Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Walschutz harpuniert
WWF Presseaussendung
Wien, 25. Oktober 2016. Der Versuch der Anrainerstaaten im Südatlantik ein Schutzgebiet für Wale einzurichten, ist gescheitert. Der Schutzgebietsvorschlag erzielte in der Abstimmung der 66. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission nicht die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit. Argentinien, Brasilien, Gabun, Südafrika und Uruguay hatten beantragt, ein 20 Millionen Quadratkilometer großes Meeresgebiet zwischen der Ostküste Südamerikas und der Westküste Afrikas zur Schutzzone für Wale zu erklären, scheiterten jedoch am Widerstand von Pro-Walfang-Staaten. Axel Hein, Meeresschutzexperte beim WWF Österreich kritisiert die Entscheidung: „Das Abstimmungsergebnis ist ein Tiefschlag für den Schutz der Meeresriesen. Hier werden fortschrittliche Initiativen im Walschutz harpuniert, um zu unterbinden, dass sich die IWC zukünftig stärker für den Schutz der Wale als für ihre Bejagung einsetzt. Unter den festgefahrenen Grabenkämpfen innerhalb der IWC leiden die Wale seit Jahren.“
Wissenschaftliche Bedenken am Nutzen des Schutzgebietes habe es nach eingehender Prüfung nicht gegeben. Auch die Weltnaturschutzunion IUCN hatte die Pläne befürwortet. „Mehr als fünfzig Walarten leben in dieser Meeresregion. Schiffskollisionen und die intensive Befischung des Gebiets gehören zu den alltäglichen Bedrohungen, die minimiert werden müssen. Wir begrüßen, dass die Anrainer Verantwortung für besseren Schutz übernehmen wollen, und es ist beschämend, dass sie seit Jahren ausgebremst werden“, so Hein. Walfang – auch zu wissenschaftlichen Zwecken – sollte im Schutzgebiet ebenfalls verboten werden.
Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken ist als Ausnahme vom seit 30 Jahren geltenden Walfangmoratorium erlaubt. Auch diese Form der Sondergenehmigung wird während der laufenden Tagung diskutiert werden. Japan jagt unter dem pseudowissenschaftlichen Deckmantel Wale im Südpolarmeer. Der WWF fordert, dieses Schlupfloch in den IWC-Regularien zu schließen. „Es gibt schlicht keinen Grund mehr, Wale im Namen der Wissenschaft zu töten. Und die Definition von wissenschaftlichem Walfang darf man nicht den Walfangnationen überlassen“, so Hein.
Weitere Informationen:
Gerhard Auer, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, E-Mail: gerhard.auer@wwf.at
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