Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
WWF-Jugendinitiative startet 150 Kilometer-Wanderung gegen Naturzerstörung
Wien, Rosenburg. Generation Earth, das Jugend-Netzwerk des Umweltverbandes WWF, bricht von 6. bis 18. August zum Riverwalk 2018 auf. Bereits zum fünften Mal finden dabei engagierte junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren zusammen, um bei einer gemeinsamen Wanderung eigenes Wissen zu erweitern und ein Zeichen für Naturschutz zu setzen. Die diesjährige Route entlang des Kamp in Niederösterreich ist politisch brisant, droht doch auf der Höhe von Rosenburg der Bau eines neuen Wasserkraftwerks. Seitdem die Pläne bekannt wurden, formiert sich breiter Widerstand in der Region. AnrainerInnen kritisieren unter anderem die Unverhältnismäßigkeit: Für die Energieversorgung Österreichs spielen so kleine Anlagen wie am Kamp kaum eine Rolle. Die aktuelle Stromerzeugung entspricht in etwa der Leistung eines einzelnen Windrades. Dafür werden aber massive ökologische Verschlechterungen in Kauf genommen. Der Riverwalk informiert die TeilnehmerInnen über Flora und Fauna der Region, schildert die Konflikte rund um den Kraftwerksbau und thematisiert die negativen Auswirkungen von starker Flussverbauung.
„Abgesehen vom Reiz, zwei Wochen lang mit Gleichgesinnten die Natur zu erleben, steht auch Bewusstseinsbildung bei uns stets im Mittelpunkt“, erklärt Nathan Spees, Programmkoordinator von Generation Earth. „Unser Ziel ist es, junge Menschen im Natur- und Umweltschutz auszubilden und sie darin zu bestärken, selbst aktiv zu werden und ihr Wissen ihrerseits weiterzugeben.“ Entlang der Wanderroute am Kamp informieren ExpertInnen über Flussläufe, Gewässerschutz und die Kontroverse um Kleinwasserkraftwerke. Dazu kommen Aktivitäten im Bereich Teambildung oder Konfliktlösung sowie inhaltliche Workshops. Im Zusammenhang mit dem Kraftwerksneubau Rosenburg verfassen die TeilnehmerInnen Zeitungsartikel für lokale Medien im Sinne eines konstruktiven Beitrags in der politischen Debatte.
Wandern für die EU-Wasserrahmenrichtlinie
Neben dem Kraftwerksbau am Kamp legt der Riverwalk 2018 einen starken Fokus auf das übergeordnete Thema Gewässerschutz. „60 Prozent von Österreichs Flüssen sind in keinem guten Zustand und gelten als sanierungsbedürftig. Nur 15 Prozent sind ökologisch intakt. Dennoch steht mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie das wichtigste Schutzinstrument auf europäischer Ebene auf dem Prüfstand und droht abgeschwächt zu werden“, kritisiert WWF-Gewässerexpertin Bettina Urbanek und begrüßt das Engagement der Riverwalk-TeilnehmerInnen: „Angesichts der drohenden Verschlechterung durch den aktuell stattfindenden Fitness-Check der EU-Kommission ist es wichtiger denn je, dass sich Menschen in ganz Europa für den Erhalt unserer Flusslandschaften stark machen. Unsere Bundesregierung sollte sich ein Beispiel an den wandernden Jugendlichen nehmen und sich gegen eine Aufweichung der EU-Wasserrahmenrichtlinie aussprechen.“
Der Riverwalk 2018 beginnt an der Quelle des Kamp im Grenzgebiet von Ober- und Niederösterreich. Die Route führt über 150 Kilometer entlang des Flusses, durch Zwettl, vorbei an den großen Stauseen zum geplanten Kraftwerk in Rosenburg und weiter nach Gars am Kamp. Die letzte Etappe wird mit dem Rad zurückgelegt. Nahe Krems, an der Mündung des Kamp in die Donau, endet die Wanderung.
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan, WWF-Pressesprecher, Tel. 0676/83 488 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
Bettina Urbanek, Gewässerexpertin WWF Österreich, Tel. 01/48817-275, E-Mail: bettina.urbanek@wwf.at
Nathan Spees, Programmkoordinator Generation Earth, Tel. 01/48817-305, E-Mail: nathan.spees@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Finn ist neuer WWF-Naturschutzhund
Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Neuer WWF-Spürhund Finn soll illegale Wildtiertötungen aufdecken
Schäferhund-Mischling unterstützt Polizei-Ermittlungen durch Suche nach Tierkadavern und Giftködern – Einsätze vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark
WWF-Analyse: Zu wenig Bodenschutz bei neuen Betriebsgebieten
Bodenschutz bei Betriebsgebieten: Alle neun Bundesländer fallen im WWF-Check durch – Täglich fast zwei Fußballfelder zusätzlich beansprucht – WWF fordert Ende des Wildwuchses – LÄNDER-ZEUGNIS im Detail
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele
Globale Halbzeitbilanz zeigt unzureichende Umsetzung – WWF fordert wirksame Maßnahmen und gesicherte Finanzierung, auch in Österreich – COP17-Konferenz startet am Montag
Klimastreik: WWF fordert Notfall-Programm für Klima und Natur
Umweltschutzorganisation verlangt verbindliches Klimagesetz und wirksamen Renaturierungsplan – Natürliche Schutzmaßnahmen stärken, fossile Großprojekte stoppen
Sanierungsoffensive: WWF sieht zu wenig Schub für die Wärmewende
Umweltschutzorganisation bewertet Regierungspaket als „sinnvollen, aber zu schwachen Impuls“ – WWF fordert mehrjährige Sanierungsförderung und verbindlichen Zeitplan für fossilen Heizungsausstieg
WWF: Nationaler Renaturierungsplan lückenhaft und ambitionslos
Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
WWF-Städtecheck: Große Lücken bei Stadtbegrünungsplänen
14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder












