Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Tauziehen um Schladminger Untertalbach geht in die Endphase
Wien/Graz, am 23. Februar 2012 – Das Tauziehen zwischen Betreibern und Naturschützern um das geplante Kraftwerk am Untertalbach bei Schladming geht in die Endphase. 2007 hat man den Wildbach zum Naturdenkmal erklärt und somit vor der Zerstörung bewahrt. 2010 wurde das Schutzgebiet halbiert, was den Kraftwerkswerbern die Wiederaufnahme ihrer Pläne ermöglichte. Bis zum heurigen Sommer wird mit einer endgültigen Entscheidung für oder wider das Kraftwerk gerechnet. In einem Offenen Brief an den steirischen Umweltlandesrat Kurzmann, fordert die Plattform „Flüsse voller Leben“ heute einen sofortigen Stopp der Kraftwerksplanungen.
Angesichts der drohenden Zerstörung des Untertalbaches setzen sich nun die größten Naturschutzorganisationen Österreichs, darunter der WWF, der Naturschutzbund, die Naturfreunde, das Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, der Fischereiverband, kajak.at, und das Forum Wissenschaft und Umwelt, für den dieses steirische Flussjuwel ein. Als gemeinsame Plattform „Flüsse voller Leben“, weisen die Organisationen auf ein aktuelles Gutachten der Landesumweltanwaltschaft Steiermark hin. Dieses stellt unmissverständlich klar, dass ein Kraftwerk am Untertalbach aus naturschutzfachlichen Gründen eindeutig abzulehnen ist.
Der Untertalbach mit seinem „Wilde Wasser“-Weg sei ein Aushängeschild für den naturnahen Tourismus in der Region, heißt es in dem Schreiben an Landesrat Kurzmann. Er werde von Naturliebhabern, Kajakern und Fischern weit über die Grenzen der Steiermark hinaus genutzt und geschätzt und muss unbedingt erhalten bleiben, so die Naturschützer.
Nach Meinung der Naturschützer steht die drohende Zerstörung durch das Kraftwerk Untertalbach außerdem in keinem Verhältnis zur Stromausbeute, die nur rund 0,5 Promille des steirischen Bedarfes ausmachen würde. „Allein für die sechs neuen Flutlichtmasten am Zielhang des Nachtslaloms in Schladming wären 10 Untertalbach-Kraftwerke notwendig!“ unterstützt Christoph Walder vom WWF den Widerstand gegen das Projekt.
Im August 2010 hatte die steirische Umweltanwältin Ute Pöllinger die Umweltverträglichkeit des Kraftwerksprojektes prüfen lassen. Anhand des Kriterienkataloges Fließgewässer wurde untersucht, wie sich ein Kraftwerk auf die Sohle, die Ufer, die Wasserqualität sowie die Fauna und Flora des Baches auswirken würde. Die Studie bescheinigt nun der gesamten Untertalbach-Klamm höchste ökologische Wertigkeit. „Das Ergebnis hat uns Paddler nicht überrascht: Die spektakulären Wasserfälle und Katarakte des Untertalbaches sind derart schützenswert, dass das Projekt niemals verwirklicht werden kann“, erklärt Peter Feldhammer von kajak.at. „In diesem Sinne hätte man sich die Halbierung des Naturdenkmals vor zwei Jahren eigentlich sparen können“, spielt Feldhammer auf die behördlichen Entscheidungen von 2010 an.
Rückfragehinweis:
Christoph Litschauer, Plattform Flüsse voller Leben,
Tel. +43 512 57 35 34 – 20, e-Mail: cl@wwf.at
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/48817-250, e-Mail: cm@wwf.at
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