Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Wale vor dem Untergang: Russischer Ölkonzern gefährdet letzte Grauwale
Wien, 6. August 2010 – Der russische Öl- und Gaskonzern Rosneft plant für nächste Woche seismische Untersuchungen vor der russischen Küste der Insel Sachalin. Dadurch gerät eine der bereits am stärksten gefährdeten Walarten weiter unter Druck: Vom Westlichen Grauwal existieren nur mehr 130 Exemplare, darunter befinden sich nur noch etwa 30 zeugungsfähige Weibchen. Jedes Jahr wandern die Wale im Sommer dorthin, um sich fortzupflanzen. Öl- und Gaskonzerne führen in diesem Hauptnahrungsgebiet der Grauwale ihre Tests und Bauprojekte für Bohrinseln durch, die die majestätischen Tiere aus ihrem Lebensumfeld verdrängen und somit deren Fortpflanzung verhindern. Tausende Menschen wenden sich nun im Zuge einer WWF-Offensive an Rosneft, um zumindest einen Aufschub der Tests bis nach der Aufzucht-Saison auf nächstes Jahr zu erwirken.
Wissenschaftler weisen bereits seit zwei Jahren auf den dramatischen Rückgang der Walpopulation in ihrem jährlichen Hauptnahrungsgebiet nahe der nordöstlichen Küste der Insel Sachalin in Russland hin. Die Bedrohung der Wale lässt sich auf die intensiven industriellen Aktivitäten der Ölkonzerne in dieser Region zurückführen. Die Ergebnisse sind besonders alarmierend, da die Wale, wenn sie von ihrem Hauptnahrungsgebiet verdrängt werden, sich weniger oft fortpflanzen können. „Grauwalkühe und ihre Kälber fressen nahe der Küste, aber der von Öl- und Gasförderung erzeugte Lärm verdrängt sie aus dem Gebiet“, sagt WWF Meeres- und Fischereiexperte Georg Scattolin. Die Grauwal-Mütter säugen in den nächsten Wochen vor der Küste Sachalins ihre Nachkommen und lehren sie alle wichtigen Verhaltensweisen, bevor sie sie in die Unabhängigkeit entlassen.
Nach Messungen des WWF übersteigt der Lärmpegel durch die seismischen Test die Grenzwerte und erreicht mitunter über 130 Dezibel. Die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs liegt etwa bei diesem Wert, dies entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. „Nachweislich ändert das das Verhalten der Wale, die sich per Schallwellen orientieren und kommunizieren und äußerst sensibel auf Lärmbelastung reagieren“, so Scattolin.
Der WWF ruft nun dringend dazu auf, eine Petition an Ölmulti Rosneft zu unterzeichen. Regierungen aus 12 Ländern und zahlreiche Wissenschafter haben sich bereits für diese Offensive stark gemacht und tausende Einzelpersonen haben ebenfalls die WWF-Aufforderung an Rosneft-Präsident Sergei Bogdanchikov gesandt: Ziel ist, Rosneft zum Aussetzen der Tests in der Umgebung der Nahrungsgebiete der Westlichen Grauwale für zumindest diesen Sommer zu bewegen. Die Untersuchungen könnten im Juni nächsten Jahres, also vor Eintreffen der Wale durchgeführt werden.
„Ölkonzerne haben bereits unermesslichen Schaden an der Meereswelt angerichtet. In diesem Fall bedroht ein weiterer Ölkonzern den Fortbestand dieser imposanten Meeressäuger. Wir müssen rasch aktiv werden, da die Grauwale in den nächsten Tagen in ihrem Sommernahrungsgebiet nahe Sachalin eintreffen werden“, so Scattolin abschließend.
Weitere Informationen:
Mag. Georg Scattolin, WWF Meeres- und Fischereiexperte, Tel. 0676 83 488 265, gsa@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern
WWF kritisiert lückenhaftes Umweltbudget
Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz













