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Wolf, Luchs und Bär würden Europa wählen!
Wien, 24. Mai 2019 – Der WWF Österreich und seine Projektpartner präsentieren den Bericht „European Perspectives on Coexistence with Large Carnivores“. Dieser zeigt Perspektiven von Menschen aus ganz Europa, sowie Chancen und Herausforderungen im Umgang mit großen Wildtieren auf. Lösungsvorschläge für damit einhergehende Konflikte werden vorgestellt.
Als Grundlage für den Bericht wurden im Rahmen des EU LIFE-Projekts EuroLargeCarnivores von Juni bis Dezember 2018 Runde Tische und Interviews mit Landwirten, Forstwirten, Jägern, Naturschützern, Forschern, sowie Vertretern von Behörde und Politik in 14 Europäischen Ländern durchgeführt. Die Vertreter der wichtigsten Interessensgruppen, die mit großen Beutegreifern wie Bär, Luchs, und Wolf arbeiten und leben, formulieren klare Forderungen an Politik, Medien und Verbände: Umfangreiche und unbürokratische Unterstützung beim Schutz von Nutztieren vor Angriffen durch große Beutegreifer; praxistaugliche Kompensationsmechanismen im Schadensfall und ehrliche, aktuelle und sachliche Information und verbesserte Kommunikationswege. Außerdem könnten regionale Plattformen zum besseren Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen beitragen und die Verständigung zu erfolgreichen Ansätzen und Instrumenten zur Verhütung und Entschärfung von Konflikten verbessern.
Dazu Silvia Nietlispach, Expertin für große Beutegreifer beim WWF Österreich: „Wir hören ständig davon, dass weltweit jede Woche Arten verschwinden. Dank strenger Schutzbestimmungen kehren einstmals zurückgedrängte, teils vom Aussterben bedrohte Arten nach Europa zurück. Ich bin davon überzeugt, dass ein Zusammenleben funktionieren kann. Entscheidend für die Entschärfung von Mensch-Wildtier-Konflikten ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen, ein Blick über ideologische und nationale Grenzen hinaus.“
Der WWF Österreich fordert dazu – auch in Hinblick auf die anstehenden EU-Wahlen – weiterhin ein klares Bekenntnis zu den europäischen Naturschutzrichtlinien und dem strengen Schutz großer Beutegreifer: Sie sind Teil der europäischen Identität und bereichern unsere Ökosysteme. Außerdem braucht es laut WWF eine Vereinfachung von Förderregularien: Zwar gibt es Möglichkeiten für die Mitgliedsstaaten und Bundesländer, Förderungen für Herdenschutzmaßnahmen über EU-Mittel zu beantragen, doch zum Teil sind hohe bürokratische Hürden wie komplizierte Förderanträge- und Fristen oder Deckelungen der Förderungssumme für einzelne Betriebe zu überwinden.
Hintergrund
Über Jahrhunderte waren große Beutegreifer in vielen Ländern Europas fast ausgestorben, doch insbesondere dank europäischer Naturschutzrichtlinien, kehren sie vielerorts zurück. Dort, wo sie sich (wieder) ausbreiten, werden schnell Rufe nach Obergrenzen, Schutzzonen und Abschüssen laut. Nach Schätzungen der Large Carnivore Initiative for Europe leben in der EU rund 14.000 Wölfe, 16.000 Bären, 9.000 Luchse und 800 Vielfraße, die sich über Ländergrenzen hinweg ausbreiten.
In Österreich dürften sich rund 30 Wölfe und 15 erwachsene Luchse aufhalten. Vielfraße sind in Österreich nicht heimisch.
Erst am Mittwoch hatte der WWF Österreich ein Bundesländer-Ranking zum Umgang mit ausgewählten streng geschützten heimischen Wildtieren vorgelegt. Darin wird festgestellt, dass der Artenschutz – bis auf wenige Ausnahmen – völlig unzureichend ist und in vielen Fällen europäische und internationale Standards verfehlt. Der WWF-Artenschutz-Check analysiert dabei das Management von Wolf, Seeadler, Luchs, Fischotter und Biber. Diese Arten wurden ausgewählt, weil sie für Ökosysteme besonders wichtig sind. „In allen Österreichischen Bundesländern gibt es erhebliche Defizite. 31 der insgesamt 35 Bewertungen zum Management der untersuchten Arten fallen in die Kategorie schlechte bzw. mangelhafte Umsetzung“, subsummiert Nietlispach das Ergebnis.
Über den Bericht
Der Bericht „European Perspectives on Coexistence with Large Carnivores“ hält die Perspektiven der verschiedenen Stakeholder, sowie Herausforderungen und Lösungsmodelle zum Management großer Beutegreifer, fest. Dafür wurde ein Prozess mit breiter Beteiligung entwickelt, der Befragungen und Workshops aus 14 Ländern und vier Schwerpunktgebieten beinhaltet. Ziel ist, diese Erkenntnisse zu nutzen um die Koexistenz von Mensch und großen Beutegreifern in Europa zu verbessern.
Informationen zum Projekt
In einigen europäischen Gegenden leben sie seit Jahrhunderten, in andere Länder kehren sie derzeit zurück: geschützte Beutegreifer wie Braunbär, Wolf, Luchs und Vielfraß. Das von der EU geförderte Projekt LIFE EuroLargeCarnivores setzt sich dafür ein, die gemeinsamen Lebensräume von Wildtieren und Menschen unter Berücksichtigung aller Interessen zu gestalten. Dafür vernetzen sich mehr als 16 Länder, bündeln das vorhandene Wissen und tauschen sich grenzübergreifend aus. 16 Partner, darunter der WWF Österreich, kooperieren mit zahlreichen Verbänden, Organisationen und Institutionen, um Konflikte in verschiedenen Regionen zu reduzieren und bestehende Ansätze europaweit bekannt zu machen.
Download des Berichts (Englisch): EuroLargeCarnivores (2019) European Perspectives on Coexistence with Large Carnivores. A Summary of Regional Stakeholder Perspectives on Managing Human Large Carnivore Conflicts: Challenges and Solutions.
https://www.eurolargecarnivores.eu/en/news/european-perspectives-on-large-carnivores
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl
Pressestelle WWF
Tel.: 01/48817-250
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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