Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Tödliches Greifvogel-Gift endlich verboten!
Internationale Umweltorganisationen und Jägerschaft begrüßen das EU-Verbot des hochtoxischen Nervengiftes Carbofuran
Wien, am 17. Dezember 2008 – Am vergangenen Wochenende trat ein EU-weites Verbot des Pestizides Carbofuran in Kraft. Untersagt sind ab sofort der Verkauf, die Anwendung und der Besitz des Pflanzenschutzmittels, das unter dem Handelsnamen „Furadan“ bekannt ist. „Für den Naturschutz ist das Verbot ein wichtiger Meilenstein“, erklärt Mag. Christian Pichler, Seeadler-Experte des WWF Österreich. Carbofuran wird immer wieder zur Herstellung illegaler Giftköder missbraucht. In den letzten Jahren starben in Österreich, Tschechien und Ungarn insgesamt über 100 gefährdete Großgreifvögel einen qualvollen Gifttod. „Wir hoffen, dass durch das Carbofuran-Verbot das illegale Treiben der Giftleger erschwert wird!“ so Pichler.
In Großbritannien und den USA kam es noch Jahre nach dem Carbofuran-Verbot zu einem massiven Einsatz des Giftes aus illegalen Lagerbeständen. Die Gefahr für die Greifvögel ist demnach auch in unseren Breiten noch nicht gebannt. Im südlichen Mitteleuropa stellen illegale Giftköder derzeit das Hauptproblem für die Bestände von See- und Kaiseradler dar.
Österreichs Wappenvogel Seeadler: Opfer illegaler Giftleger
In Österreich fielen seit dem Jahr 2000 acht Seeadler und zwei Kaiseradler Carbofuran-Giftködern zum Opfer. In Tschechien sterben derzeit pro Jahr drei bis 10 Seeadler an Carbofuran-Vergiftung. Besonders prekär ist die Lage in Ungarn: seit April 2006 wurden in unserem Nachbarland 29 Seeadler und 35 Kaiseradler vergiftet.
Hinter den illegalen Giftködern stehen in allen drei Ländern unverantwortliche Einzelpersonen, die bei der Bekämpfung von Hunden, Katzen, Füchsen, Mardern und Krähen immer noch auf Giftköder setzen. Diese Praxis ist gesetzlich streng verboten und wird auch von der Jägerschaft entschieden abgelehnt.
Giftlegerei gefährdet Artenschutz-Erfolgsstory
Seeadler und Kaiseradler zählen in Mitteleuropa zu den Vorzeige-Arten des Naturschutzes. Nach jahrzehntelangen Bemühungen wuchsen die Seeadler-Bestände in Tschechien zwischen 1985 und 2007 von zwei bis fünf auf über 50 Brutpaare an. In Ungarn gab es 1987 nur 16, 2007 bereits 166 Seeadler-Brutpaare. Auch der weltweit gefährdete Kaiseradler feiert in Ungarn mit einem aktuellen Bestand von 88 Brutpaaren ein eindrucksvolles Comeback.
Auch nach Österreich kehrt der imposante Seeadler seit 1999 nach und nach zurück: Im heurigen Jahr gab es fünf bis sieben Brutpaare. Nach fast 200-jähriger Abwesenheit brüten auch wieder vier Kaiseradlerpaare bei uns.
Der illegale Gifteinsatz droht diese gesamteuropäischen Artenschutzerfolge allerdings zunichte zu machen. „Entscheidend wird zunächst sein, dass das Verkaufs- und Anwendungsverbot lückenlos befolgt wird“ betont Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle der Österreichischen Landesjagdverbände. „Besonders scharf muss auch gegen Personen vorgegangen werden, die Carbofuran zu Hause horten. Jeder, der illegalerweise Carbofuran besitzt, macht sich ab sofort verdächtig und strafbar. Wir appellieren an die Behörden, die Lage ernst zu nehmen und für eine gründliche Einhaltung des Verbotes zu sorgen!“, so Lebersorger.
Bislang konnte jeder Landwirt im Besitz eines Giftsscheines Furadan aus dem Lagerhaus beziehen. Weil das Gift in der Landwirtschaft weithin eingesetzt wurde, stand auch einer missbräuchlichen Anwendung nichts im Wege.
Weitere Informationen und Fotos:
Mag. Christian Pichler, WWF Seeadlerprojekt, Tel. 01/488 17 279.
Dr. Peter Lebersorger, Zentralstelle der Österreichischen Landesjagdverbände, Tel.: 01/ 405 16 36-24.
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250.
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