Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
6 bittere Fakten über Österreichs Auen, Flüsse und Moore
Intakte Naturschätze wie Flüsse, Auen oder Moore sind für das Weltklima und den Artenschutz unverzichtbar. Dennoch wurden und werden Naturjuwele hierzulande besonders rücksichtslos verbaut. Zum „Welttag der Feuchtgebiete“ am 2. Februar warnen wir vor der weiteren Verbauung österreichischer Flüsse, Auen und Moore. Wir fordern ein dreistufiges Rettungspaket, das wertvolle Feuchtgebiete österreichweit konsequent schützt, überflüssige Querbauwerke beseitigt und die Verbauung der letzten frei fließenden Flüsse verhindert.
Warum ein Umdenken und strenge Schutzmaßnahmen hierzulande dringend nötig sind, zeigen folgende Zahlen. Hier sechs Fakten über Österreichs Feuchtgebiete, die vor Augen halten, wie weit die Naturzerstörung bereits fortgeschritten ist.
1) Alle 900 Meter eine Barriere in Österreichs Flüssen
Nur 17% heimischer Flussstrecken sind freie Fließstrecken ohne Hindernisse. (Laut BOKU-Studie) können Österreichs Flüsse nur noch auf rund 5.500 Kilometern von etwa 32.000 insgesamt frei fließen. Das bedeutet, dass bereits heute nur noch ein Fünftel aller heimischen Flüsse ungestört fließen kann.

2) Rund 60% aller Fischarten gefährdet
Von den 58 heimischen Fischarten, die heute noch in Fließgewässern anzutreffen sind, sind 34 entweder gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet sind zum Beispiel Fische wie die Äsche oder der Huchen, der größte lachsartige Fisch Europas.

3) Über 5.200 Wasserkraftwerke in Österreich
Mit über 5.200 Kraftwerken sind unsere Flüsse schon jetzt viel zu stark verbaut. Dennoch werden aufgrund falsch ausgerichteter Subventionen hunderte neue Anlagen kommen, wenn die Politik nicht gegensteuert. Acht von zehn Wasserkraft-Anlagen verfehlen zudem die ökologischen Mindeststandards. Sie sollen zuerst saniert und ihre Effizienz gesteigert werden, bevor neue Kraftwerke gebaut werden.

4) Nur noch 14% aller Flüsse in einem sehr guten ökologischen Zustand
Derzeit befinden sich nicht einmal 14% aller heimischen Flussstrecken in einem „sehr guten ökologischen Zustand“ Das bedeutet, dass sie noch natürlich und unbeeinflusst sind. Die Lebensräume der Tiere und Pflanzen sind (noch) nicht durch Verbauung beeinträchtigt oder zerstört. 60% aller Strecken an Flüssen müssen saniert werden, weil sie die ökologischen Mindeststandards des guten ökologischen Zustands nicht mehr erreichen.

5) Intakte Naturjuwele werden verbaut
Bis heute werden immer wieder auch wertvolle Moore zerstört sowie Flüsse mit fragwürdigen Ausnahmegenehmigungen verbaut. In den vergangenen 150 Jahren gingen allein in Österreich mehr als 74.000 Hektar an Flussräumen verloren. Das entspricht etwas weniger als der doppelten Fläche Wiens.

6) Lediglich 1% aller Flüsse Österreichs wird von intakten Auen begleitet
Viele der ehemaligen Auen und Feuchtgebiete mussten der Landwirtschaft und Siedlungen weichen. Vor der Verbauung und Regulierung der Flüsse waren alle größeren und mittleren Flüsse von teilweise sehr großen Auengebieten begleitet, wie man heute noch an den Resten der Donauauen östlich von Wien sehen kann. Erste Regulierungen von Flüssen gab es bereits vor 200 Jahren, eine sehr weitreichende Verbauung und Regulierung war in den 1950er Jahren. Durch die Begradigung der Flüsse tieften sie sich ein womit auch der Grundwasserspiegel gesunken ist. Viele Auen haben dadurch das lebensnotwendige Wasser und den Austausch mit dem Fluss verloren.

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