Geplante Erweiterung in Kronstorf verschärft Druck auf Böden und Wasser der Region – WWF verlangt volle Transparenz und verbindliche Auflagen von Landesregierung
WWF: Donau-Auen Jubiläum ist Freudentag für Österreichs Natur
Presseaussendung WWF
Wien, am 20. Oktober 2016 – Fast genau 20 Jahre nach der Gründung des Nationalparks Donau-Auen am 27. Oktober 1996, verkündeten heute Umweltminister Andrä Rupprechter sowie die Landeshauptleute Erwin Pröll und Michael Häupl die Erweiterung des Nationalparks um weitere Auengebiete. Die Einbeziehung von Teilen der Petroneller Auen und einer Fläche bei Fischamend in den Nationalpark Donau-Auen wertet der WWF als großen und wichtigen Schritt. „Nach 20 Jahren nähert sich der Nationalpark endlich der magischen Grenze von 10.000 Hektar – ein Meilenstein, zu dem wir herzlich gratulieren“, freut sich Andrea Johanides, Geschäftsführerin des WWF Österreich. Wichtige Zukunftsthemen sind nun die Komplettierung des Gesamtgebietes durch nachfolgende Erweiterungen sowie großzügige Flussrückbauten und erhöhte Geschiebezugaben, um die Sohleintiefung und somit die weitere Austrocknung der Au zu stoppen.
Die Entwicklung des Nationalparks Donau-Auen wertet der WWF als Erfolgsgeschichte. Der Seeadler ist als Brutvogel zurückgekehrt und auch der Schwarzstorch ist wieder häufiger anzutreffen. Profitiert hat auch der Biber. Während er im angrenzenden Marchfeld und in den Flüssen und Gewässern Niederösterreichs oft wieder gnadenlos verfolgt wird, findet der tierische Landschaftsgestalter im Nationalpark ein sicheres Refugium. Folgenschwere Naturverluste im Umfeld, wie etwa durch die S1 und die S8 und zahlreiche Windparks, verdeutlichen die wichtige Rolle eines intakten und starken Nationalparks.
Mit der heute verkündeten Eingliederung der neuen Auengebiete ist ein Markstein in der Entwicklung des Nationalparks geschafft. Mit weiteren 277 Hektar wächst der Nationalpark deutlich und nähert sich der im Gründungsdokument festgelegten Fläche von 11.500 Hektar an. „Wir sind zuversichtlich, dass die noch fehlenden Erweiterungen stromab von Wien nicht wieder 20 Jahre auf sich warten lassen“, unterstreicht Johanides den Handlungsbedarf für die Zukunft.
Der Schutzkauf der 411 Hektar großen Regelsbrunner Au durch den WWF schuf 1989/1990 die Voraussetzung für die spätere Gründung des Nationalparks Donau-Auen. Unglaubliche 120.000 ÖsterreicherInnen folgten damals dem WWF-Aufruf, spendeten für die Aktion „Natur Freikaufen“ und sicherten somit diese wichtige Fläche vor dem Zugriff durch die Wasserbaulobby – die damalige Donaukraft, heute VERBUND. Denn fünf Jahre nach der geschichtsträchtigen Hainburger Aubesetzung im Dezember 1984 schwelten immer noch Pläne für die Errichtung eines Donaukraftwerks östlich von Wien. Der Besitz des Auenanteils war ein bedeutender Schritt, um als Anrainer Parteienstellung bei solch einem Bauvorhaben zu erlangen. 1996 wurde der Nationalpark schließlich offiziell mit 9.300 Hektar, im Wesentlichen auf den Flächen der Österreichischen Bundesforste, der Stadt Wien und des WWF gegründet.
Noch mehr Platz für die Natur
Seither ist viel passiert und in weiten Teilen des Nationalparks konnte sich eine natürliche Fluss- und Auwaldlandschaft entwickeln. Aus den ehemals monotonen Hybridpappelforsten werden langsam wieder naturnahe Auwälder mit standorttypischen Bäumen. Nicht nur intakte Auwälder, auch die rückgebauten und natürlichen Donauufer spielen eine große Rolle für die Artenvielfalt und für den ökologischen Hochwasserschutz. „Heute ist unbestritten, dass die Entscheidung gegen das Kraftwerk Hainburg und für die Au die richtige war“, erklärt Johanides abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zur Roten Liste: Artensterben reicht von der Tiefsee bis in die Wüste
Neue Daten zeigen Bedrohung durch Tiefseebergbau, Industrieprojekte und invasive Arten – WWF fordert mehr Schutzgebiete und Stopp für riskante Naturzerstörung
Tiefseebergbau gefährdet globale Sicherheit, Klima und Artenvielfalt – WWF fordert Moratorium
Internationale Konferenz berät über Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee Ende Juli – Neue Studie beschreibt globale Negativ-Folgen durch Zerstörung artenreicher Tiefsee-Lebensräume – WWF fordert Stopp der Abbaupläne
WWF warnt: Viele Flüsse gehen mit Niedrigwasser in den Hochsommer
An rund 85 Prozent der Pegel lagen die Juni-Abflüsse unter dem langjährigen Mittel – Hohe Wassertemperaturen verschärfen Lage für Fische und Gewässerlebensräume
WWF warnt vor Tabubruch im Lech-Schutzgebiet
Wasser aus intaktem Namloserbach im Natura-2000-Gebiet soll großteils abgeleitet werden – WWF sieht Genehmigungsfähigkeit höchst fraglich und fordert E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf
Tiwag-Gehälter: WWF fordert neue Strategie für Landeskonzern
Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge zeigt großen Reformbedarf bei Transparenz, Gemeinwohl und Naturverträglichkeit
Invasive Arten im Mittelmeer: WWF warnt vor Folgen für Artenvielfalt, Fischerei und Tourismus
Hasenkopf-Kugelfisch, Rotfeuerfisch, blaue Schwimmkrabbe & Co. bedrohen Mittelmeer-Lebensraum – WWF fordert: Natürliche Feinde wie Haie, Rochen und Oktopusse besser schützen; Überfischung stoppen; Meeresschutz ausweiten
WWF-Analyse: Untere Lobau fehlt im Renaturierungsatlas für Gewässer
Ausgerechnet eines der wichtigsten Sanierungsgebiete im Nationalpark Donau-Auen ist bisher nicht ausgewiesen – WWF sieht kritische Lücke und fordert Nachmeldung durch Wien und Niederösterreich beim Umweltministerium
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert













