Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
WWF zum Weltfeuchtgebietstag 2013:
Wien, am 1. Februar 2013 – Anlässlich des „Welt-Feuchtgebietstages“ und der Diskussion um den Ausverkauf unseres Wassers, mahnt der WWF einen sorgsameren Umgang mit den natürlichen Wasserreserven ein. Vor genau 30 Jahren hat sich Österreich mit der Ratifizierung der internationalen Ramsar-Konvention dazu verpflichtet Feuchtgebiete – also Moore, Flüsse, Auen, Karstwassersysteme und Quellen – effektiv zu schützen. An erster Stelle fordert der WWF ein Ende des ungehemmten Wasserkraftausbaus: 60 große und hunderte kleine Kraftwerke, drohen die letzten ökologisch intakten Flüsse und Bäche Österreichs zu zerstören. Besonders bedroht sind die 74 heimischen „Flussheiligtümer“.
Dazu gehört das umstrittene Ybbs-Kraftwerk Ferschnitz mitten im Natura 2000 – Gebiet „Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse“. Seine Errichtung gefährdet den Lebensraum des europarechtlich geschützten Huchens und zerstört die letzte lange freie Fließstrecke an der Unteren Ybbs. Bereits 20 Wasserkraftwerke durchschneiden die Ybbs; zwei weitere sind neben dem Ferschnitz-Projekt geplant.
Akut bedroht ist auch die Flusslandschaft der March-Thaya-Auen. Aktuell wird der Ausbau der March zu einer Motorbootstrecke in einem grenzüberschreitenden Projekt des Landes Niederösterreich und der Slowakei geprüft. Motorbootverkehr würde das sensible Ökosystem massiv gefährden. „Bereits jetzt sind die Fischbestände auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Menge geschrumpft. Durch Wellenschlag und Verschmutzungen könnten sie komplett zusammenbrechen“, warnt Karin Donnerbaum vom WWF. Auch für scheue Vogelarten wie Seeadler oder Schwarzstorch, wäre ein Schifffahrtskanal ein extremer Störfaktor. Beide Arten finden im Naturparadies der March-Thaya-Auen noch einen ihrer letzten sicheren Brutplätze.
„Als Verantwortlicher für unsere Wasserressourcen und im Sinne des Ramsar-Abkommens muss Landesrat Stephan Pernkopf dem Ausbau der March zu einer Schifffahrtsstraße eine klare Absage erteilen“, fordert Donnerbaum. „Die Flüsse und ihre Auen müssen als wertvolle Naturoase für die NiederösterreicherInnen erhalten bleiben!“
Die Ramsar-Konvention in Österreich
Österreich hat das Abkommen zum Schutz von Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung – kurz Ramsar Konvention – vor 30 Jahren unterzeichnet. Bisher wurden in Österreich 20 Gebiete in die Liste der „International bedeutenden Feuchtgebiete“ aufgenommen. Von den alpinen Karstquellen über die Donau-Auen bis hin zu den Salzlacken des Neusiedler Sees, stellen diese Gebiete einen einzigartigen Wasserschatz dar.
Feuchtgebiete sind wichtiger Wasserspeicher
Neben ihrer elementaren Rolle für den Naturschutz haben Feuchtgebiete auch eine enorme Bedeutung für die Reinigung, Aufbereitung und Speicherung von Wasser. So fungieren Überschwemmungsgebiete wie die March-Thaya-Auen als Schadstofffilter: Sie können bis zu 150 Kilogramm Nitrat pro Hektar aus dem Wasser filtern und es so wieder für uns nutzbar machen.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Zusatzinformation:
Die Ramsar-Konvention ist ein internationales Abkommen zum Schutz von Feuchtgebieten. Das Abkommen wurde 1971 in der iranischen Stadt Ramsar erstmals unterzeichnet. Seither ist die Anzahl der Mitgliedsländer auf 160 angewachsen. Mehr als 2000 Gebiete wurden mittlerweile als Ramsar-Gebiete ausgewiesen. Kernelement der Ramsar-Konvention ist das Prinzip der "wohlausgewogenen Nutzung" – das "Wise use" Prinzip. Damit ist eine verträgliche Nutzung der Feuchtgebiete gemeint, bei der das menschliche Wohl und der Erhalt der Naturgüter miteinander im Einklang stehen.
International bedeutende Feuchtgebiete, in denen gravierende Verschlechterungen durch Infrastrukturprojekte, Umweltverschmutzung oder sonstige menschliche Eingriffe drohen werden von der Ramsar-Konvention auf dem so genannten Montreux Register geführt. Die March-Thaya-Auen stehen bereits seit mehreren Jahren auf dieser Schandliste, als eines von 51 Gebieten weltweit. Österreich ist gefordert, den Schutz dieser wertvollen Auen endlich zu verbessern.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Renaturierungsprojekte auf über 67 Kilometern im „Amazonas Europas“
WWF-Bilanz zu fünf Jahren UNESCO-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau: Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von über 67 Kilometern Flussabschnitten und Seitenarmen teils abgeschlossen oder in Umsetzung – Pläne für weitere 270 Flusskilometer liegen vor
Good News: Nachwuchs in Inas ausgewilderter Bison-Herde
Vor 8 Monaten wurden die Tiroler Bison-Kuh Ina und ihre Herde nach Aserbaidschan umgesiedelt. Und das Projekt zeigt Erfolge: Die Herde hat sich gut eingelebt und es wurde sogar bereits das erste Kalb geboren.
WWF: Vorarlberg schwächt Naturschutz und Rechtssicherheit
Scharfe Kritik zum Begutachtungsende: Kontrollrechte bei Großprojekten fallen weg – Naturschutzanwaltschaft an 20 Stellen beschnitten – Schutzstreifen an naturnahen Ufern auf fünf Meter reduziert
WWF-Umfrage: Führungskräfte sehen ökologischen Umbau als Wettbewerbsvorteil
Europäische Führungskräfte befragt: 55 Prozent bewerten Folgen der EU-Deregulierung negativ oder gemischt – WWF fordert verlässliche Umweltpolitik statt Zick-Zack-Kurs
Namlosbach: WWF kritisiert irreführende Aussagen der E-Werke Reutte
Massiver Eingriff in geschützten Bach wird als ökologisch unbedenklich dargestellt – WWF kritisiert Schönfärberei und fordert Projektstopp
Artenschutzprojekt im Kaukasus erfolgreich: Herde mit Tiroler Bison-Kuh „Ina“ wächst
WWF-Auswilderungsprojekt mit europäischen Bisons zeigt Erfolge: Herde gut eingelebt, erstes Kalb geboren – Population steigt auf 90 Tiere – GPS-Sender verfolgen Bewegungen – Weitere Auswilderungen geplant
WWF-Auswertung: Tötungskontingente für über 1.000 Biber in sechs Bundesländern
WWF kritisiert EU-rechtswidrige Verordnungen und ausgehebelte Einzelfallprüfungen – Tötungen können zwei Jahrgänge von Jungtieren treffen – Vorrang für Prävention gefordert
WWF zur UVP-Novelle: Umweltprüfung für Rechenzentren muss strenger werden
Aufnahme ins UVP-Gesetz positiver erster Schritt – WWF fordert niedrigere Schwellenwerte für UVP-Pflicht – In schutzwürdigen Gebieten ist geplanter Wert zehn Mal höher als ökologisch vertretbar













