Höchstgericht bestätigt fehlende Rechtskonformität von Abschuss-Verordnungen für geschützte Tierarten – Ende der pauschalen Tötungen gefordert
WWF: Kleinwasserkraft überflutet Oberösterreich
Linz, 11. August 2009 – Steile Schluchten, ausgedehnte Auen und offene Schotterbänke: So naturnah präsentieren sich Oberösterreichs Fließgewässer nur noch an wenigen Stellen. Bereits über 90 Prozent von ihnen sind begradigt, eingestaut und ins Korsett gezwängt. „Flüsse und Bäche sind wie die Finger einer Hand, die nur funktionsfähig ist, wenn alle Finger dran sind“, erklärt Nicole Schreyer, Leiterin des WWF-Alpenprogramms. Auch die Kleinwasserkraft wirkt sich großflächig und deshalb negativ auf unser Flussadernetz aus. Obwohl es in Oberösterreich bereits über 600 Kleinwasserkraftwerke gibt, sollen diese massiv ausgebaut und durch Landesförderung unterstützt werden. Der WWF und die Plattform Flüsse voller Leben kritisierten heute in Linz den massiven Ausbaudruck der Kraftwerkslobby in Oberösterreich. Sie treten für den dauerhaften Schutz der letzten freien Fließstrecken ein und laden die Linzer zum Besuch des Flussrätselzeltes und des Flüsse-Herzes am Taubenmarkt ein.
Oberösterreich hat sein Wasserkraft-Potential bereits zu 90 Prozent ausgeschöpft und liegt gemeinsam mit Niederösterreich bundesweit an der Spitze. „Donau, Inn und Enns sind in Oberösterreich bereits zu 100 Prozent ausgebaut. Von den verbleibenden Fließwasserstrecken ist etwa die Salzach in Oberösterreich zur Gänze als Schutzgebiet einzustufen und für Kraftwerkspläne tabu“, betont Karl Frais, Bundesvorsitzender der Naturfreunde Österreichs. Klar sei, dass nicht unter dem Deckmantel des Klimaschutzes die letzten natürlichen Flusslandschaften verbaut werden dürfen. „Wasserkraft ist erneuerbar, aber unsere letzten freien Flusslandschaften sind es nicht“, so der Naturfreunde-Vorsitzende.
Flüsse und Bäche dienen nicht nur der Energiegewinnung, sondern erfüllen viele weitere Funktionen. Natürliche Flusslandschaften sind wertvolle Lebensräume; sie dienen dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung und der Erholung.

Die Koppentraun bietet zum Beispiel in weiten Bereichen noch ein Naturerlebnis höchster Güte und zieht jedes Jahr tausende Wassersportler aus dem In- und Ausland an. Unverbaute Flussabschnitte wie diese dürfen nicht unsinnigen, unrentablen und Natur zerstörenden Kraftwerksplänen geopfert werden. “Schon in der Vergangenheit haben wir Kajakfahrer und Kanuten gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist, wenn es den letzten naturnahen und natürlichen Flüssen an den Kragen gehen soll“, sagt Peter Feldhammer von kajak.at. „Jetzt sind wir wieder gefordert, die Oberösterreichischen Flüsse gegen den Ausbauwahn der Energiekonzerne zu verteidigen.“
Wasserkraft stillt nur Stromhunger der nächsten Jahre
„Selbst wenn man das vorhandene Restpotential der Wasserkraft in Österreich zur Gänze ausbauen würde, wäre der Zugewinn an Energie schon in fünf bis sechs Jahren allein durch den jährlichen Mehrbedarf kompensiert, aber die letzten freien Flussstrecken unwiederbringlich verloren“, sind sich die Partner der Plattform Flüsse voller Leben einig.
Sie rufen deshalb die Oberösterreicher zur Unterzeichnung der Petition auf, die diese Forderungen unterstützt: www.fluesse-voller-leben.at/petition. Für die Petition setzen sich auch zahlreiche Prominente ein.
Allianz für Flüsse voller Leben
Angesichts des drohenden totalen Ausbaus der letzten österreichischen natürlichen Flüsse und Bäche haben sich die größten Naturschutzorganisationen (WWF, Naturschutzbund, Naturfreunde, Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, Fischereiverband, kajak.at und der Alpenverein Edelweiß) zur Plattform Flüsse voller Leben zusammen geschlossen. Das Ziel der Plattform ist der gesetzlich verbindliche Schutz der Flüsse.
Der WWF und seine Partner treten für Effizienzsteigerung, Energiesparen, die Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke und den Ausbau anderer Erneuerbarer Energieträger ein. Dadurch sollen auch wesentlich mehr neue Arbeitsplätze geschaffen werden als dies mit dem Ausbau der Wasserkraft möglich ist.
„Herz für Flüsse“ in ganz Österreich
Der WWF tourt in den ersten beiden Augustwochen mit einem Fluss-Infozelt für Eltern und Kinder und einem überlebensgroßen Herz für Flüsse durch alle Landeshauptstädte. Nach Innsbruck, Bregenz, Salzburg, Graz, St. Pölten und Linz endet die Tour am 12. 8. in Klagenfurt.
Rückfragen:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. +43 1 48817 250, Email: claudia.mohl@wwf.at.
Fakten zu Flüssen und Kraftwerksplänen in OÖ, Fotos, Petition, und weitere Pressematerialien:
www.fluesse-voller-leben.at (Presse).
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Klimakrise stellt Budget auf Belastungsprobe
Folgen der Klimakrise sorgen für Schäden in Millionenhöhe – Umweltschutzorganisation fordert konsequenten Klimaschutz und wirksame Klimawandelanpassung statt reiner Symptombekämpfung
Elefanten in der Klimakrise: WWF warnt vor “gefährlichem Cocktail” für Dickhäuter
Dürre, Hitze und extreme Niederschläge verändern den Lebensraum von Elefanten massiv – Suche nach Wasser und Futter zunehmend erschwert – WWF fordert verstärkte Schutzmaßnahmen
Ein Drittel des Tiroler Wolfsbestandes abgeschossen: WWF kritisiert Management des Landes scharf
2026 bereits zehn Wölfe in Tirol getötet – Naturschutzorganisation fordert Ende von Abschüssen als Standardlösung: „Wild sein ist kein Verbrechen“
Fischkonsum im Urlaub: WWF warnt vor Importware und verstecktem Haifisch-Fleisch
Fischgerichte auf Touristenmenüs und Märkten häufig aus Asien und Lateinamerika importiert oder unter irreführenden Namen angeboten – WWF fordert mehr Transparenz und ruft zur Vorsicht beim Fischkonsum auf
Klimakrise offenbart Grenzen der Wasserkraft: WWF fordert vielfältigen Energiemix statt weiterer Flussverbauung
Trockenheit bremst Stromproduktion – Energieversorgung muss klimafit und naturverträglich werden – WWF fordert Energiesparen und Vielfalt beim Ausbau Erneuerbarer Energien
WWF fordert Schutzpaket für heimische Flüsse: Flusspegel auf bisher tiefstem Stand
Juli-Abflüsse an 90 Prozent der Pegel-Messstellen sehr niedrig – Burgenland, Vorarlberg und Niederösterreich besonders betroffen – WWF fordert mehr Gewässerschutz und Renaturierung
Toni Innauer wirbt für den Lech als „Fluss des Jahres“
Tiroler Wildfluss steht beim österreichweiten WWF-Voting zur Wahl – Olympiasieger mobilisiert für den Schutz der letzten naturnahen Flusslandschaften
Klimakrise als Brandbeschleuniger: WWF fordert mehr Tempo bei Waldumbau
Klimakrise erhöht Waldbrandgefahr in Österreich dramatisch – Monokulturen besonders anfällig – WWF fordert Stärkung der Wasserspeicher-Funktion naturnaher Wälder durch “Schwammwald-Offensive”













