleben – und der Natur seine Dienste erweisen.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 01/ 48817-250, claudia.mohl@wwf.at, www.wwf.at
Mag. Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen, Tel.: 02212/ 3450-16, e.dorn@donauauen.at, www.donauauen.at
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