Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
Weltnaturkonferenz: WWF fordert ambitioniertes Abkommen und sieht große Hausaufgaben in Österreich
Wenn am kommenden Mittwoch die 15. Weltnaturkonferenz in Montréal beginnt, sind die Erwartungen hoch: Ein neuer, globaler Pakt für die biologische Vielfalt soll am Ende stehen – mit dem Ziel, das Artensterben und den Verlust von Ökosystemen bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Denn die aktuelle Bilanz ist fatal. “Die im Rahmen des WWF Living Planet Report untersuchten Bestände wildlebender Arten sind seit 1970 im Schnitt um 69 Prozent eingebrochen”, sagt Karim Ben Romdhane, Experte für internationalen Artenschutz des WWF Österreich, bei einer Pressekonferenz am Freitag. “Um diesen Trend umzukehren, brauchen wir ein ambitioniertes Abkommen für die Artenvielfalt, so wie es das Pariser Abkommen für den Klimaschutz ist. Ein globaler Naturschutz-Pakt mit verbindlichen, messbaren Zielen bis 2030”, fordert der WWF-Experte, der als Mitglied der österreichischen Delegation vor Ort sein wird. Ein wichtiger inhaltlicher Punkt sind aus Sicht des WWF weltweit mehr Schutzgebiete – konkret fordert die Umweltorganisation die Unterschutzstellung von mindestens 30 Prozent der Landes- und Meeresfläche bis 2030.
Nach der enttäuschenden Klimakonferenz in Ägypten bietet der Gipfel in Montréal eine Möglichkeit, den rasanten Verlust unserer Lebensgrundlagen noch aufzuhalten. “Klimakrise und Artensterben sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir haben es mit einer Zwillingskrise zu tun, die wir gemeinsam lösen müssen”, betont Julia Balasch vom WWF-Jugendnetzwerk Generation Earth. “Intakte Ökosysteme sind im Kampf gegen die Klimakrise essentiell. Alleine in den letzten zehn Jahren hat die Natur 54 Prozent der menschengemachten Treibhausgase aufgenommen”, zitiert Balasch eine Studie des WWF. “Das Bewusstsein für die Klimakrise ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dieses Bewusstsein brauchen wir jetzt auch für das Artensterben und die Bedeutung der Biodiversität. Beide Krisen lassen sich nur mit Hilfe “Natur-basierter Lösungsansätze” bewältigen. Denn Klimaschutz geht nur mit und nicht gegen die Natur”, sagt die Studentin, die als Jugenddelegierte an der Weltnaturkonferenz teilnehmen wird.
Österreich: EU-Nachzügler im Naturschutz
In einem neuen Positionspapier zur Biodiversität in Österreich legt der WWF dar, woran es hierzulande fehlt und was jetzt nötig ist, um die biologische Vielfalt und damit unsere Lebensgrundlagen umfassend zu schützen und wiederherzustellen. Denn es gibt massiven Handlungsbedarf. “Von einem Umweltmusterland sind wir meilenweit entfernt. Laut einer Bewertung der Europäischen Umweltagentur nehmen wir bei der Artenvielfalt im EU-Vergleich nur den vorletzten Platz ein”, kritisiert Arno Aschauer, Leiter Arten und Lebensräume beim WWF. Mit einem Anteil von 15 Prozent der Landesfläche an Natura 2000 Schutzgebieten liegt Österreich auch hier deutlich unter dem EU-Schnitt von 19 Prozent. Doch es fehlt nicht nur an der Quantität: “Das Management der Schutzgebiete ist mangelhaft, weshalb gerade wieder ein Vertragsverletzungsverfahren der EU läuft”, warnt Arno Aschauer.
Laut den europäischen Zielen muss auch Österreich seine Naturschutzgebiete deutlich ausbauen, um seinen Beitrag zu dem geplanten Schutzgebietsnetzwerk auf mindestens 30 Prozent der EU-Landesfläche zu leisten – davon ein Drittel hochwertige Schutzgebiete (Nationalparks und Wildnisgebiete, deren Fläche in Österreich derzeit weniger als drei Prozent ausmacht). Parallel dazu braucht es wirksame Maßnahmen gegen den Flächenfraß. Nach wie vor werden täglich im Schnitt 11,5 Hektar Boden verbraucht. “Wir verschmutzen, übernutzen und zerstören unsere Natur, als gäbe es kein Morgen. Daher müssen wir jetzt in allen Bereichen eine echte Trendwende einleiten”, fordert WWF-Experte Aschauer. Dazu braucht es auch wesentliche Veränderungen in den bisherigen Strukturen, wie zum Beispiel eine Ökologisierung der Raumordnung und des Steuersystems oder die Einrichtung einer nationalen Koordinationsstelle Biodiversität. Darüber hinaus muss die Politik eine Offensive zur Wiederherstellung bereits zerstörter Lebensräume starten, wie es das geplante “EU Nature Restoration Law” vorzeichnet.
Hintergrund: Die Weltnaturkonferenz COP15
Die 15. UN-Weltnaturkonferenz (CBD COP15) findet nach mehrmaliger Verschiebung unter der Präsidentschaft Chinas vom 7. bis 19. Dezember im kanadischen Montréal statt. Nachdem die Vorgaben des bis 2020 gültigen Biodiversitäts-Abkommens verfehlt wurden, soll ein neues, ambitioniertes Abkommen mit globalen Zielen und einem Aktionsplan bis 2030 beschlossen werden. Die Weltnaturkonferenz beruht auf dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), das 150 Staats- und Regierungschefs 1992 unterzeichnet haben, heute sind 196 Vertragsparteien beteiligt. Ziel ist bis 2050 eine Welt zu schaffen, die “im Einklang mit der Natur lebt”. Mehr als 10.000 Menschen werden zur COP15 erwartet.
Das WWF-Positionspapier zur biologischen Vielfalt in Österreich sowie Bilder und Grafiken finden Sie zum Download hier.
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