Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Weltwassertag: Staudämme bedrohen Flussparadiese an der Adria
Wien, Donnerstag, 19. März 2010 – Die österreichischen Energiekonzerne EVN und Verbund ziehen sich nach anfänglichem Interesse aus einem Mega-Staudammprojekt in Südosteuropa zurück: In Montenegro soll am Fluss Moraca eine Kette von vier bis zu 150 Meter hohen Staudämmen errichtet werden. „Wird dieses Projekt realisiert, droht eine riesige Umweltkatastrophe“, warnt WWF-Balkanexperte Arno Mohl. Die Kraftwerkskette würde den artenreichen Moraca-Canyon für immer zerstören und den größten See des Balkans, den Skutari-See, massiv schädigen. Dessen Schilfgürtel beherbergt mehrere Kolonien des weltweit vom Aussterben bedrohten Krauskopfpelikans. „Wir begrüßen den Ausstieg von EVN und Verbund aus dem Moraca-Projekt“, so Mohl. „Umso mehr schmerzt uns das Engagement der Konzerne im Nachbarland Albanien“.
Die ökologischen Auswirkungen der Moraca-Dämme auf die einzigartige Naturlandschaft Montenegros sind dramatisch, so der WWF. Es droht das Aussterben von Fischarten, die weltweit nur in diesem Gewässersystem vorkommen. Auch eines der bedeutendsten Feuchtgebiete des Mittelmeerraums und Rastplatz von bis zu 250.000 Zugvögeln, der Skutari See, ist bedroht. Durch den Wasserrückhalt in den Staubecken der Moraca – sie ist der wichtigste Seezubringer – würden die lebensspendenden Frühjahrshochwässer am See ausbleiben und damit die wichtigsten Fisch-Laichgebiete austrocknen. Der Zusammenbruch der Fischerei, die rund 600 Familien ernährt, ist vorprogrammiert.
Eine ähnliche Katastrophe zeichnet sich im Nachbarland Albanien ab, wo die Regierung derzeit mehr als 150 Wasserkraftprojekte forciert. Der WWF kritisiert, dass die EVN und der Verbund in diesem Land Kraftwerke bauen und damit die wertvollsten Flussgebiete der Region zerstören. Dabei verliert Albanien alleine durch sein schlechtes Stromnetz mehr als ein Drittel des derzeit produzierten Stroms. „Die österreichischen Stromkonzerne sollten lieber das Elektrizitätsnetz verbessern als neue Kraftwerke in intakter Natur zu bauen“, so Mohl.
Am Devoll, einem einzigartigen Wildfluss in der albanischen Bergwelt, baut die EVN derzeit drei Speicherkraftwerke mit einer Leistung von 340 Megawatt für Kosten von 900 Millionen Euro. Ein weiteres 48 Megawatt-Kraftwerk am Drin-Fluss wird in Zusammenarbeit mit dem Verbund errichtet und soll im Jahr 2012 fertig gestellt sein. „Hier geht es um reinen Profit auf Kosten der Natur. Albanien könnte effiziente Sonnenkraftwerke bauen und mit einer Erneuerung des Stromnetzes wären die Kraftwerke völlig überflüssig“, erklärt Mohl abschließend.
Eine aktuelle Studie von EuroNatur zeigt die Auswirkungen der Kraftwerke am Drin: siehe unten.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Medienleiter WWF, Tel. 01-48817-231, Email: franko.petri@wwf.at.
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