Juli-Abflüsse an 90 Prozent der Pegel-Messstellen sehr niedrig – Burgenland, Vorarlberg und Niederösterreich besonders betroffen – WWF fordert mehr Gewässerschutz und Renaturierung
WWF-Untersuchung: Wildfluss-Heuschrecken am Tiroler Inn verschwunden
Innsbruck, am 16. Juli 2026 – Drei für Wildflüsse typische Heuschreckenarten sind am Tiroler Inn nicht mehr nachweisbar, wie eine neue Untersuchung im Rahmen von INNsieme connect zeigt. Im gesamten Einzugsgebiet kommen Türks Dornschrecke, Kiesbank-Grashüpfer und Gefleckte Schnarrschrecke laut WWF-Erhebung nur noch an der Ötztaler Ache vor. Die Umweltschutzorganisation fordert den Schutz der letzten bekannten Standorte sowie großflächige Renaturierungen am Inn und seinen Zubringern. „An der Ötztaler Ache entscheidet sich, ob diese seltenen Wildflussarten in Tirol überleben. Jede weitere Verbauung und Wasserableitung bringt ihre letzten Lebensräume stärker unter Druck“, sagt die stellvertretende Projektleiterin Marianne Götsch.
Bis vor 50 Jahren waren die Türks Dornschrecke, der Kiesbank-Grashüpfer und die Gefleckte Schnarrschrecke im Einzugsgebiet des Inns weit verbreitet. Heute sind sie laut der Roten Liste österreichweit stark gefährdet. Der Kiesbank-Grashüpfer braucht terrassenförmige Lebensräume, um sich bei Hochwasser zurückziehen zu können. Außerdem ist er auf kiesig-sandige Flächen angewiesen, um seine Eier abzulegen. Flussverbauungen lassen ihre natürlichen Lebensräume zunehmend verschwinden. „Maßnahmen zum Hochwasserschutz sollten nicht blindlings bis an die Wasserkante verbauen, sondern zielgerichtet und maßvoll dort eingesetzt werden wo Menschen und Infrastruktur geschützt werden müssen”, sagt Marianne Götsch vom WWF.
Die letzten Bestände der Wildfluss-Heuschrecken an der Ötztaler Ache sind zudem bedroht durch die Pläne, das Ötztaler Wasser für Wasserkraftnutzung auszuleiten. Durch die geringere Wasserführung in den Restwasserstrecken können Kiesbänke zuwachsen. Dadurch würden nicht nur Lebensräume der stark gefährdeten Wildfluss-Heuschrecken, sondern auch der vom Aussterben bedrohten Deutschen Tamariske verloren gehen.
Über INNsieme connect
Gemeinsam für den Inn – das ist das Motto von INNsieme connect, der Fortsetzung des erfolgreichen Projekts INNsieme (2019–2022): Partnerorganisationen mehrerer Länder kommen zusammen, um den Inn als wertvollen Lebensraum für Mensch und Natur zu stärken und ein Netzwerk für den Schutz des Inns zu schaffen. Dabei werden Maßnahmen zum Artenschutz, zur Umweltbildung und zur Planung konkreter Renaturierungen am Inn und seinen Zubringern umgesetzt. Ermöglicht wird dies durch die Kofinanzierung der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms Interreg Bayern–Österreich 2021–2027 sowie durch die Förderung durch das Land Tirol. Das Projekt endete am 30. Juni 2026.
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