Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Seeadler fällt vom Mast: Tod durch Stromschlag!
Wien, Orth/Donau, 23. November 2017 – Erst im vergangenen Mai wurden fünf junge Seeadler in Niederösterreich mit hochmodernen GPS-GSM-Sendern ausgestattet. Dadurch erhalten die Naturschutzforscher regelmäßig wichtige Informationen etwa über die Aufenthaltsorte und Wanderrouten der geschützten Adler und erfahren, wann sie wo einen Partner finden. Nun wurde trotz aller Bemühungen eines der Tiere, ein Weibchen, in Tschechien tot aufgefunden. „Die Flügelspannweite eines jungen Seeadlerweibchens beträgt mehr als zwei Meter. Wenn sich Großvogelarten wie Greifvögel, Störche oder Eulen auf einem geerdeten Strommast ausruhen und gleichzeitig mit dem Kopf oder den Schwingen ein Leiterseil berühren, lösen sie einen Erd- oder Kurzschluss aus, der sofort tödlich endet“, erklärt WWF Seeadlerprojektleiter Christian Pichler. Angesichts der kleinen heimischen Seeadlerpopulation schmerzt der Verlust jedes einzelnen Tieres doppelt.
Das verunfallte Seeadlerweibchen war im Frühjahr im Nationalpark Donau-Auen geschlüpft und im Alter von wenigen Wochen mit dem Datalogger ausgestattet worden. Nach dem Ausfliegen aus dem elterlichen Horst hielt es sich bis zum Sommerende in den March-Thaya-Auen auf. Danach machte es sich über Südmähren und -böhmen in die Pilsner Region auf. Dort hat sich der junge Seeadler auf dem geerdeten Eisenträger einer Mittelspannungsleitung niedergelassen und dabei mit dem Kopf ein stromführendes Seil berührt.
Meist bleiben die Stromopfer nach dem Absturz nicht lange an der Unfallstelle liegen, da Füchse oder Marder die Vögel als willkommene Beute annehmen. Die Zahl der an Freileitungen getöteten Vögel lässt sich deshalb schwer erheben. Auch die Auswirkung von Kollisionen fliegender Vögel mit Stromleitungen wird vielfach unterschätzt. Aktuelle Studien aus Deutschland zeigen, dass allein in unserem Nachbarland mehrere Millionen Tiere an den Freileitungen zu Tode kommen. Besonders gefährliche Leitungsabschnitte sollten deshalb Schritt für Schritt vogelfreundlich gemacht werden. So können isolierende Kunststoffhauben oder Abstandhalter Abhilfe schaffen. Die Installation von Spezialmarkierungen kann weiters die Kollision von Vögeln an Freileitungen um 60 bis 90 Prozent reduzieren!
Neben dem WWF unterstützt auch der Nationalpark Donau-Auen die Bemühungen zur Nachrüstung von Stromleitungen: „Der bedauerliche Verlust unseres Seeadlers zeigt deutlich, dass dem Stromtod von Vögeln größere Beachtung geschenkt werden muss“, unterstreicht Experte Georg Frank und führt aus: „Bei uns im Nationalpark finden die Adler noch geeignete Lebensräume und Nahrungsgrundlagen vor. Die Ergebnisse der Seeadler-Telemetrie zeigen aber die großen Aktionsräume dieser Tiere auf. Im Schutzgebiets-Netzwerk DANUBEPARKS versuchen wir daher, donauweit die Sensibilität für dieses Problem zu steigern.“ Im Rahmen der Kampagne DANUBE FREE SKY werden gemeinsam mit Leitungsbetreibern aller Donauländer erste Schutzmaßnahmen umgesetzt. Die Stromversorger in Österreich haben dabei eine wichtige Vorreiterrolle eingenommen, Austrian Power Grid (APG) tritt als strategischer Partner auf. DANUBE FREE SKY wird von der EU Donauraumstrategie auf politischer Ebene unterstützt, durch das EU-Förderprogramm Interreg finanziert und von BirdLife Österreich fachlich begleitet.
„Wichtige Daten zu den Todesursachen der Seeadler erhalten wir vielfach nur durch die GPS-Technik“, so Christian Pichler. „Sie helfen uns, passende Schutzmaßnahmen zu entwickeln.“ Seit 2015 hat der WWF zwölf Seeadler mit Sendern versehen. Acht der Vögel leben noch. Neben Stromschlägen stellen Kollisionen mit Leitungen oder Windrädern, aber vor allem illegale Vergiftung und Abschüsse die Haupttodesursachen beim Seeadler dar. Der Österreichische Wappenvogel brütet erst seit 2001 wieder bei uns und hält derzeit bei 30 Brutpaaren.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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