Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
WWF: Tiroler Naturschutzgesetz verstößt gegen internationales Recht
Innsbruck, 14.3.2018. – Anlässlich der laufenden Koalitionsverhandlungen fordert der WWF von der künftigen Tiroler Landesregierung eine ambitionierte Umwelt- und Naturschutzpolitik. „Umwelt- und Naturschutz müssen für die neue Landesregierung an erster Stelle stehen. Denn die hohe Lebensqualität Tirols lässt sich nicht durch immer noch mehr Kilowattstunden und Pistenkilometer erhalten. Eine wirklich nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung kann nur in Einklang mit Natur und Umwelt gelingen“, sagt Hanna Simons, die Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung des WWF Österreich. „Die künftige Landesregierung muss für brennende Fragen wie den Klimawandel und die Energie- und Tourismuswende nachhaltige Lösungen finden.“
Besonders wichtig ist eine Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes, das im Jahr 2014 auf Großprojekte der landeseigenen Tiroler Wasserkraft AG TIWAG ausgerichtet wurde. „Die damalige Anlassgesetzgebung widerspricht internationalem Recht wie der Alpenkonvention. Die nächste Tiroler Landesregierung muss dieses Gesetz endlich reparieren und insgesamt den Schutz der einzigartigen Tiroler Natur verstärken“, fordert Simons. Der WWF steht bereit, seine Expertise konstruktiv einzubringen.
Inn-Schutz: Wort des Landeshauptmanns gilt
Ebenfalls beschlussreif ist der Schutz des Landesflusses Inn. „Noch vor der Landtagswahl hat Landeshauptmann Platter öffentlich einen Schutz des Inn vor neuen Kraftwerken zwischen Haiming und Kirchbichl noch vor dem Sommer versprochen. Wir verlassen uns auf sein Wort und gehen daher davon aus, dass diese Verordnung keine Verhandlungssache, sondern ein Fixstarter im nächsten Regierungsprogramm ist“, betont Hanna Simons. Völlig unnötig seien hingegen Zwischenrufe aus verschiedenen Parteien, die den Landeshauptmann zum Wortbruch drängen.
Natura 2000 ambitioniert umsetzen
Ein weiteres zentrales Thema ist die Umsetzung der fehlenden Natura 2000-Gebiete. „Die notwendigen Maßnahmen liegen seit Jahren am Tisch. Daher sollten die Ausweisungen möglichst rasch abgeschlossen werden, unter Beteiligung aller Stakeholder“, fordert die WWF-Expertin. „Jahrelang wurde verzögert und getrickst. Damit muss die neue Landesregierung aufräumen und Natura 2000 endlich korrekt umsetzen.“
Energiewende naturverträglich gestalten: Projekt Kaunertal beenden und auf Energieeffizienz setzen
Endgültig beendet werden sollte das Megaprojekt Kraftwerk Kaunertal. „Dieses Kraftwerk würde wichtige Ökosysteme wie im Platzertal unwiederbringlich zerstören und auch die Ötztaler Ache nachhaltig schädigen“, verweist die Umweltschützerin auf die gut begründeten Einwendungen von Umweltorganisationen und Bevölkerung. Angesichts des in Tirol schon heute hohen technischen Erschließungsgrads und Nutzungsdrucks auf Natur und Landschaft ist es endlich Zeit, umzudenken. Eine nachhaltige Energiewende braucht keine neuen Megaprojekte, sondern forciert massive Einsparungen im Verbrauch. Der weitere Ausbau Erneuerbarer Energien muss naturverträglich umgesetzt werden“, bekräftigt Simons die WWF-Position.
Rückfragehinweis:
Elisabeth Sötz, WWF Tirol, +43 676 83488 304, elisabeth.soetz@wwf.at
Martin Hof, Pressesprecher WWF Österreich, +43 676 83488 306, martin.hof@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt












