Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
WWF fordert Stopp des Tiroler Seilbahnprogramms
Innsbruck, 2. November 2018. „Das neue Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm ist ein umweltschädlicher Turbo für neue Großprojekte und würde den Bodenverbrauch weiter befeuern“, warnt die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF Österreich anlässlich der heute, Freitag, endenden Begutachtungsphase für den von der Tiroler Landesregierung vorgelegten Plan. In seiner Stellungnahme fordert der WWF die Rücknahme des Entwurfs sowie die Entwicklung eines neuen Programms, das verbindliche Endausbaugrenzen festlegt. „In seiner aktuellen Fassung gefährdet das Seilbahn-Programm wertvolle Landschaftsräume und bevorteilt einseitig die Wirtschaft auf Kosten der Umwelt. Die Seele der Alpen droht Stück für Stück an die Seilbahnwirtschaft verkauft zu werden“, kritisiert WWF-Experte Josef Schrank.
„Das von der Politik versprochene ‚Verbot von Neuerschließungen‘ ist in Wahrheit ein Etikettenschwindel Tatsächlich würden großflächige seilbahn- und schitechnische Erweiterungen in unerschlossene Landschaftsräume ermöglicht. Damit blüht Tirol ein Schicksal als Großraumskigebiet“, kritisiert der Landschaftsökologe Schrank. Künftig soll ein Zusammenschluss von Skigebieten bis zu zwei Gebirgskämme, ein Tal und einen Bergrücken neu beanspruchen können. Analysen des WWF und des Alpenvereins zeigen, dass damit Naturräume grundsätzlich seilbahn- bzw. schitechnisch erschließbar würden, die weit mehr als das Doppelte der derzeitigen Schigebietsfläche Tirols umfassen. Mehr als vier Prozent der noch vorhandenen alpinen Freiräume in Tirol könnten dadurch verloren gehen.
„Aufgrund der hohen Skigebietsdichte könnten mehr als die Hälfte der aktuell räumlich getrennten Skigebietszonen grundsätzlich einen Zusammenschluss vollziehen. Unabhängig anderer relevanter Voraussetzungen drohen damit neue gigantische Großraumskigebiete“, sagt WWF-Experte Schrank. Berücksichtigt sind dabei nur die Änderungen zu Zusammenschlüssen, dazu kommen aber noch weitere mögliche Erweiterungsmaßnahmen. „Der Entwurf verstärkt die einseitige Abhängigkeit vom Skitourismus, verbaut Investitionschancen in umweltschonende und zukunftsfähige Tourismusmodelle und widerspricht damit den Interessen der Allgemeinheit“, so Schrank.
Seele der Alpen schützen statt ausbeuten
Jeder Hektar und jeder öffentliche Euro, der heute noch in den weiteren großflächigen Ausbau von Skigebieten investiert wird, gefährdet wichtige Naturressourcen und hat fatale ökologische Folgen. „Allein schon aufgrund der zunehmenden Umweltkrisen muss der Schutz der letzten ursprünglichen Natur- und Kulturlandschaftsräume oberste Priorität haben“, bekräftigt WWF-Experte Schrank unter Verweis auf die Petition „Rettet die Seele der Alpen“. Darin fordern WWF, Alpenverein und Naturfreunde gemeinsam mit aktuell über 20.000 Unterstützerinnen und Unterstützen den Erhalt der letzten unberührten Naturräume. (www.seele-der-Alpen.at)
Die detaillierte WWF-Stellungnahme zum Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm ergeht heute an das zuständige Amt der Tiroler Landesregierung, die Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht sowie an Landeshauptmann Günther Platter und Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe.
Rückfragehinweis und Kontakt:
Josef Schrank, Landschaftsökologe WWF Österreich
Mobil: +43 676 83488 299 / E-Mail: josef.schrank@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten
WWF-Erfolg: Wisente erfolgreich im Kaukasus ausgewildert
Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
Aschermittwoch: WWF empfiehlt heimischen Bio-Fisch als Alternative zu Hering und Co
Weltmeere drastisch überfischt – Nordatlantische Heringsbestände in kritische Bereiche gesunken – 92 Prozent des konsumierten Fischs in Österreich importiert













