Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Platzertal: WWF kritisiert Moorschutz-Absage
Nur einen Tag nachdem der WWF mit Unterstützung renommierter Experten Ende letzter Woche einen Antrag zum Schutz der bedrohten Moorflächen im Tiroler Platzertal eingebracht hatte, kam bereits die ablehnende Antwort von Umwelt-Landesrat René Zumtobel. “Der Landesrat hat den Antrag offensichtlich nicht einmal ordentlich geprüft, bevor er ihm öffentlich eine Absage erteilt. Diese Vorgangsweise entspricht nicht der etablierten Art und Weise, wie in Tirol Naturschutzvorschläge diskutiert werden”, kritisiert WWF-Naturschutz-Leiter Christoph Walder. Die Umweltorganisation lädt den Umwelt-Landesrat zu einem gemeinsamen Lokalaugenschein ins Platzertal ein und fordert eine differenzierte und fachliche Prüfung des Antrags sowie einen Stopp der Kraftwerkspläne der TIWAG in dem einzigartigen Hochtal. Der Energiekonzern will dort für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal einen massiven Speichersee errichten und damit bisher fast unberührte Moorflächen zerstören.
“Ein Umwelt-Landesrat darf nicht aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber der TIWAG handeln. Das Tiroler Naturerbe hat sich eine sorgfältige Prüfung verdient, die nicht einfach wegen Konzern-Profiten verweigert werden darf”, ergänzt die Gewässerschutz-Expertin des WWF Österreich, Bettina Urbanek. „Gerade in der Klimakrise darf es zu keinem Stillstand bei der Weiterentwicklung von Schutzgebieten kommen. Denn eine intakte Natur ist unsere beste Verbündete gegen die Folgen der Erderhitzung“, warnt Urbanek. Sie erinnert an wichtige Schutzgebiete vom Tiroler Lech über die Hohen Tauern bis zur freien Fließstrecke am Inn. „All diese Schutzgebiete wurden letztlich nur aufgrund akuter Bedrohungen und dem Einsatz gegen naturzerstörerische Kraftwerkspläne eingerichtet. Anders als jetzt hat die Politik damals mutig und weitsichtig gehandelt.”
Nachholbedarf in Sachen Moorschutz
Bei der Umsetzung der österreichischen Moorstrategie gibt es große Defizite in Tirol: „Rund 90 Prozent der ursprünglichen Tiroler Moorflächen sind bereits zerstört. Das Platzertal ist die wichtigste unberührte Moorlandschaft in den österreichischen Hochalpen und darf keinesfalls mehr zerstört werden. Aktuell wird sie aber weder in der Bundes- noch in der Tiroler Moorschutzstrategie erwähnt“, betont WWF-Expertin Bettina Urbanek und verweist auf die wichtige Rolle von Mooren im Kampf gegen die Erderhitzung und die Biodiversitätskrise: „Die Weiterentwicklung von Schutzgebieten ist dringend notwendig, damit wir die Klimaziele naturverträglich erreichen und das aktuelle massive Artensterben stoppen können. Moore sind Hotspots der Artenvielfalt und als effiziente Kohlenstoff-Speicher unsere besten Verbündeten.“
Naturschutz verlangt nach aktivem Amt
Statt Bewilligungs-Schnellschüssen braucht Tirol ein ambitioniertes Natur- und Klimaschutzprogramm. Der WWF fordert vom Land Tirol, eine klimagerechte Raumordnung sicherzustellen, um dem Flächenfraß entgegenzuwirken, ein Gewässerschutz-Paket einzuleiten und eine Energiespar-Offensive umzusetzen. Auch der schon seit Jahren geforderte konsequente Gletscherschutz sollte im Lichte des Erschließungsdrucks und der fortschreitenden Gletscherschmelze zu einer der Prioritäten des Umwelt-Landesrats gehören.
News
Aktuelle Beiträge
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz
Brutsaison am Inn: WWF und BirdLife appellieren für mehr Rücksicht auf seltene Kiesbrüter
Gefährdete Vogelarten brüten am Inn – Steigende Bestände bei Flussuferläufern geben Hoffnung – Naturschutzorganisationen warnen vor Störungen durch Menschen
Steiermark: WWF kritisiert Frontalangriff auf den Artenschutz
Naturschutzorganisation warnt vor ökologischen Folgen und rechtlichen Problemen – Umdenken der Landesregierung gefordert
Energieeffizienz: Österreich seit sechs Monaten säumig bei EU-Richtlinie, 2030-Ziel wackelt
Stillstand bei Umsetzung verschärft Energiekrise und erhöht Abhängigkeit von Importen – Anhaltende EU-Vertragsverletzung könnte Österreich Millionen kosten – WWF fordert rasches Gegensteuern
Tennis-Star Dominic Thiem engagiert sich für seltene Donau-Störe
Prominente Hilfe für den Artenschutz – Naturschutzorganisation WWF bekommt Unterstützung im Einsatz für die am stärksten bedrohte Tiergruppe der Welt










