22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Welternährungstag: Fisch bald vom Tisch?
Wien, 15. Juni 2010 – Anlässlich des morgen stattfindenden Welternährungstages warnt der WWF vor einer fortschreitenden Plünderung der Meere: Durch unseren unstillbaren Hunger nach Fisch und Meerestieren könnte die kommerzielle Fischerei bis 2050 zum Erliegen kommen. Aktuell werden etwa 110 Millionen Speisefisch pro Jahr verzehrt. Weltweit sind 520 Millionen Menschen direkt oder indirekt von Fischerei abhängig. 80 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände gelten laut dem soeben veröffentlichtem Living Planet Report des WWF bereits heute als überfischt oder bis an ihre Grenzen befischt. Die EU-Länder sind trauriger Rekordhalter: 88 Prozent der Fischbestände in der EU sind bedroht. Nirgendwo sonst auf der Welt werden die Meere derart stark übernutzt. Wer trotzdem Fisch ohne schlechtes Gewissen genießen will, entscheidet sich beim Einkauf einfach für heimische Fische wie Forelle, Karpfen oder Hecht, für Fisch aus Biozucht oder Fisch mit dem blauen MSC-Ökosiegel auf der Verpackung – Fischgenuss ohne Reue ist somit möglich.
Fisch ist gesund und gehört längst fix auf unseren Speiseplan. Fast acht Kilogramm Fisch genießt durch-schnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Doch längst nicht jeder Fisch wird umweltverträglich gefangen. Was als Fischmenü auf unseren Tellern landet, hat oft eine erschreckende Vorgeschichte: Wir schädigen die Ozeane durch zerstörerische Fangmethoden oder durch das sinnlose Töten von Unmengen an Nicht-Zielarten, dem sogenannten „Beifang“, der sterbend oder tot als Müll wieder in die Meere zurückgeworfen wird. 40 Prozent des globalen Fischfangs wird weggeworfen oder nicht verarbeitet, das sind jährlich 38 Millionen Tonnen „Fischmüll“.

Fische und Fischprodukte im Wert von 350 Millionen Euro wurden letztes Jahr nach Österreich importiert. Typische Importfische sind Lachs, Thunfisch, Sardine und Makrele aber auch Shrimps, Muscheln und Tintenfisch. Verbraucher sollten laut WWF beispielsweise auf den bereits stark gefährdeten Rotbarsch verzichten, bei dessen Fang durch tonnenschwere Grundschleppnetze Jahrtausende alte Korallen-Lebensräume zermalmt werden. Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps, für deren Zuchtanlagen hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt werden. Die beliebten Speisefische Scholle oder Seezunge produzieren ungeheure Beifang-Mengen: Für ein Kilo Scholle müssen bis zu 15 Kilo an mitgefischten Arten sterben. Auch Zuchtfische wie Lachs sind nicht immer eine gute Wahl: Für die Fütterung der Zuchttiere wird Fischmehl eingesetzt, das aus eigens dafür gefangen Fischen produziert wird und somit weiter zur Überfischung beiträgt.
Jeder Verbraucher kann einen Beitrag zum Schutz der Meere leisten: Eine Möglichkeit bietet der Kauf von Fischprodukten mit dem blauen Label des Marine Stewardship Council (MSC), dem weltweit einzigen anerkannten Siegel für nachhaltige Meeresfischerei. Welche Fische im Einkaufswagen landen sollten und was nicht auf den Teller gehört, erklärt auch der WWF-Fischführer, den man unter www.wwf.at/fischfuehrer jederzeit anfordern kann, um ihn beim Einkauf in der Tasche parat zu haben.
„Der WWF fordert die Einführung langfristiger Managementpläne für alle Fischbestände, eine Reduzierung der Beifänge auf ein Minimum, schärfere Kontrollen und Schutzgebiete. Die Politik ist gefordert, da die Ressourcen der Ozeane nicht unendlich sind“, resümiert Axel Hein, Meeres- und Fischereiexperte des WWF.
Rückfragehinweis:
Mag. Axel Hein, WWF Meeres- und Fischereiexperte, tel. 0676-83 488 230 oder axel.hein@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz













