Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
WWF: Sieg der Vernunft an Tirols wertvollen Flüssen?
Innsbruck, am 15. 12. 2009 – Wie Tiroler Medien vom Wochenende zu entnehmen ist, schließt Landeshauptmann-Stv. Anton Steixner die weitere Wasserkraftnutzung an Tirols Flüssen in strengen Schutzgebieten aus. Das am 11. Dezember in Innsbruck vorgestellte Konzept gewichtet die Gewässernutzung nach verschiedenen Kriterien. Demnach dürfen weder Kraftwerke noch Anlagenteile in Nationalparks, Natura 2000-, Natur- sowie Sonderschutzgebieten errichtet werden. “Dass Landesrat Steixner den Wert des Sonderschutzgebietes der Rietzer und Mieminger Innauen und des Naturparks Lech endlich anerkennt und nicht von vornherein einseitig auf die E-Wirtschaft Rücksicht nimmt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt sollte noch rasch das Aus für die weiteren Planungen erfolgen, bis die Kriterien beschlossen sind”, fordert Nicole Schreyer vom WWF von der Tiroler Landesregierung.
Nicht nur der Lech und die letzten Auen des Tiroler Landesflusses sind den Begehrlichkeiten der Wasserkraft ausgesetzt. Weitere Kraftwerke an der Ötzaler und Venter Ache, am Inn und am Tauernbach sollen wertvolle Fließstrecken zerstören. Wie problematisch diese Planungen sind, zeigt ein vor wenigen Tagen an das Lebensministerium gerichtetes Schreiben der Europäischen Kommission. Die EC bemängelt darin, dass Österreich keine Strategie in der Kraftwerkspolitik verfolgt und mahnt ein, dass Klimaschutz nicht auf Kosten bedeutender Gewässerstrecken gehen darf.
Der neue Tiroler Vorschlag sieht vor, dass es zukünftig einige Ausschlusskriterien für die Errichtung von Kraftwerken geben soll, etwa dann, wenn davon Schutzgebiete betroffen sind wie beim geplanten Kraftwerk Telfs am Inn. Bis zum 28. Februar sind alle BürgerInnen aufgerufen, ihre Vorschläge in den Kriterienkatalog einzubringen. “Man kann aber doch nicht die Menschen zur Mitarbeit auffordern, und in der Zwischenzeit die schönsten Flussstrecken zerstören!” betont Schreyer. “Die von Landesrat Steixner genannten Ausschlusskriterien müssen für alle Projekte gelten.” Nach dem Dafürhalten des WWF ist es deshalb derzeit nur logisch, ein Moratorium für die weitere Behandlung aller Kraftwerksanlagen auszurufen.
Der WWF hat seine Zonierungsvorschläge samt Kartenmaterial bereits im Okober 2009 an die Tiroler Landesregierung übermittelt. Das Ergebnis dieses WWF-Ökomasterplans zeigt, dass an den großen Flüssen nur am Inn im Unterinntal noch weitere Gewässernutzungen aus ökologischer Sicht vertretbar wären. Lech, Ötztaler und Venter Ache sowie der Inn zwischen Landeck und Wörgl sind im österreichischen Vergleich wichtige Flussabschnitte und müssen für den weiteren Ausbau der Wasserkraft tabu sein.
Der WWF begrüßt den Vorstoß des Landes Tirol, in der Wasserkraftfrage weg von Streitigkeiten über Einzelprojekte und hin zu einer integrierten Planung zu kommen. “Der von uns lang geforderte Kriterienkatalog bietet eine solide Grundlage dafür – nun kommt es darauf an, ihn auch richtig anzuwenden”, schließt Schreyer.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 488 17 250
Nicole Schreyer, Leiterin des WWF-Alpenprogramms, Tel. 488 17 402
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Auswilderungsprojekt: Tiroler Wisent-Kuh „Ina” erfolgreich im Kaukasus freigelassen
Naturschutzorganisation siedelt Wildrinder in ihrer Heimat Aserbaidschan an – Kuh „Ina” aus Innsbruck ist eines von 18 Tieren – WWF: „Paradebeispiel für internationalen Artenschutz”
Stromanbieter-Check: TIWAG fällt bei Stromanbieter-Check durch
129 heimische Stromanbieter von WWF und GLOBAL 2000 analysiert – TIWAG aufgrund von mangelnder Transparenz und fehlender naturverträglicher Strategie nur auf Platz 116
Stromanbieter-Check: Wenige Vorreiter, viel Intransparenz
WWF und GLOBAL 2000 analysieren 129 heimische Stromanbieter: Nur drei Vorreiter gekürt, schlechtes Zeugnis für viele Landesenergieversorger
Tiwag-Talschaftsverträge: WWF fordert Reformen statt heimlicher Absprachen
Geheime Vereinbarungen erst nach Gerichtsbeschluss offengelegt – WWF fordert volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und neue Spielregeln für künftige Verträge
Good News: Neues Jahr bringt Fangverbot für Störe in Bulgarien
Bulgarien hat ein dauerhaftes Fangverbot für Störe in der Donau und im Schwarzen Meer eingeführt. Der WWF Bulgarien spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Treibhausgas-Bilanz: WWF warnt vor drohendem Verfehlen der Klimaziele
Ausblick negativ, Österreich nicht auf Kurs für 2030 und 2040 – Verfehlen der Klimaziele wäre „politisches Debakel der Sonderklasse“
WWF zum Ableben von Andreas Pataki
Früherer Bürgermeister von Marchegg und langjähriger Partner im WWF-Auenreservat Marchegg verstorben – WWF würdigt Lebenswerk und Einsatz für Natur
Good News: Abkommen als Meilenstein für Meeresschutz
Das neue Jahr läutet eine neue Ära der Meerespolitik ein: Durch das internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See gibt es nun endlich Regeln für zwei Drittel der globalen Meeresfläche.












