Umweltschutzorganisation weist IV- und WKO-Kritik zurück – Verbindliches Klimaziel schafft Planungssicherheit, senkt Energieabhängigkeit und stärkt Innovation – WWF fordert wirksame Maßnahmen für die Umsetzung
Tirol: Gericht bestätigt Absage an Kalserbach-Kraftwerk
Innsbruck, am 20. Juli 2026 – Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat die Absage des Landes an das geplante Wasserkraftwerk am Kalserbach mit einem aktuellen Erkenntnis bestätigt und die Beschwerde der Gemeinde Kals abgewiesen. Das Gericht sieht durch das Projekt eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Natura-2000-Gebiets und einer der wenigen intakten Metapopulationen der Deutschen Tamariske im Ostalpenraum. Der WWF fordert die Gemeinde Kals auf, die Kraftwerkspläne jetzt endgültig aufzugeben. „Das Kalserbach-System zählt zu den letzten intakten Tamarisken-Lebensräumen der Ostalpen und ist für ein Kraftwerk die völlig falsche Adresse. Das Erkenntnis zeigt: Auch die Energiewende braucht klare ökologische Grenzen“, sagt WWF-Gewässerschutzexpertin Marie Pfeiffer.
Laut den Feststellungen des Gerichts würden Wasserentnahme, Wehr und Druckrohrleitung die natürlichen Abläufe des Kalserbachs tiefgreifend verändern. Geringere Wasserstände könnten wertvolle Kies- und Sandflächen austrocknen, während der eingeschränkte Geschiebe- und Samentransport die natürliche Verjüngung der Deutschen Tamariske schwächen würde. Zugleich würde das Wehr die miteinander verbundenen Bestände am Ober- und Unterlauf trennen. Dadurch wären zentrale Lebensräume, die Kernpopulation und langfristig das gesamte Tamarisken-Vorkommen im Schutzgebiet gefährdet.
Das Erkenntnis ist auch über Tirol hinaus bedeutsam. Das in der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III verankerte überragende öffentliche Interesse an erneuerbarer Energie verschafft einem Kraftwerksprojekt demnach keinen automatischen Vorrang. Bei schwerwiegenden Schäden kann der Schutz eines Natura-2000-Gebiets überwiegen. Der Gemeinde steht noch eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof offen. Der WWF rät dringend von diesem Schritt ab. „Nach der Absage des Landes und der klaren Bestätigung durch das Gericht benötigt es jetzt einen klaren Schlussstrich. Die Gemeinde sollte ihre Verantwortung für den Kalserbach wahrnehmen und das Kraftwerksprojekt endgültig beenden“, sagt Marie Pfeiffer. Der WWF war als anerkannte Umweltorganisation am Verfahren beteiligt.
Alternativen zum Wasserkraft-Ausbau in Tirol
Die Wasserkraft ist in Tirol mit rund 1.000 Anlagen bereits besonders stark ausgebaut. „Bei der Wasserkraft muss der Schwerpunkt auf der Modernisierung bestehender Anlagen liegen, statt neue Eingriffe in sensible Gewässer voranzutreiben. „Das verbleibende naturverträgliche Potenzial ist begrenzt und muss auf die Effizienzsteigerung bestehender Anlagen und schutzgebietsferne Standorte gelenkt werden. Genau das hat das Gericht mit seiner Alternativenprüfung bestätigt“, sagt Marie Pfeiffer vom WWF. Für eine naturverträgliche Energiewende brauche es jetzt vor allem den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft, Netzen und Speichern sowie deutlich mehr Energieeinsparung und Effizienz.
Pressebilder vom Kalserbach und WWF-Expertin Marie Pfeiffer sind HIER abrufbar.
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