Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
WWF an Land Niederösterreich: Informationspaket schnüren, statt Ängste schüren!
– Österreichs erstes Bundesland mit Wolfsfamilie hinkt bei Beratung und
Herdenschutz hinterher
– Landwirte brauchen echte Unterstützung statt markiger Sprüche und
Nebelgranaten
– Gefährlichkeit des Wolfes wird stark übertrieben
Presseaussendung
Wien, 22. August 2018 – Angesichts der jüngsten Vorfälle in den Bezirken Zwettl und Gmünd fordert der WWF die Niederösterreichische Landesregierung und allen voran LH-Stv. Stephan Pernkopf auf, die Informations-Hoheit von den Stammtischen zurückzuerobern und Unsicherheiten unter der Bevölkerung auszuräumen. „Sachlich zu informieren und aufzuklären ist keine Fleißaufgabe, sondern zwingende Pflicht der Behörde!“, erinnert Christian Pichler vom WWF. Für ihn ist gut verständlich, dass man vor Ort durch die Vorfälle der letzten Wochen beunruhigt ist, doch: „Nicht der Wolf ist gefährlich, sondern das unverantwortliche Schüren von Ängsten durch manche Politiker und Interessensvertreter!“, stellt der Experte klar.
Schreckschüsse als Schnellschüsse und Nebelgranaten
Wenn überhaupt, dann sind Gummigeschoße oder Schreckschüsse gegen Wolfsschäden nur dann erfolgreich, wenn sie in Kombination mit Herdenschutz angewendet werden. Für den WWF handelt es sich dabei um reine Ablenkungsmanöver, die von den Versäumnissen des Landes NÖ und der Landwirtschaftskammer ablenken sollen. Pichler kritisiert: „Seit Jahren schleicht Niederösterreich um den Herdenschutz herum wie die Katze um den heißen Brei. Das gehört endlich forciert! Die betroffenen Nutztierhalter verdienen unser Mitgefühl, denn der Anblick von verletzten oder toten Weidetieren ist auch eine emotionale Belastung. Genau das sollte den Behörden ein Ansporn sein, Übergriffe auf Weidetiere mit den entsprechenden Maßnahmen vermeiden zu helfen!“
Geld in sachliche Information, Aufklärung und Beratung investieren
Die finanziellen Mittel dafür dürften vorhanden sein. Statt dem WWF ausrichten zu lassen, er möge Zäune zahlen, wenn er auf die Einhaltung bestehender Gesetze pocht, wäre zu hinterfragen, wohin die öffentlichen Gelder bzw. Kammerumlagen geflossen sind, die für gesetzlich vorgeschriebene Beratungsleistungen der landwirtschaftlichen Bevölkerung gedacht waren. So stellte der Bund allein zwischen 2008 und 2013 der NÖ Landwirtschaftskammer jährlich rund 58 Berater und einen Betrag von rund 1,73 Mio. Euro für Beratungsleistungen zur Verfügung, wie aus einem 2015 veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes hervor geht. „Angesichts solcher Summen könnte man schon ein Mindestmaß an Beratungsleistung in Sachen Wolf erwarten, wie es der Wolfsmanagementplan, der unter anderem unter Mitwirkung des Landes und der Landwirtschaftskammer selbst erarbeitet wurde, fordert. Vom WWF selbst wurden im Übrigen weit mehr Mittel in ein konfliktarmes Miteinander von Mensch und Wolf investiert, als für Wölfe gespendet wurde.
Niederösterreich gehört zu den Schlusslichtern in Österreich
Fakt ist, dass sich in Niederösterreich betroffene Landwirte derzeit nicht einmal Basis-Informationen auf der Website des Landes holen können – und das, obwohl das Bundesland seit zweieinhalb Jahren das erste und bisher einzige heimische Wolfsfamilie beherbergt und bereits seit sechs Jahren die Grundlagen für ein Wolfsmanagement in Österreich vorliegen.
Nord- und Südtirol, Salzburg und die Steiermark gehen beim Herdenschutz voran
So wurde in Tirol jüngst eine Steuerungsgruppe eingerichtet, die Maßnahmen zum Schutz von Tieren auf Almen und Weiden erarbeiten und erproben wird. Südtirol fördert Herdenschutzzone mit acht Euro pro Laufmeter, wobei auch die Arbeitsleistung für den Landwirt mit abgegolten wird. Ein Herdenschutzzaun kostet pro Meter rund zwei Euro. In Salzburg gibt es neben zahlreichen Informationen auf der Website des Landes und Förderungen für Herdenschutzmaßnahmen (35 Euro für 50 Meter Herdenschutzzaun) sogar einen eigenen Wolfsbeauftragten. In der Steiermark wurde eine Dialoggruppe Wolf eingerichtet, die demnächst Herdenschutzprojekte in Österreich besichtigen wird.
Rotkäppchen lebt: Gefährlichkeit von Wölfen wird stark übertrieben
Zur angeblichen Gefährlichkeit von Wölfen ist zu sagen, dass in Österreich durchschnittlich 258 Personen pro Jahr durch Wildunfälle verletzt werden, zwei sogar tödlich. 1500 Unfälle ereignen sich jährlich bei Wald- und Holzarbeiten. 7200 Verletzte und 267 Tote gab es 2016 auf Österreichs Bergen zu beklagen. Im selben Jahr kam es zu 3.100 spitalsbehandelten Verletzungen durch Hundebisse. Trotz wachsender Wolfsbestände etwa in unseren Nachbarländern Schweiz (3 bis 4 Familien, ca. 50 Wölfe) und Deutschland (60 Rudel, ca. 500 Wölfe) kam es in den letzten 20 Jahren zu keiner einzigen gefährlichen Situation zwischen Mensch und Wolf.
„Wer sich derart vor Bedrohungen fürchtet, dürfte in kein Auto steigen, keine elektrischen Geräte einschalten, keine Maschinen bedienen und so weiter“, so Pichler. Das gesellschaftliche Problem das es zu lösen gilt, hat nichts mit der Gefährlichkeit des Wolfes zu tun, sondern es geht in erster Linie um das Treffen von Vorsorgemaßnahmen, damit Schäden für die Nutztierhalter vermieden werden. Die Behörden haben ihrer gesetzlichen Informationspflicht nachzukommen und dürfen die Bauern mit der natürlichen Rückkehr der Wölfe nicht im Regen stehen lassen, fasst Pichler abschließend zusammen.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Auswilderungsprojekt: Tiroler Wisent-Kuh „Ina” erfolgreich im Kaukasus freigelassen
Naturschutzorganisation siedelt Wildrinder in ihrer Heimat Aserbaidschan an – Kuh „Ina” aus Innsbruck ist eines von 18 Tieren – WWF: „Paradebeispiel für internationalen Artenschutz”
Stromanbieter-Check: TIWAG fällt bei Stromanbieter-Check durch
129 heimische Stromanbieter von WWF und GLOBAL 2000 analysiert – TIWAG aufgrund von mangelnder Transparenz und fehlender naturverträglicher Strategie nur auf Platz 116
Stromanbieter-Check: Wenige Vorreiter, viel Intransparenz
WWF und GLOBAL 2000 analysieren 129 heimische Stromanbieter: Nur drei Vorreiter gekürt, schlechtes Zeugnis für viele Landesenergieversorger
Tiwag-Talschaftsverträge: WWF fordert Reformen statt heimlicher Absprachen
Geheime Vereinbarungen erst nach Gerichtsbeschluss offengelegt – WWF fordert volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und neue Spielregeln für künftige Verträge
Good News: Neues Jahr bringt Fangverbot für Störe in Bulgarien
Bulgarien hat ein dauerhaftes Fangverbot für Störe in der Donau und im Schwarzen Meer eingeführt. Der WWF Bulgarien spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Treibhausgas-Bilanz: WWF warnt vor drohendem Verfehlen der Klimaziele
Ausblick negativ, Österreich nicht auf Kurs für 2030 und 2040 – Verfehlen der Klimaziele wäre „politisches Debakel der Sonderklasse“
WWF zum Ableben von Andreas Pataki
Früherer Bürgermeister von Marchegg und langjähriger Partner im WWF-Auenreservat Marchegg verstorben – WWF würdigt Lebenswerk und Einsatz für Natur
Good News: Abkommen als Meilenstein für Meeresschutz
Das neue Jahr läutet eine neue Ära der Meerespolitik ein: Durch das internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See gibt es nun endlich Regeln für zwei Drittel der globalen Meeresfläche.












