7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
WWF kritisiert Wolfs-Abschussforderungen in Salzburg
Wien, Salzburg, 15.07.2019 – Die Naturschutzorganisation WWF Österreich kritisiert die aktuelle Wolfs-Abschussforderung von Salzburgs Agrarlandesrat Josef Schwaiger als rechtlich höchst zweifelhafte Wildwest-Politik. Sollte die zuständige Bezirkshauptmannschaft den Entnahmeantrag bewilligen, wird der WWF rechtliche Schritte dagegen prüfen. "Ein Freibrief für Abschüsse auf Basis willkürlich gewählter Risszahlen widerspricht dem EU-Naturschutzrecht. Bei streng geschützten Arten wie dem Wolf ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob nicht gelindere Mittel wie Herdenschutz oder der Einsatz von Hunden zum Ziel führen. Das wurde in Salzburg nicht ernsthaft versucht", sagt Christian Pichler vom WWF Österreich. "Die Sorgen der Weidetierhalter müssen absolut ernst genommen werden. Aber Büchse statt Herdenschutz ist der falsche Weg. Damit fällt Salzburg nach zuletzt positiven Ansätzen wieder ins Mittelalter des Naturschutzes zurück. Das ist auch im internationalen Vergleich eine blamable Vorgehensweise."
Der WWF-Experte kritisiert die Verantwortlichen scharf: "Erstens wird der Wolf bereits zum Sündenbock für alles gemacht, obwohl großteils noch DNA-Proben fehlen und noch gar nicht klar ist, ob es sich immer um denselben Wolf gehandelt hat. Zweitens wurde seit dem ersten Riss im Mai offensichtlich nichts getan, um den Herdenschutz im Gebiet um Großarl wirksam zu verbessern und konkret vor Ort zu helfen. Wieso kauft Salzburg ’Notfallsets’, setzt sie aber nicht professionell ein?", fragt Pichler. "Der gezielte Einsatz eines fachgerechten und angemessen geförderten Herdenschutzes muss absolute Priorität haben. Andere Länder zeigen vor wie es geht, nur bei uns wird ständig behauptet, das gehe alles nicht. Diese Verweigerungshaltung verschwendet nicht nur wertvolle Zeit und Ressourcen, sondern schadet auch allen Betroffenen."
"Richtig angewendeter Herdenschutz sorgt dafür, dass Wölfe von Beginn an Weidetiere meiden und Wildtiere erbeuten, weil sie sonst einen Stromschlag bekommen oder sie ein Herdenschutzhund vertreibt. In diesem Sinne muss auch mit der im Managementplan festgeschriebenen Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden rasch begonnen werden. Dazu gehört die Suche nach geeigneten Hirten, um diesen traditionellen Beruf wiederzubeleben", sagt WWF-Experte Pichler. Parallel dazu brauche es eine ausgewogene Beratung der Landwirte sowie unbürokratische und ausreichend dotierte Entschädigungslösungen.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák, Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at, +43 676 83 488 276
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz













