Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
Steiermark: WWF fordert deutliche Kurskorrektur beim Bodenverbrauch
Anlässlich der Koalitionsverhandlungen in der Steiermark fordert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich von der künftigen Landesregierung massive Anstrengungen für den Bodenschutz. Wie eine aktuelle Analyse des WWF zeigt, haben die verbrauchten und versiegelten Flächen in der Steiermark in den vergangenen zehn Jahren um elf Prozent zugenommen, während die Bevölkerung lediglich um vier Prozent gewachsen ist. “Die Landespolitik hat es jahrzehntelang zugelassen, dass sich Siedlungsgebiete immer mehr ausdehnen, Gewerbeparks auf die grüne Wiese gesetzt werden und Chaletdörfer aus dem Boden schießen. Der Flächenfraß schreitet dadurch mehr als doppelt so schnell voran wie das Bevölkerungswachstum und hat längst jeden naturverträglichen Rahmen gesprengt”, warnt WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories: “Die nächste Landesregierung muss der Verbauung dringend einen Riegel vorschieben.”
Der WWF fordert insbesondere strengere Regelungen im Raumordnungsgesetz, strikte Siedlungsgrenzen und eine Naturschutz-Offensive. Dass die bestehenden Regelungen nicht ausreichen, zeigt die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre: Mit mehr als 100 Quadratkilometern wurden Böden in einem Ausmaß verbraucht, das in etwa der verbauten Fläche der drei größten Städte der Steiermark zusammen entspricht. Das sind Graz, Leoben und Kapfenberg. Pro Tag lag der steirische Bodenverbrauch damit bei rund 2,85 Hektar. Das ist mehr als das bundesweite Nachhaltigkeitsziel von 2,5 Hektar pro Tag.
“Die meisten Ziele der steirischen Raumordnung sind unverbindlich oder unkonkret und werden daher wortwörtlich nicht auf den Boden gebracht”, analysiert WWF-Experte Simon Pories. Immer wieder werden bestehende Ziele und Regelungen durch Schlupflöcher und Ausnahmen konterkariert. Fachleute kritisieren zum Beispiel seit langem die sogenannten “Auffüllungsgebiete”, die ein Bauen im Grünland unter gewissen Umständen erlauben. Gänzlich fehlt ein fixes Ziel zur Reduktion des Bodenverbrauchs. Zu den großen Treibern gehört auch der Straßenbau. “Zahlreiche Beispiele zeigen: Wo eine neue Straße gebaut wird, folgt meist auch der neue Gewerbepark mit großen Parkplätzen. Langfristig werden so keine Verkehrsprobleme gelöst”, sagt Simon Pories vom WWF.
Problemfeld Chaletdörfer
Besonders drastisch zeigt sich die verfehlte Raumentwicklungspolitik beim Wildwuchs der Chaletdörfer, der auch vor besonders wertvollen Lebensräumen nicht Halt macht. So wurde auf der Turracher Höhe für die Errichtung eines Chaletdorfes ein Zirbenwald gerodet, Boden versiegelt und sensible Moorflächen gefährdet. “Der ‘Alpenpark Turracher Höhe’ ist ein besonders drastisches Beispiel dafür, wie einfach es in der Steiermark ist, wertvolle Naturräume zu zerstören, wenn man Lücken im Gesetz ausnutzt”, sagt Simon Pories.
Details zur WWF-Analyse
Die aktuelle WWF-Analyse des Bodenverbrauchs wurde mit der gängigen Berechnungsmethode des Umweltbundesamtes durchgeführt. Diese verwendet die Daten der Digitalen Katastralmappe des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV). Dabei wurde die Entwicklung des Bodenverbrauchs in den Jahren 2014 bis inklusive 2023 untersucht. Die Zahlen für das Bevölkerungswachstum stammen von der Statistik Austria. Das Umweltbundesamt definiert Bodenverbrauch als den Verlust biologisch produktiver Böden durch Verbauung für Siedlungs- und Verkehrszwecke, aber auch für intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Betriebsanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Etwa die Hälfte des verbrauchten Bodens ist auch versiegelt, also mit einer wasser- und luftundurchlässigen Schicht überzogen.
Eine Grafik und Bilder mit mehreren Negativ-Beispielen für den Bodenverbrauch in der Steiermark finden Sie hier zum Download.
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