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Windkraft nächst dem Nationalpark Donau-Auen
Wien, Orth/Donau, 7. 4. 2014 – Negative Auswirkungen auf die Vogelwelt und das Wanderverhalten von Wildtieren zählen zu den möglichen Effekten von Windkraftanlagen, ebenso die Beeinträchtigung des Naturerlebnisses für Nationalpark-BesucherInnen. Gleichzeitig erzeugt Windkraft heimischen, erneuerbaren Strom für die dringend nötige Energiewende – dieser Konflikt muss durch umsichtige Standortwahl entschärft werden. BirdLife Österreich, Nationalpark Donau-Auen GmbH und WWF Österreich appellieren, bei Windkraftnutzung an der Donau einen Mindestabstand zum Nationalpark und weiteren schutzwürdigen Augebieten einzuhalten.
Seit Herbst 2013 dominieren in der Region des Nationalpark Donau-Auen zwei große Anlagen das Donauufer: Der Windpark Scharndorf, knapp einen Kilometer von der Schutzgebiets-Grenze entfernt, und der Windpark Petronell. Im Entwurf einer neuen Verordnung, welche die Entwicklung der Windkraftnutzung in Niederösterreich regeln soll, reichen zwei Zonen im Süden bis in unmittelbare Nähe heran: Die Zone IN12 (Gemeinde Scharndorf) grenzt mit weniger als einem Kilometer Abstand an die Haslauer-Regelsbrunner Au, eines der hochwertigsten Augebiete des Nationalparks. Ähnliches gilt für den nördlichen Teil der Zone IN14 (Petronell) – weniger als 300 Meter entfernt von der Petroneller Au, einem schutzwürdigen Gebiet, welches seit 1996 als Nationalpark-Erweiterungsfläche vorgesehen ist.
Um negative Auswirkungen auf die Vogelwelt zu beschränken, wurde von Birdlife Österreich eine Mindestpufferzone von zwei Kilometern zum sensiblen Augebiet gefordert. Diese wird jedoch laut aktuellem Verordnungs-Entwurf nur nördlich der Donau berücksichtigt. „Besonders gefährdete Greifvögel wie Kaiseradler oder Rotmilan, aber auch der Seeadler sind durch die bis in Höhen von 300 Meter reichenden Rotoren der Windräder in ihrer Flugbahn gefährdet“, bringt Gábor Wichmann, BirdLife Windkraft-Experte die Lage für den Vogelschutz auf den Punkt. Gerade die Vorlandflächen des Nationalpark Donau-Auen werden aber von den seltenen Greifen zur Nahrungssuche genutzt. „Genaue wissenschaftliche Untersuchungen sind daher in Bezug auf die Vogelvorkommen hier notwendig. Die Überprüfungen im Rahmen des normalen UVP Verfahrens reichen da nicht aus“, so Wichmann.
Ohne ausreichende Sicherheitsabstände sind Auswirkungen von Windkraftanlagen auch auf das großräumige Wanderverhalten von Wildtieren wie Rothirsch, Luchs oder Wildkatze zu erwarten – etwa im Bereich des Alpen-Karpaten-Korridors bzw. beim Wildwechsel zwischen Donau-Auen und Ellender-Rohrauer-Wald, ergänzt der WWF Österreich. „Investitionen in Lebensraum-Vernetzung und Grünbrücken über die Autobahn dürfen nicht durch schlecht geplante Windkraftanlagen konterkariert werden“, erklärt WWF-Experte Bernhard Kohler. „Bei der Engstelle Ellender Wald wäre genau dies der Fall: Der nächtliche Schattenwurf der Rotoren irritiert die Auhirsche, die aus den Donau-Auen ins Leithagebirge wechseln wollen. Für diese scheuen Wildtiere wirkt die Windkraftanlage fast wie ein unpassierbarer Zaun.“
Über die negativen Effekte auf die Tierwelt hinausgehend, haben Windkraftanlagen an der südlichen Geländekante entlang der Donau auch Auswirkungen auf den Erholungswert und das Naturerlebnis im Nationalpark. Durch den erhöhten Standort sind sie nicht nur bis weit ins Marchfeld hinein sichtbar, sondern prägen auch von der Donau aus das Blickfeld. „Dadurch betroffen sind die Boots-Exkursionen, die mit Ende März wieder gestartet sind und unseren BesucherInnen einen Eindruck vom Wesen des Flusses vermitteln sollen. Ebenso das besonders beliebte Gebiet der Orther Inseln sowie die Haslauer Au, wo noch die Reste einer natürlichen Flusslandschaft zu erfahren sind. Werden wir in Zukunft noch imstande sein, die Erwartungshaltung der Gäste an einen Nationalpark annähernd erfüllen zu können, wenn sie ständig großtechnische Anlagen vor Augen haben?“, fragt Nationalparkdirektor Carl Manzano.
Die Naturschutz-Organisationen BirdLife bzw. WWF Österreich und die Nationalpark GmbH bekennen sich zur Nutzung der Windkraft als erneuerbare Energiequelle. Allerdings müssen die dafür geeigneten Flächen sorgfältig definiert werden, um Schäden für den Naturschutz zu vermeiden und Planungssicherheit für die Investoren zu schaffen. An Raumordnung und Regionalpolitik ergeht der Appell, bei der weiteren Entwicklung der Windkraftnutzung in Niederösterreich konsequent einen Mindestabstand von zwei Kilometern zum Nationalpark Donau-Auen und den angrenzenden schutzwürdigen Augebieten einzuhalten – für die sensible Tierwelt ebenso wie die erholungssuchenden Menschen.
Rückfragen:
Mag. Bettina Klöpzig, BirdLife Österreich, bettina.kloepzig@birdlife.at, www.birdlife.at
Mag. Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen, Tel.: 02212/3450-26, e.dorn@donauauen.at, www.donauauen.at
Claudia Mohl, WWF Österreich, Tel. 1/48817-250,claudia.mohl@wwf.at,
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