Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
Russische Tiger-Population mit 450 Tieren stabil
Wien, 1. Oktober 2010 – Gemäß einer aktuellen Zählung des WWF ist die Anzahl der Sibirischen Tiger in Russland mit 450 Tieren seit dem Jahr 2007 konstant geblieben. Allerdings befürchtet der WWF langfristig einen negativen Trend. "Die misslungene Forstreform der russischen Regierung hat dazu geführt, dass die zuständigen Behörden wie gelähmt sind. Der Kampf gegen illegalen Holzeinschlag und Wilderei sowie die Waldbrand-Prävention sind so gut wie zum Erliegen gekommen", kritisiert WWF-Artenschutzexpertin Jutta Jahrl. Die komplizierten politischen Rahmenbedingungen behindern auch die erfolgreiche WWF-Arbeit vor Ort. Insgesamt streifen nach Schätzung der Naturschutzorganisation noch rund 450 Tiger durch die Wälder des Russischen Fernen Ostens. Das Gebiet ist Russlands letzte, unberührte Wildnis. "
Was der Tiger zum Überleben braucht, sind ein effizienteres Forstmanagement – und härtere Strafen gegen Wilderer!", sagt Jutta Jahrl. Mit Sorge blickt der WWF auch auf die bevorstehende Waldbrandsaison in der Region rund um Vladivostok. Im Spätherbst werden dort regelmäßig landwirtschaftliche Felder in Brand gesetzt, was in den niederschlagsarmen Monaten Oktober und November fatal sein kann, weil die Feuer oft auch auf angrenzende Wälder übergreifen. "Eine Feuersbrunst, wie wir sie im heurigen Sommer rund um Moskau erlebt haben, wäre für die verbliebenen Tigerbestände im Osten Russlands eine Katastrophe", warnt Jahrl. Neben der Eindämmung der Wilderei auf Tiger, muss auch die illegale Jagd auf ihre Beutetiere wie Wildschweine, Rotwild oder Sikahirsche gestoppt werden. Nur dadurch kann eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Großkatzen gesichert werden.
Im Zuge der jährlichen Erfassung des Tigerbestandes wurden in 16 Referenzgebieten über mehrere Wochen hinweg Fährten und Kratzspuren der Tiger gezählt. Insgesamt konnten die Ranger in den untersuchten Regionen 80 verschiedene Individuen identifizieren. Aus dieser Zahl lassen sich dann vorsichtige Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation ziehen. Eine Erhebung des Gesamtbestandes findet alle zehn Jahre statt. Dafür wird das gesamte Tiger-Habitat im Ausmaß von über 350.000 Quadratkilometern untersucht. Die nächste umfassende Zählung ist für 2014/15 geplant.
Der WWF hatte die aktuelle Zählung durchgeführt, um Gewissheit über die tatsächliche Anzahl an Sibirischen Tigern in Russland zu erhalten. Die Ergebnisse vorheriger Untersuchungen waren nicht eindeutig gewesen. Da Tiger große Streifgebiete besitzen – Männchen beanspruchen ein Territorium von mehr als 500 Quadratkilometern – sind sie nicht einfach zählen. In der jünsten Zeit hatte es Hinweise darauf gegeben, dass es zu einer Verkleinerung der Population gekommen sein könnte. "Wir sind erleichtert, dass es zumindest keinen Rückgang der Population gegeben hat", sagt Jahrl.
Hoffnungen setzt die WWF-Expertin auf den anstehenden, internationalen Tigergipfel in St. Petersburg. Dort treffen sich Ende November 2010 auf Einladung Vladimir Putins die Staats- und Regierungschef aller dreizehn Tigerstaaten um über einen internationalen Rettungsplan für die letzten 3.200 Exemplare der seltenen Großkatze zu beraten. "Am Ende des Gipfels müssen konkrete und vor allem finanziell abgesicherte Maßnahmen stehen", erklärt Jahrl. Putin, der sich selbst gerne als großer Freund des Tigers in Szene setzt, verantwortet jedoch auch die misslungene Forstreform, die das Waldmanagement Russlands derart geschwächt hat.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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